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Aus der Stadt Viele Hannoveraner schauen WM-Spiel während Arbeitszeit
Hannover Aus der Stadt Viele Hannoveraner schauen WM-Spiel während Arbeitszeit
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20:56 16.06.2010
Von Julia Sellner
Juweliere im Fußballfieber: Dirk Schrader (li.) hat zur WM einen Minifernseher aufgestellt. Seine Angestellten Maren Bergmann und Katrin Gotza freut es. Quelle: Martin Steiner
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Wenn am Freitag um 13.30 Uhr das Spiel Deutschland gegen Serbien angepfiffen wird, können längst nicht alle Fußballfans der Nationalelf vorm Fernseher die Daumen drücken. Schließlich rollt der Ball zu einer Zeit, in der normalerweise noch auf Hochtouren in den Büros, an den Fließbändern, den Supermarktkassen oder den Ämtern gearbeitet wird. Doch Arbeit und Fußballbegeisterung müssen sich nicht immer ausschließen: In vielen Geschäften, Restaurants, Pausenräumen und Betriebskantinen wird das WM-Spiel gezeigt – mal auf Großleinwänden und mal auf kleinen Flimmerkästen.

Um ja kein Tor von Podolski, Klose und Co. zu verpassen, hat etwa Dirk Schrader in seinem Juweliergeschäft in der Georgstraße einen Minifernseher aufgestellt. „Bei uns hat das bei WM-Deutschland-Spielen Tradition.“ Dieser Fußballservice komme bei den meisten Kunden gut an, erklärt der Juwelier, der, wie er sagt, gerne „Flagge bekennt“. Und auch die Angestellten schätzen die Toleranz ihres Chefs. „Da habe ich echt Glück gehabt“, meint Katrin Gotza. Auch die Mitarbeiter von Bassem Kallel, Inhaber des Herrenfriseurs Männersache auf der Lister Meile, müssen morgen nicht die Schere aus der Hand legen, um das Spiel zu verfolgen. „Ehrensache, dass bei uns der Fernseher läuft“, sagt der Tunesier, der am Freitag für Deutschland die Daumen drückt. Angst, dass die Nationalelf es vermasseln könnte, hat Kallel nicht – dafür aber Sorge, dass ihm während des Spiels die Kunden ausbleiben. „Fußballfans gehen ja normalerweise nicht während eines WM-Spiels zum Friseur.“

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Zwar rechnet man auch bei Kaufhof an der Marktkirche nicht mit einem Fan-andrang – vergesorgt hat man trotzdem: „Wir haben eine Fernsehecke in der Abteilung für Damenoberbekleidung, wo das Spiel gezeigt wird und auch die Mitarbeiter mal vorbeischauen können“, berichtet Silke Feuss von Kaufhof. Beim Arbeiten mitfiebern können auch die Bäckereifachverkäufer in der Göing-Filiale in der Seelhorststraße im Zooviertel. Denn während dort Brötchen und Kuchen über die Theke gehen, flimmert auf dem Fernseher die Spielübertragung.

Von so einem Luxus können die Mitarbeiter im Lister Bad nur träumen: „Die Bademeister können zwischendurch mal im Kiosk schauen, aber an der Kasse bekommen wir von dem Spiel nichts mit“, erzählt eine Mitarbeiterin, die sich deshalb am Freitag freigenommen hat. Einen freien Tag muss bei Tuifly niemand beantragen, um die Nationalelf ordentlich anzufeuern. „Unsere Kantine ist mit Fahnen geschmückt, es gibt eine Leinwand, Fanartikel und Bratwürste“, sagt Regine Keppler von Tuifly. Und selbst in der Luft, wenn etwa um 13 Uhr in Hannover ein Flieger nach Mallorca abhebt, ist das Fußballfieber mit an Bord: „Ein Liveticker informiert die Passagiere, und bei einem Tor sagt der Pilot Bescheid.“

Immer auf dem Laufenden sind auch die Schüler der IGS List – dort wird das Spiel in der Mensa auf einer Leinwand übertragen. Ebenfalls im großen Stil schauen die Mitarbeiter der Nord/LB, die im Forum am Friedrichswall vor einer Großbildleinwand Daumen drücken können. „Wenn jemand das Spiel guckt, gilt das aber nicht als Arbeitszeit“, erklärt Sprecher Carsten Dickhut. Nach dem Spiel heißt es für viele: zurück an den Schreibtisch. Berufliches und Sport verbindet auch die Addison Service und Vertriebs GmbH: Im Sheraton Hotel hören 150 zu einer Tagung geladene Führungskräfte zunächst einen Vortrag zum Thema „Controlling – ein Spielfeld für Experten“, dann bittet das Unternehmen zu Barbecue und Public Viewing vor eine eigens aufgebaute Leinwand.