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Aus der Stadt Gabriel besucht niedersächsische Polizeizentrale
Hannover Aus der Stadt Gabriel besucht niedersächsische Polizeizentrale
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00:16 07.08.2016
Von Michael B. Berger
Sigmar Gabriel (v. l.) und Boris Pistorius in der Polizeikaserne. Quelle: Frank Wilde
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Hannover

Wie schwer ist denn diese Weste im Einsatz“, fragt der Gast aus Berlin die anwesenden Polizisten. „Sechs Kilo“, lautet die Antwort, die im Blitzlichtgewitter der Fotografen kaum zu hören ist. „Ach, das geht ja noch, ich hatte in Afghanistan eine Weste, die war noch schwerer, schrecklich schwer“, sagt der Gast aus Berlin. Als Vizekanzler der Republik hat Sigmar Gabriel schon einiges schultern müssen. Bei seinem Besuch in Hannover braucht er keine Sicherheitsweste. Alle sind sie lieb zu ihm.

Gabriel informiert sich über die Gemütslage der Polizei

Am Donnerstag hat Gabriel die Zentrale Polizeidirektion Niedersachsen besucht, sich nicht nur über die neuesten Waffentechniken informiert, sondern auch über die Gemütslage der Polizei, die derzeit ganz besonderen Anforderungen ausgesetzt ist. Seine „Sommerreise“, die er mit vielen Journalisten aus der Bundespressekonferenz in Hannover abschließt, hat er für den Besuch des Polizeigeländes extra umgeleitet und einen Universitätstermin entfallen lassen. Gerade jetzt, so Gabriels Botschaft, sei es wichtig, dass sich die Politiker bei den Polizisten zeigten. Da er als früherer Ministerpräsident und vormaliger Innenpolitiker der SPD schon so manches Polizeirevier von innen gesehen hat, weiß er gar nicht, ob er jemals die Polizeidirektion Niedersachsen besucht hat, in der knapp 2100 Beamte im Norden Hannovers arbeiten, darunter knapp 1000 Bereitschaftspolizisten.

Verständnisvoller Politiker

Eine Stunde redet Gabriel mit den Polizisten - die Berliner Journalisten, die mit einem Reisebus erschienen sind, müssen vor die Tür. Drinnen geht es um die neuen Herausforderungen wie den Terror oder auch Amokläufer. Oder auch um Beschimpfungen, die Polizisten nach Nerven aufreibenden Einsätzen auch von Politikern erfahren. Etwa, wenn die Polizei in Scharmützel zwischen Autonome und Rechstextreme gerät und sich hinterher anhören muss, zu martialisch aufgetreten zu sein. Gabriel zeigt Verständnis für derlei Klagen.

Rasch noch ein Wort zur aktuellen Türkei-Politik und eines gegen einen möglichen Einsatz der Bundeswehr im Inneren, und schon ist Gabriels Einsatz für die Polizei in Hannover beendet. Als Niedersachsens Innenminister Boris Pistorius einen sorgsam ausgetüftelten Zehn-Punkte-Plan „für eine starke und vernünftige Innenpolitik“ verliest, als wäre er der neue Bundes-Innen-Schattenminister, ist die Bundespressekonferenz schon weg.

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