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Aus der Stadt Von der Leyen bekommt im Wahlkampf Besuch von Piraten
Hannover Aus der Stadt Von der Leyen bekommt im Wahlkampf Besuch von Piraten
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08:33 22.09.2009
Von Gunnar Menkens
Ursula von der Leyen auf dem Lindener Marktplatz. Quelle: Uwe Dillenberg

Die Ministerin ist schon da, Damen und Herren vom Begleitschutz gucken undurchdringlich und wirken angespannt. Plan der Christdemokraten ist, die Ministerin eine Stunde lang durch die engen Gassen zwischen Obstständen, Fischwagen und Blumenhändlern zu begleiten, um vielleicht doch noch den einen oder anderen Zopfträger im roten Linden zu überzeugen. Die Jungs von der Piratenpartei planen, eine Stunde lang hinter von der Leyen herzuziehen. Hier liegt Ärger in der Luft.

Die Ministerin hat sich im Vergleich zur Konkurrenz nicht so oft sehen lassen in diesem Wahlkampf. Viele Termine wirkten eher in die Partei hinein. Und jetzt, bei einer der raren Gelegenheiten, droht Lindener Wahlkämpfern womöglich Kontrollverlust über die eigene Veranstaltung. Von der Leyen, sonst Lächeln und Zugewandtheit in Person, wird im Rahmen ihrer Möglichkeiten unfreundlich. Resolut bittet sie einen Demonstranten, sein Plakat herunterzunehmen. „Dann können wir vernünftig diskutieren.“ Der Tonfall sagt: Hier spricht eine Erwachsene mit einem Knaben. Das Plakat sinkt auf Hüfthöhe, der Pirat mutiert zum Schüler. Ein paar Minuten wird noch darüber gesprochen, ob Sperren ein geeignetes Mittel gegen kinderpornografische Internetseiten ist.

Es ist ein skurriles Bild in Linden. Die Bundesministerin für Familie, Senioren, Frauen und Jugend schlendert über den Markt, umgeben von Sicherheitsleuten und persönlichem Referent, in orangenen T-Shirts folgt das Wahlkampfteam, die Hände voller Prospekte, hinterher Piratenpartei, mittendrin einige Polizisten. Viel Platz für andere bleibt da nicht. Die Aktion der Piratenpartei liegt auf der Grenze zur Störung, aber von der Leyen wirkt unbeeindruckt und macht, was sie seit Beginn ihrer politischen Karriere tut. Sie geht auf Menschen zu, lässt diejenigen nicht aus, die wirklich nicht nach Union-Wählern aussehen. Kommt es zu Gesprächen, hört sie zu und berührt ihr Gegenüber gerne am Arm. „Gucken und anfassen“, sagt die 50-Jährige, das möge sie im Wahlkampf. Dass nächsten Sonntag Wahl ist, wissen auf dem Markt alle. Ob sie für von der Leyen stimmen, lassen die meisten offen, Lindener sind oft höfliche Menschen. „Ich guck mal“, sagt eine junge Mutter, aber man ahnt: Das wird wohl nichts. Wer aber, wie eine alte Dame mit Einkaufstasche, viel Glück wünscht und „Grüße an den Herrn Vater“ ausrichten lässt, der scheint überzeugt. Ursula von der Leyen ist in Hannover immer auch die Tochter von Ernst Albrecht.

Im bürgerlichen Kirchrode ist alles so entspannt, dass die Personenschützer wagen, ein wenig miteinander zu plaudern. Es ist die fünfte Station an diesem Sonnabend, der von neun bis halb vier am Nachmittag Wahlkampf bedeutet. Am CDU-Stand vorm Discounter Plus zücken Parteimitglieder Digitalkameras und machen Fotos vom hohen Besuch. Eine Ehre für den Ortsverein, am Ende festgehalten in einem Gruppenbild mit Dame. In einer kuriosen Szene bildet sich auf dem Bürgersteig eine kleine Schlange, an deren Spitze fünf ältere bis sehr alte Damen stehen. Es ist ein großes Händeschütteln. Natürlich kommen auch Gegner des Boehringer-Forschungszentrums. Sie hätten erwartet, von der hannoverschen CDU ernster genommen zu werden, sagt Sabine Wedekind. Von der Leyen kann den Bau nicht stoppen, „als Ärztin weiß ich, dass Forschung nötig ist“, lobt aber das kritische Engagement der Frauen, ohne das Demokratie nicht funktioniere. Referent Tangermann überreicht seine Visitenkarte, die Damen sollen mal was schicken. Die sind zufrieden, dass die Ministerin sich Zeit genommen hat.

Am Freitag geht der Wahlkampf um den Wahlkreis Hannover-Süd weiter, dann an der Seite von Wirtschaftsminister Guttenberg. In der Union sind sie sehr gespannt, ob Ursula von der Leyens Popularität genügt, um der etablierten SPD-Konkurrentin Edelgard Bulmahn das Direktmandat streitig zu machen.

Am Ende wurde es ein echtes Kopf-an-Kopf-Rennen: Nur ganz knapp überrundeten die Feuerwerksexperten von Vulcan Pyrotechnics aus China ihre französischen Kollegen – damit sind die Asiaten die diesjährige Siegernation beim Internationalen Feuerwerkswettbewerb in Herrenhausen.

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