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Aus der Stadt Vorbehalte gegen Mieter-Beteiligung bei energetischer Sanierung
Hannover Aus der Stadt Vorbehalte gegen Mieter-Beteiligung bei energetischer Sanierung
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15:22 01.10.2010
Von Veronika Thomas
Frisch gedämmt: Wie bei diesem Haus in der Sallstraße erhalten etliche Gebäude in Hannover einen dicken Wärmeschutz. Quelle: Uwe Dillenberg

Die Pläne von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU), Mieter deutlich stärker als bisher zur Kasse zu bitten, wenn ihre Wohnung energetisch saniert wird, halten Fachleute der Wohnungswirtschaft in Hannover zwar für wünschenswert, andererseits aber für kaum durchsetzbar. Der Mieterbund bezeichnet die Pläne als „unsinnig, weil die energetische Sanierung des Wohnungsbestands zur Senkung des Energieverbrauchs nicht zum Nulltarif zu haben ist“, sagt Randolph Fries, Geschäftsführer des Mieterbunds in Hannover.

„Schon heute können Vermieter bis zu elf Prozent der Kosten auf die Miete aufschlagen“, sagt Fries. Bei einer Investition von 20.000 Euro für eine Wohnung, etwa für dreifach verglaste Fenster, ein gedämmtes Dach oder eine komplett gedämmte Fassade, erhöhe sich die Miete um monatlich 183,33 Euro – auf Dauer. Dieser Modernisierungsaufschlag ließe sich aber in Regionen wie Hannover nicht durchsetzen, weil Mieter aufgrund des ausgeglichenen Wohnungsmarktes in preiswertere Wohnungen umziehen würden.

Anders sei die Situation in Städten wie München mit einem extrem verknappten Wohnungsangebot. „München hat ein großes Problem damit, weil die unteren Einkommensschichten aus der Stadt heraussaniert werden“, sagt der Mieteranwalt. Schon die unteren Beschäftigungsgruppen des öffentlichen Dienstes könnten sich derartige Preisaufschläge nicht leisten und würden ins preiswertere Umland verdrängt.

Der Verband der Wohnungs- und Immobilienwirtschaft Niedersachsen-Bremen (vdw), dessen 171 Mitgliedsunternehmen in den vergangenen Jahren Hunderte Millionen Euro in die Aufwertung des Wohnbestands investiert haben – den größten Teil davon in Klimaschutzmaßnahmen – begrüßt zwar Merkels Pläne, hält sie aber für nicht durchsetzbar. „Um mehr als elf Prozent der Sanierungskosten auf Mieter umlegen zu können, müsste das Mietrecht geändert werden“, sagt vdw-Sprecher Carsten Ens. „Das halte ich für schwer umsetzbar.“ Wünschenswert sei aber eine finanzielle Beteiligung der Mieter, die sich an der Einsparung der Energiekosten orientiere.

Scharfe Kritik äußert der vdw an der Einsparung der Mittel im CO2-Gebäudesanierungsprogramm der bundeseigenen KfW-Förderbank. 2009 betrugen die Fördermittel bundesweit noch zwei Milliarden Euro, in diesem Jahr sind es nur noch 1,4 Milliarden, im nächsten Jahr sollen es nur noch 450.000 Millionen Euro sein. Schon jetzt seien die Fördermittel für Besitzer von Ein- und Zweifamilienhäusern ausgeschöpft. Auf der einen Seite die Förderung massiv zu kürzen und auf der anderen die Kosten auf Mieter und Vermieter abzuwälzen, sei der falsche Weg, um den Energieverbrauch von Gebäuden massiv zu senken. „Da kann sich der Bund nicht aus der Verantwortung stehlen“, sagt der vdw-Sprecher.

Rainer Beckmann, Geschäftsführer des Haus- und Grundeigentümervereins Hannover, versteht die ganze Aufregung nicht. „Schon jetzt können die Mieten um elf Prozent erhöht werden“, sagt der hannoversche Chef von Haus & Grund. „Ich gehe davon aus, dass das auch so bleibt. Schließlich gewinnt eine Wohnung an Wert, wenn sie energetisch saniert wird, und davon profitieren die Mieter.“

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