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Aus der Stadt Dieser Vorkriegsbau wird jetzt abgerissen
Hannover Aus der Stadt Dieser Vorkriegsbau wird jetzt abgerissen
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00:18 25.08.2017
Von Conrad von Meding
Reich verziert: Die Neorenaissancefassade aus dem vorletzten Jahrhundert macht Platz für einen Neubau. Auch das Nachbargebäude links wird bei der Gelegenheit abgerissen. Quelle: Meding
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Hannover

"Wenn in einer Stadt immer nur an Altem festgehalten wird, dann kann nie etwas Neues entstehen“, sagt Jörg Echternach, Prokurist der Wach- und Schließgesellschaft. Das Sicherheitsunternehmen war 2015 von dem Innenstadtstandort in seinen Neubau an der Vahrenwalder Straße gezogen und hat die Büros in der Hausmannstraße aufgegeben. Dort lässt es jetzt Wohnungen als Kapitalanlage errichten. Auf dem Grundstück des Neorenaissancehauses und des Nachkriegs-Nachbargebäudes sind insgesamt 18 kleinere Wohneinheiten geplant. „Zum Beispiel für Studenten“, sagt Echternach: „Bei der Nähe zur Uni finden wir das eine sehr sinnvolle Nutzung.“

Die Vorkriegs-Bausubstanz von Hannovers Innenstadt ist bei Luftangriffen in den letzten Kriegsjahren zu 85 Prozent zerstört worden, auch für den Wiederaufbau wurde munter weiter abgerissen. „Dass auch heute noch wertvolle Vorkriegsbauwerke einfach verschwinden, müssten verboten werden“, sagt Bauhistoriker Sid Auffarth. Wenn sich die Ratspolitik einig würde, könne zumindest für die innenstadtnahen Bereiche eine Erhaltungssatzung erlassen werden, fordert Auffarth.

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Im Landesdenkmalamt findet auch der stellvertretende Amtsleiter Reiner Zittlau die Abrisse hannoverscher Vorkriegsbauten sehr bedauerlich. Erhaltungssatzungen allerdings müssten klar umgrenzbare Bereiche umfassen. „Hannovers verbliebene historische Bauwerke stehen ja nur noch wie Zahnlücken in den Quartieren, da ist eine Erhaltungssatzung schwierig“, sagt er. Er verweist aber auf die Initiative des Bundes, besonders erhaltenswerte Bausubstanz in den Fokus zu nehmen, die zwar nicht als Denkmal geschützt ist, aber eine örtlich wichtige Bedeutung hat. „Das“, sagt Zittlau, „ist bei Vorkriegsbauten in Hannover sicherlich der Fall.“ Zuständig sei aber die Ratspolitik, die die Gebäude schützen könnten.

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