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Aus der Stadt Die Stimme der Schüler
Hannover Aus der Stadt Die Stimme der Schüler
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08:39 18.05.2015
Fordert eine Lösung im Klassenfahrtkonflikt: Daniela Rump. Quelle: Surrey
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Hannover

Klassensprecherin war sie schon in der 6. Klasse, Schulsprecherin der Kooperativen Gesamtschule Pattensen ist sie seit 2012, und jetzt spricht Daniela Rump sogar quasi für alle Schüler im Land. Seit zwei Monaten ist sie Vorsitzende des Landesschülerrates, und ihre Feuertaufe hat sie gleich souverän bestanden. Wenige Tage nach ihrer Wahl erläuterte sie im Kultusausschuss des Landtages wortgewandt bei der Anhörung zum neuen Schulgesetz, dass es höchste Zeit für die Rückkehr zum Abitur nach 13 Jahren sei. Die 19-Jährige monierte aber auch, dass Rot-Grün kein echtes Konzept für die Schüler habe, die weiterhin G 8 machen wollten. Einfach ein Schuljahr zu überspringen, das sei kein Konzept.

Daniela Rump ist nicht nur flink im Kopf, sondern auch in den Beinen. Rope- Skipping ist neben Joggen ihre Lieblingssportart, und das ist viel mehr, als man gemeinhin unter Seilspringen versteht. Es ist echter Wettkampf.

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Die Elftklässlerin hat es sich zum Ziel gesetzt, das Gremium, das sie vertritt, nach außen bekannter zu machen. Transparenz nennt sie das. So wie viele Schüler nicht genau wüssten, was die Schülervertretung eigentlich mache, so sei auch der Landesschülerrat zwar namentlich bekannt - was dahinterstecke, aber eher weniger. Schülervertreter könnten mitgestalten, auf Augenhöhe mit der Schulleitung, zum Beispiel gemeinsam das Sommerfest der Schule planen. „Das macht Spaß“, sagt Daniela Rump. Die Arbeit an der Spitze des Landesschülerrates sei eine Herausforderung. „Ich habe mir das etwas anders vorgestellt“, fügt sie hinzu: „Ich dachte, man macht mehr mit Schülern.“ Stattdessen trifft sie sich vor allem mit Erwachsenen - mit der Kultusministerin, mit den Chefs der Lehrer- und Elternverbände, mit den schulpolitischen Sprechern der Parteien. Einen Kongress speziell für Schüler will der Schülerrat im Herbst aber auch ausrichten

Das beherrschende Thema in Niedersachsens Schulpolitik werde wohl auch in den nächsten Monaten der Klassenfahrtenboykott bleiben, sagt Daniela Rump. Weil die Landesregierung zum 1. August 2014 die Unterrichtsverpflichtung für Gymnasiallehrer von 23,5 auf 24,5 Wochenstunden hochgesetzt hat, haben die Personalräte an drei Vierteln der Gymnasien beschlossen, keine Klassenfahrten mehr zu machen. Auch andere freiwillige Leistungen wie Theater- oder Konzertbesuche sind vielerorts ausgesetzt worden.

Aus Solidarität haben auch viele Kooperative Gesamtschulen ihre Klassenfahrten ausgesetzt. „Das Warnsignal ist angekommen“, sagt Daniela Rump. Es sei klar, dass die Pädagogen sehr belastet seien. Dennoch hofft die Schülervertreterin auf ein baldiges Ende des Boykotts. Die Fassade fange schon an zu bröckeln, meint sie. So haben einige Schulen den Boykott am Jahresanfang zurückgenommen, an anderen Kollegien wird das generelle Nein allmählich aufgeweicht. Einige Fahrten werden inzwischen wieder angeboten. Andererseits wollen die Personalräte bis 2018 an dem Boykott festhalten. Wohl auch selbst dann, wenn das Gericht in Lüneburg, wo der Philologenverband und andere Organisationen Klage gegen die Mehrarbeit an Gymnasien eingereicht haben, entscheiden sollte, dass die Stundenerhöhung rechtmäßig war.

Die Schüler seien mitten in einen Konflikt zwischen Land und Lehrern geraten, für den sie nicht verantwortlich seien, sagt die 19-Jährige. Es sei Zeit für einen Kompromiss: „Man muss endlich aufeinander zugehen.“ Elternfahrten wie jetzt an der Elsa-Brändström-Schule in der Südstadt seien eine lobenswerte Zwischenlösung, aber kein Ersatz für eine Klassenfahrt. Schließlich gehe es um die Verbindung von Schülern und Lehrern außerhalb des Klassenzimmers.

„Meine Eltern haben sich gefreut, als ich zur Vorsitzenden des Landesschülerrats gewählt wurde“, sagt Daniela Rump. Von ihrer Familie habe sie gelernt, für die eigene Meinung einzustehen: freundlich, aber bestimmt. Auch Themen wie Flüchtlinge oder das jüngste Urteil zu Lehrerinnen mit Kopftuch dürften in den nächsten Monaten verstärkt zur Sache des Landesschülerrates werden. Aufgewachsen in Nordstemmen-Adensen (Kreis Hildesheim) hat sie bis zur 10. Klasse die Realschule besucht und ist dann zur KGS Pattensen gekommen. Viel von dem, was man gerne lernen würde, etwa wie man ein Auto kauft oder Mietverträge abschließt, käme in der Schule leider gar nicht vor, bemängelt Rump. Manchmal wünscht sie sich einfach mehr Lebensnähe im Schulalltag.

Mathias Klein 18.05.2015
18.05.2015
Michael Zgoll 21.05.2015