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Aus der Stadt Votum für Logistikzentrum
Hannover Aus der Stadt Votum für Logistikzentrum
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08:12 10.03.2012
Von Michael Zgoll
Auf dem Messegeländer Ost ist die Errichtung eines großen Paketversandhauses geplant. Quelle: Nico Herzog
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Hannover

Der Bezirksrat Döhren-Wülfel hat für die Fortführung von Plänen votiert, am Kronsberg ein gigantisches Versandhandlungszentrum anzusiedeln. Mit zwölf zu sieben Stimmen winkten die Abgeordneten den Fortgang des Planungsverfahrens rund um das umstrittene Projekt an der Grenze von Mittelfeld und Bemerode durch.

Auf der Mehrheitsseite hoben SPD, Grüne und der Piraten-Vertreter in drei verschiedenen Abstimmungen die Hand für eine Fortsetzung des Verfahrens. CDU sowie der Linken- und der WfH-Vertreter wiederum stimmten dagegen.

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Zuvor hatten Anwohner und Politiker jenen Gutachtern Fragen stellen können, die die Untersuchungen zur Durchführbarkeit der Ansiedlung angefertigt hatten. Die Fragerunde förderte noch einmal viele Details der Untersuchungsmethodik zutage, konnte aber das generelle Misstrauen der Hallenkritiker nicht ausräumen. Sie monierten, dass etliche Schlussfolgerungen zur Belastung der Umgebung mit Lärm, Luftschadstoffen oder Bodenverunreinigungen auf Modellen beruhten, die einem Praxistest möglicherweise nicht standhalten würden.

Als "irre" bezeichnete die CDU-Fraktionsvorsitzende Gabriele Jakob die Aussicht, dass der Logistikbetrieb möglicherweise mit einer acht Meter hohen und 400 Meter langen Lärmschutzwand abgeschirmt werden müsse: "Mit dieser Wand und der Halle wird das Landschaftsbild des Kronsbergs völlig zerstört." Das ganze Projekt sei "umweltpolitisch eine Sünde und städtebaulich ein Skandal". Manfred Milkereit (Die Linke) griff die Kritik auf, die in einem jüngst veröffentlichten Gutachten des Bundes für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) steht: Es sei "ökologisch fragwürdig", dass der planende Konzern amazon voll auf ein straßengebundenes System setze, wo doch ein Anschluss an das Eisenbahnnetz vonnöten wäre.

Demgegenüber verteidigten die Mehrheitsfraktionen des Bezirksrats die mögliche Ansiedlung des Internetlogistikers. "Das ist eine große Chance für die Landeshauptstadt", warb etwa SPD-Fraktionschef Bert Oltersdorf um Zustimmung. In die gleiche Kerbe schlug der Grüne Hans Linde: "Wir können einem investitionsbereiten Unternehmen dieser Größenordnung doch nicht die Tür vor der Nase zuschlagen."

Die Grünen verwiesen auf Untersuchungen, wonach mit einem neuen Distributionszentrum nicht nur mehr als tausend neue Dauerarbeitsplätze plus viele hundert zeitlich befristete Jobs für gering Qualifizierte geschaffen werden könnten. Zudem hätten die üblichen Stundenlöhne von elf Euro in anderen Städten auch für eine Anhebung der Löhne bei benachbarten Discountern oder Supermärkten gesorgt.

Ein Zusatzantrag von Bezirksrats-SPD und -Grünen, der mehrheitlich beschlossen wurde, umfasste schließlich acht Forderungen, die die Verwaltung mit dem Logistik-Konzern aushandeln soll. Dazu zählen:

  • Die Verpflichtung des Betreibers, ein Jobticket für die Beschäftigten abzuschließen, damit diese mit Bus und Bahn zur Arbeit kommen;
  • der Bau einer Solaranlage auf dem Hallendach, das zudem als Gründach gestaltet werden soll;
  • die Einhaltung des Passivhaus-Standards, zumindest beim Bau des Verwaltungsgebäudes;
  • die Gewährleistung geeigneter Maßnahmen, um den Lastwagenverkehr aus den benachbarten Wohngebieten herauszuhalten;
  • eine regelmäßige Überprüfung der alten Mülldeponie an der Emmy-Noether-Allee im Hinblick auf das Austreten von Schadstoffen;
  • eine Prüfung, ob auf dem Gelände an der Weltausstellungsallee ein Bundesbahn-Anschluss technisch möglich und sinnvoll ist.
Juliane Kaune 13.03.2012
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