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Aus der Stadt Der Mann der Zahlen
Hannover Aus der Stadt Der Mann der Zahlen
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00:15 24.09.2013
Von Bernd Haase
Hat am Wahltag viel zu zählen: Hannovers Wahlleiter Carsten Köller. Quelle: Michael Thomas
Hannover

Es gibt Momente, in denen auch Carsten Köller leicht nervös wird. Zum Beispiel ist das der Fall, als in den Stimmzettelstapeln für die Briefwahl drei Fehldrucke auftauchen – und sich die Frage ergibt, ob weitere Blankobögen in der Charge liegen und möglicherweise schon welche an Wähler versendet worden sind. „Zum Glück hat sich das nicht bewahrheitet“, sagt Köller. Entspannt wirkt er, während er am Tisch in seinem Büro ganz auf der oberen Rathausetage sitzt, obwohl er gerade dafür zu sorgen hat, dass eine Massenveranstaltung mit potenziell mehr als 400 000 Teilnehmern am Sonntag in Hannover reibungslos über die Bühne geht. Der 50-Jährige ist Wahlleiter für die Bundestags- und die Oberbürgermeisterwahlen.

Wahlleiter ist kein Lehrberuf, aber Köller, der seit 1991 bei der Stadt Hannover arbeitet, bringt eine nicht ganz unwichtige Grundvoraussetzung mit. „Zahlen liegen mir, ich hatte in der Schule lieber Mathe als Englisch“, erzählt er. Seit 1998 hat er alle Wahlen in Hannover mitgemacht, zunächst als Stellvertreter, dann seit der Landtagswahl im Januar in Nachfolge des langjährigen hannoverschen Zahlenmeisters Hubert Harfst als Leiter. Formell hat ihn die Stadt vorgeschlagen, und da er keine silbernen Löffel gestohlen oder sich sonst irgendwie etwas zuschulden kommen lassen hat, erteilte ihm der Bundeswahlleiter die erforderliche Zustimmung.

Das Hochamt der Demokratie, wie Wahlen schwülstig genannt werden, ist erstens nicht billig und lässt sich zweitens nicht aus dem Handgelenk abwickeln. Ein Urnengang kostet knapp eine halbe Million Euro für Personal, Porto und Papier. Die Entscheidung, Oberbürgermeisterwahl und Bundestagswahl auf einen Tag zu legen, dürfte deshalb Wohlgefallen bei Kämmerer Marc Hansmann finden. Viele Kosten fallen nicht doppelt an. Außerdem bezahlt der Bund für die Bundestagswahlen, für kommunale Abstimmungen wie die Oberbürgermeisterwahl muss die Stadt selbst berappen.

Eine Wahl beginnt hinter den Kulissen ein halbes Jahr vor dem Abstimmungstermin. Zunächst waren 20 Rathausmitarbeiter mit der Organisation beschäftigt, seit Beginn der Briefwahl Ende August sind es 60. Es ist eine Art Papierkrieg, den sie führen. Sie müssen Wahlzettel in Druck geben und verteilen, Wählerverzeichnisse erstellen, Niederschriften anfertigen, Merkblätter und Formulare etwa für Auszählungen vorhalten und vieles mehr. Lediglich die Urnen, bei denen es sich eigentlich um umfunktionierte Wertstofftonnen (Mülltonnen wäre in diesem Zusammenhang despektierlich) handelt, sind schon vorhanden. „Wir haben Anfang der neunziger Jahre 1500 gekauft. Die sind seitdem im Einsatz“, sagt Köller.

Ein Kapitel für sich ist die Rekrutierung der Wahlhelfer, von denen die Stadt 3900 benötigt. In einigen Stadtteilen gibt es mehr Interessenten als Plätze, in anderen ist es umgekehrt. Dann verschickt die Stadt schon einmal Briefe an Aspiranten, in denen sie darauf hinweist, dass es sich beim mit 30 Euro eher schmal entlohnten Dienst am Wähler um eine Bürgerpflicht handelt. Möglicherweise hat die sinkende Bereitschaft auch damit zu tun, dass Wahllokale schon seit vielen Jahren eigentlich diesen Namen nicht mehr verdienen. Kneipen und Gaststätten haben für diesen Zweck ausgedient, man bevorzugt Schulgebäude. „Das wurde damals empfohlen. Man ist der Meinung, dass zu viel Geselligkeit nicht zur Würde eines demokratischen Wahlgangs passt“, erläutert Köller.

Für die Wähler und diejenigen, die gewählt werden wollen, beginnt die aufregende Phase am Sonntag um 18 Uhr, wenn es ans Auszählen geht. Für die Wahlleitung wird es schon um 7.30 Uhr das erste Mal spannend. Dann weiß sie, ob die Hausmeister jedes Wahllokal aufgeschlossen haben, ob überall die richtigen Wählerverzeichnisse und Stimmzettel liegen, oder ob andere unliebsame Zwischenfälle auftreten, wie derjenige, als ein Wahlhelfer, der in seinem Lokal die Erfrischungsgelder auszahlen sollte, damit durchgebrannt ist. „Das hat sich sehr negativ auf die Motivation der anderen niedergeschlagen“, erzählt Köller. Für Notfälle hält sich im Rathaus ein Fahrdienst bereit, der fehlendes Material in die Wahllokale liefern kann. Außerdem gibt es eine Art Zählfeuerwehr. „Erfahrungsgemäß liefern neun von zehn Wahllokalen die Ergebnisse recht zügig, der Rest läppert sich dann“, sagt Köller. Wenn es irgendwo gar nicht läuft, rückt die Feuerwehr aus.

Gegen Mitternacht wird Köllers Wahltag nach 17 Stunden enden, und dann weiß er auch längst, ob sich bei den Oberbürgermeisterwahlen schon ein Kandidat durchgesetzt hat oder ob es eine Stichwahl für den 6. Oktober zu organisieren gilt. Auch wenn das nicht der Fall sein sollte – die nächste Wahl kommt bestimmt. Am 22. Mai kommenden Jahres wird das Europäische Parlament gewählt und vermutlich auch der Regionspräsident.

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