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Aus der Stadt Auf der Wahlparty der AfD herrscht Ernüchterung
Hannover Aus der Stadt Auf der Wahlparty der AfD herrscht Ernüchterung
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22:35 15.10.2017
Von Michael Zgoll
Die AfD-Wahlparty in Barsinghausen. Quelle: Uwe Dillenberg
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Hannover

Vor dem ehemaligen Restaurant La Tarantella in Barsinghausen-Kirchdorf standen mehrere Fahrzeuge der Polizei, um bei möglichen Störungen der AfD-Landeswahlparty eingreifen zu können. Doch das war nicht nötig, auf der Straße blieb es ruhig. Unruhig wurde es eher im Inneren des Lokals, als rund 60 AfD-Anhänger die erste Prognose von 5,5 Prozent mit verhaltenem Jubel zur Kenntnis nahmen.

Die Stimmung ist mäßig bei der Wahlparty: Nach zweistelligen Wahlerfolgen in anderen Landtagen und bei der Bundestagswahl erhält die niedersächsische AfD weniger Zustimmung. Für den Einzug in den Landtag reicht es dennoch.

Größer noch war der Beifall, als die massiven Verluste der Grünen vorhergesagt wurden. In den jüngsten Umfragen war die Alternative für Deutschland in Niedersachsen meist mit sechs bis acht Prozent gehandelt worden, jetzt blieb lag die Partei noch darunter. "Der Rückzug von Frauke Petry aus der Bundestagsfraktion hat uns massiv geschadet", sagte AfD-Landeschef Armin-Paul Hampel. Er könne es verstehen, dass sich Wähler von der Partei getäuscht sähen.

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Nichtsdestotrotz, so Hampel, sei das Wahlergebnis durchaus ein Erfolg für die AfD, auch wenn es keinen Grund für Jubelrufe gebe. Die Partei sei in den meisten Städten über 10 Prozent gelandet, habe in der Fläche aber nicht punkten können. Hier fehle es oft noch an den Strukturen für erfolgreiche Basisarbeit. Die Stammwählerschaft, die er auf 6 Prozent taxiert, sei in Niedersachsen nahezu mobilisiert worden.

Der Landesvorsitzende wies darauf hin, dass er jüngst "absurden Vorwürfen" der Staatsanwaltschaft ausgesetzt gewesen sei, die aber nach wenigen Tagen widerlegt worden seien. Die Verdächtigungen hätten sicher auch einige Wähler verunsichert. Zu der Frage, ob die Grabenkämpfe in der niedersächsischen CDU jetzt beendet seien, meinte Hampel: "Ich hoffe es." Nach wie vor gebe es aber Kräfte, die die Partei von innen torpedieren wollten. Dass er persönlich Differenzen mit der Spitzenkandidatin Dana Guth hatte, wolle er nicht leugnen: "Das gibt es in allen Parteien." Er hätte sich gut jemanden anderen an der Spitze vorstellen können, aber jetzt habe Guth seine volle Unterstützung. Überhaupt müsse die AfD mehr Geschlossenheit an den Tag legen.

Stefan Bothe vom AfD-Kreisverband Lüchow-Dannenberg/Lüneburg, auf der Landesliste auf Platz 2 gesetzt, erklärte, man habe sich durchaus mehr Stimmen erhofft. Allerdings sei das Ergebnis von 5,5 Prozent in einem westdeutschen Flächenland wie Niedersachsen in der Relation höher zu bewerten als die großen Wahlerfolge seiner Partei in den östlichen Bundesländern. Die wahrscheinlich acht Köpfe zählende AfD-Fraktion wolle im niedersächsischen Landtag nicht Fundamentalopposition um der Fundamentalopposition willen betreiben, sondern werde konstruktiv mitarbeiten, wenn dies bestimmte Themen zuließen.

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