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Aus der Stadt Warnstreik am Mittwoch soll größer werden
Hannover Aus der Stadt Warnstreik am Mittwoch soll größer werden
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00:20 06.03.2015
Von Jörn Kießler
Foto: 200 angestellte Pädagogen haben am Dienstag in Hannover am Kröpcke für bessere Löhne demonstriert.
200 angestellte Pädagogen haben am Dienstag in Hannover am Kröpcke für bessere Löhne demonstriert. Quelle: Tim Schaarschmidt
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Hannover

Als die Gruppe von etwa 20 Lehrern aus Braunschweig gegen 14.10 Uhr am Kröpcke ankommt, wird es noch einmal laut. Mit Trillerpfeifen, lauten Rufen und einem kräftigen Beifall begrüßen die rund 200 Pädagogen aus Hannover, Osnabrück, Lüneburg und Delmenhorst ihre verspäteten Kollegen. Selten wurden Braunschweiger so freundlich in der Landeshauptstadt empfangen. Die nette Geste zeigt, wie schwierig sich der Warnstreik der angestellten Lehrer in Niedersachsen gestaltet. Denn gerade einmal zwölf Prozent der Beschäftigten an den Schulen im Land ist nicht verbeamtet und darf daher streiken. „Der Streik ist ohne wesentliche Auswirkungen auf den Unterricht abgelaufen“, bestätigt Regionssprecherin Christina Kreutz.

Mit Trommeln, Pfeifen und Protestplakaten gegen den Stillstand bei den Tarifgesprächen: Angestellte Lehrer, Sozialarbeiter und Sozialpädagogen haben lautstark ihren Forderungen Nachdruck verliehen.

Auch die für Mittwoch geplanten Streiks der Mitarbeiter im öffentlichen Dienst werden das Leben in der Region kaum beeinträchtigen. Unter anderem beteiligen sich daran die Medizinische Hochschule Hannover (MHH), die Uni und die Straßenbauverwaltung. Rund 500 Personen erwartet die Gewerkschaft Verdi zur zentralen Kundgebung in Hannover. Ab 11 Uhr wollen die Teilnehmer an der Goseriede demonstrieren, bevor sie vor das niedersächsische Finanzministerium am Schiffgraben ziehen.

MHH schließt Notdienstvereinbarung mit Verdi ab

Um die Versorgung der Patienten zu gewährleisten, hat die MHH mit Verdi schon im Vorfeld eine Notdienstvereinbarung abgeschlossen. „Wann immer möglich, sollten Patienten jedoch als ersten Ansprechpartner ihren Hausarzt oder einen niedergelassenen Facharzt aufsuchen“, sagt MHH-Vizepräsident Andreas Tecklenburg.

Im Grundsatz ähnlich handhabte es am Dienstag die Selma-Lagerlöff-Schule in Ronnenberg. „Dort blieb etwa die Hälfte der Schüler zu Hause“, sagt Kreutz. „Ansonsten haben an mehren der zehn am Streik beteiligten Schulen nur ein oder zwei Lehrer die Arbeit niedergelegt.“Mit etwa zehn streikenden Sozialpädagogen gehörte die Schule auf der Bult da schon zu der Speerspitze des Tarifstreiks. „Wenn wir das nicht machen, dann passiert auch nichts“, sagt Walter Karger. „Wir müssen denen zeigen, dass wir uns wehren.“ Die, das sind die Arbeitgeber im öffentlichen Dienst, die am vergangenen Freitag auch die zweite Runde der Tarifverhandlungen mit den Gewerkschaften ohne Ergebnis beendet haben.

Gehaltserhöhung von 5,5 Prozent gefordert

Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) fordert eine Gehaltserhöhung um 5,5 Prozent, mindestens aber 175 Euro, den Ausschluss grundloser Befristungen sowie eine tarifliche Eingruppierung der Lehrkräfte an Schulen und Hochschulen. „Am meisten ärgert mich aber, dass unsere Altersvorsorge gekürzt werden soll“, sagt Kargers Kollege Thomas Kiehne. „Als die staatliche Rente weniger wurde, hieß es, wir hätten ja noch die betriebliche.“ Vor allem die Tatsache, dass die Arbeitgeber diesen Vorstoß unter einer sozialdemokratischen Landesregierung wagten, macht ihn wütend.     

Es brodelt in der Chemie

Seltener Konflikt: Jahrzehntelang haben sie in der Chemieindustrie nicht einmal flächendeckende Warnstreiks nötig gehabt – und nun das. Hunderte Beschäftigte von Conti, Honeywell, EDC, Abbott oder Benecke-Kaliko werden heute darauf vorbereitet, dass es diesmal doch stärker im Gebälk knirschen könnte als üblich. Mehrere Informationsaktionen seien heute an den Standorten in Hannover angesetzt, teilte die IG BCE mit. Dazu gehören auch „politische Frühstückspausen“, für die beispielsweise die Beschäftigten von Honeywell in Seelze vor das Werkstor ziehen wollen. Die Gewerkschaft ist skeptisch, dass sie sich diesmal – wie sonst üblich – in der dritten Verhandlungsrunde mit den Arbeitgebern einigt. Die Arbeitgeber hätten sich bislang „sehr destruktiv“ verhalten, kritisierte Wolfgang Blossey, IG-BCE-Bezirkschef in Hannover. Die Gewerkschaft fordert 4,8 Prozent mehr Lohn und eine Arbeitszeitreduzierung im Alter. Die Gegenseite hat noch kein Angebot vorgelegt. Verhandelt wird wieder Mitte März.

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