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Aus der Stadt Warnstreik im Bahnverkehr trifft vor allem Fernreisende
Hannover Aus der Stadt Warnstreik im Bahnverkehr trifft vor allem Fernreisende
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20:18 25.02.2011
Von Bernd Haase
Die Austauschstudenten Martin Holubec, Zbynek Durovec und Petra Chrojkova (v. li.) im Hauptbahnhof Hannover. Quelle: Uwe Dillenberg
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Kommt sie? Kommt sie nicht? Gestern war wieder ein Rätseltag für Bahnreisende, weil die Lokführer streikten. Gegen 9 Uhr, als der Streik bereits eine halbe Stunde im Gange war, blickten eine Handvoll Männer und Frauen an der Station Langenhagen-Kaltenweide hoffnungsfroh, als sich die S-Bahn mit Ziel Hauptbahnhof tatsächlich näherte. Sie hielt dann auf dem Gegengleis. Die Männer und Frauen rannten durch die Unterführung, und als sie auf der anderen Seite den Bahnsteig erreicht hatten, schlug die Hoffnung in Ärger um: Von der Bahn sahen sie nur noch die Rücklichter. „Gibt es doch nicht“, entfuhr es dem Kaltenweider Dieter Galas, für den ein dringender Termin im Landtag anstand.

Gab es doch. Zwischen 8.30 Uhr und 11.30 Uhr legte die Lokführer-Gewerkschaft GDL zum zweiten Mal den Bahnverkehr auch im Raum Hannover zu weiten Teilen lahm. Mehr als 50 S-Bahnen fielen aus. Dazu kamen 50 Regionalbahnen und etliche Fernverkehrszüge. Pendler traf es dieses Mal nicht ganz so arg, denn der Streik begann nach Ende der Hauptverkehrszeit. Während der Fahrplan der S-Bahn am frühen Nachmittag wieder halbwegs im Lot war, wurde die Fahrt ins Wochenende für Fernreisende den ganzen Tag über zur Lotterie.

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Petra Chrojkova, Zbynek Durovec und Martin Holubec aus Tschechien, die gerade ein Semester als Austauschstudenten an der Leibniz Universität beendet haben, sahen einer langen Reise über Leipzig und Dresden Richtung Prag entgegen. Am späten Vormittag hatten sie sich mit Rucksäcken und Kissen ein kleines Lager vor einem Fahrplanaushang im Hauptbahnhof aufgeschlagen. „Wir wissen noch nicht, wo wir die Nacht verbringen“, sagten die drei, nachdem der erste Zug Richtung Leipzig ausgeblieben war. Der Arbeitskampf hatte sie überrascht.

Sebastian Reckenwald, Soldat aus Essen, war für einen mehrtägigen Lehrgang in der Emmich-Cambrai-Kaserne gewesen und wollte nach Hause. Sein Zug war zunächst als gestrichen gemeldet. Mitten im Gespräch machte er kehrt Marsch und eilte mit seinem Gepäck die Treppe zum Bahnsteig hinauf. Dort rollte überraschend ein ICE Richtung Ruhrpott heran.

So wie dem Gefreiten Reckenwald ging es gestern Tausenden. Die Fahrpläne waren meistens ihr Papier nicht mehr wert. Dafür prasselten im Minutentakt Ansagen aus den Lautsprechern im Bahnhof, woraufhin Menschen mit Koffern loshasteten. Verlässliche Notfahrpläne wie bei früheren Streiks konnten die Disponenten nicht schreiben, weil die neue Taktik der GDL das Geschäft der Planer erschwert: Streikende Lokführer – in der Region Hannover sind nach Angaben der Gewerkschaft etwa 50 Prozent organisiert – stellen die Züge an Durchfahrt­strecken ab und machen das Netz so auch für andere dicht. „Im Hauptbahnhof waren zeitweilig fünf Gleise blockiert“, teilte die Bahn mit.

Derweil standen die Urheber des Ganzen in der Bahnhofshalle und hielten ihre Schilder hoch. Wer erwartet hätte, dass die Lokführer von zornigen Fahrgästen bedrängt würden, sah sich getäuscht. Die meisten nahmen keine Notiz. Es scheint so, als hätten sich die Menschen an die Rätseltage im Bahnverkehr gewöhnt.

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Von 8.30 Uhr bis 11.30 Uhr standen die meisten Züge am Freitag still. Ein erneuter bundesweiter Warnstreik der Lokomotivführer hatte den Bahnverkehr im Norden weitgehend lahmgelegt. Bis zum Abend werde es dauern, bis die Züge wieder nach Plan fahren, sagte ein Bahnsprecher.

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