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Aus der Stadt Das müssen Sie zum Streik wissen
Hannover Aus der Stadt Das müssen Sie zum Streik wissen
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15:53 19.03.2014
Am Mittwoch wird in Hannover gestreikt. Quelle: dpa
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Was wird bestreikt?

Die Gewerkschaft ver.di hat am Mittwoch zu einem Warnstreik in Hannover aufgerufen. In den Ausstand treten kommunale Angestellte, betroffen sind also Stadtbahnen und Busse der Üstra, städtische Kitas, die Müllabfuhr und aha-Betriebshöfe sowie städtische Ämter und Einrichtungen wie Schwimmbäder. Die Gewerkschaft ver.di rechnet mit mindestens 5000 Beschäftigen, die in der Stadt Hannover die Arbeit niederlegen. In unserem Live-Ticker halten wir Sie auf dem Laufenden.

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Warum wird gestreikt?

Hintergrund des Warnstreiks ist die erste Runde der Tarifverhandlungen für die 2,1 Millionen Angestellten von Bund und Kommunen. Sie ging vergangenen Donnerstag ergebnislos zu Ende. Die Gewerkschaften fordern eine Anhebung der Gehälter um 100 Euro monatlich sowie einen zusätzlichen Lohnzuwachs von 3,5 Prozent. Für Auszubildende soll es 100 Euro mehr Gehalt und eine unbefristete Übernahme geben. Die Arbeitgeber hatten die Forderungen als überzogen zurückgewiesen, legten jedoch kein eigenes Angebot vor. Am morgigen Donnerstag, 20. März, und am Freitag, 21. März, beginnt die zweite Verhandlungsrunde. Sollte sie ergebnislos verlaufen, drohen weitere Streiks. „Die Bereitschaft ist hoch“, sagt der städtische Personalrat Homann.

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Kinderbetreuung

Nur städtische Kitas werden in Hannover bestreikt, Einrichtungen anderer Träger (Elterninitiativen, Kirchen, Verbände) sind ausgenommen. Im Sehnde bleiben die Kindertagesstätten Wehmingen und Müllingen sowie die drei Kernstadt-Kitas geschlossen. In Neustadt am Rübenberge öffnen nur zwei von zwölf Kitas – in Schneeren und in Mardorf. In Langenhagen bleiben alle Krippen und Horte dicht, die städtischen Kitas richten jedoch eine Notbetreuung ein. In Hemmingen schließt eine Krippengruppe in Arnum; der Kita-Betrieb in Hemmingen-Westerfeld wird durch Gruppenzusammenlegungen aufrecht erhalten. Der hannoversche Kita-Stadtelternrat empfiehlt betroffenen Eltern, sich mit Nachbarn und Freunden abzusprechen, um eine eigene Notgruppe auf die Beine zu stellen. Wenn das nicht gelingt, sollten Eltern das Gespräch mit dem Arbeitgeber suchen. Nach einem Urteil des Bundesarbeitsgerichts können Arbeitnehmer in einer Notsituation Anspruch auf einen Tag Sonderurlaub geltend machen, allerdings unbezahlt. „Ein normaler Urlaubstag müsste in jedem Fall gewährt werden“, sagt Rechtsanwalt Thomas Klapproth.

Busse und Bahnen

Bei der Üstra fahren keine Busse und Bahnen – vom Betriebsbeginn um 3 Uhr bis Betriebsschluss in der Nacht zu Donnerstag. Die S-Bahn, Regionalverkehrszüge von Deutsche Bahn, Erixx und Metronom sowie das Busunternehmen RegioBus sind vom Streik nicht betroffen. Bei  RegioBus muss wegen des erwarteten hohen Verkehrsaufkommens mit Verspätungen gerechnet werden.

Autoverkehr

Die Verkehrsmanagementzentrale geht davon aus, dass auf den Straßen Hannovers und auf den Schnellwegen der Verkehr in den Morgenstunden und am späten Nachmittag zunehmen wird. Die Verkehrsexperten raten, bei der Fahrt zur Arbeit 15 zusätzliche Minuten einzukalkulieren. Der Ansturm auf den Straßen sei aber auch vom Wetter abhängig. Sollte es regnen, dürfte der Verkehr noch dichter werden. Für den Vormittag hat ver.di zudem zu einem Demonstrationszug durch Hannovers City mit einer Abschlusskundgebung aufgerufen. Die warnstreikenden Beschäftigten treffen sich um 10 Uhr vor dem Rathaus und marschieren dann zum Aegidientorplatz. Von dort geht es die Marienstraße hinunter und weiter auf der Berliner Allee. Danach biegt der Zug in die Lister Meile ein Richtung Hauptbahnhof ab. Auf dem Ernst-August-Platz findet gegen 11.15 Uhr die Abschlusskundgebung statt. Aktuelle Verkehrsinfos gibt es unter haz.de/verkehr.

Taxiangebot

Hannovers Taxiunternehmen werden „alles rausschicken, was vier Räder hat“, kündigt Michael Frenzel an, Chef der Taxisparte beim Gesamtverband Verkehrsgewerbe Niedersachsen. Allerdings weist er darauf hin, dass manche Fahrten aufgrund der Verkehrsdichte länger dauern könnten. Er empfiehlt, Fahrgemeinschaften zu bilden.

Funk-Taxi-Ruf Hannover GmbH (+49 511 2143 u. 8484)
Hallo Taxi 3811 (+49 511 3811)
Gruß Taxen GmbH  (+49 511 664964)
KSM Taxi-Dienst GmbH  (+49 511 447527)
Südkreis – Taxengesellschaft  (+49 511 9886262)
Taxenhof Nordstadt (+49 511 702808)
Arnemann GmbH (+49 511 4584545)

Leihautos

Auch die Leihautofirma Stadtmobil verhehlt nicht, dass der Stillstand beim öffentlichen Nahverkehr für sie ein Grund zur Freude ist. Die Auslastung sei sehr hoch, sagt Sprecherin Judith Siano. Derart umsatzstarke Tag habe man sonst nur zu Weihnachten. Aber jeder, der ein Auto braucht, werde auch eines bekommen, sagt Siano. Neben Stadtmobil bietet auch VW-Quicar Leihautos an.

Stadtmobil

Quicar

Fahrradverleih

Die Radstation am Hauptbahnhof richtet sich auf erhöhte Nachfrage ein, auch wenn sich die Reservierungen bisher in Grenzen halten. „Manchen fällt erst am Mittwoch auf, dass keine Busse und Bahnen fahren“, sagt Mitarbeiter Dennis Molle. Auch der „2 Rad Hof“ in der Schierholzstraße rechnet mit mehr Kunden.

Müllabfuhr

Wertstoffhöfe und Deponien bleiben in der gesamten Region geschlossen. Abgesehen von einem Notdienst, etwa für Krankenhäuser und Altenheime, ruht der komplette aha-Betreib. Die Müllabfuhr werde in den kommenden Tagen nachgeholt, verspricht aha. Weitere Infos finden Sie hier.

Medizinische Versorgung

Im Klinikum Region Hannover werden voraussichtlich alle Krankenhäuser bestreikt – bis auf die Häuser in Gehrden und Springe. Eine zwischen der Gewerkschaft ver.di und der Geschäftsführung des Klinikums abgeschlossene Notdienstvereinbarung stellt jedoch sicher, dass alle Notfälle sowie nicht aufschiebbaren Operationen und Behandlungen durchgeführt werden. Allerdings müssen wegen des Streiks etwa 60 geplante Operationen verschoben werden. Alle Patienten wurden gestern darüber informiert.

MHH

Die Medizinische Hochschule wird zwar nicht bestreikt, ist aber ohne Busse und Bahnen nicht ganz so einfach erreichbar wie sonst. Aus diesem Grund richtet die MHH von 6 bis 20 Uhr wieder einen kostenlosen Buspendelverkehr für Patienten, Besucher und Beschäftigte ein. Er verkehrt zwischen dem S-Bahnhof Karl-Wiechert-Allee und dem MHH-Campus. Die S-Bahnen werden nicht bestreikt, vom Hauptbahnhof fahren die Linien S3, S6 und S7 in wenigen Minuten bis zum S-Bahnhof Karl-Wiechert-Allee. Die Haltestelle für die Pendelbusse befindet sich an der Haupteinfahrt zwischen den Schranken und Rampen direkt an den Kassenautomaten.

Feuerwehr und Politessen

Nur fünf Prozent der Feuerwehr-Mitarbeiter sind Tarifbeschäftigte, daher fällt der Streik kaum ins Gewicht. „Nur der verwaltungsinterne Betrieb läuft eingeschränkt“, sagt ein Feuerwehrsprecher. Auch wenn sich mancher Autofahrer schon gefreut hat, Hannovers Politessen sind wie gewohnt im Einsatz, wenn auch in geringerer Anzahl. Schüler haben ebenfalls keinen Grund zur Hoffnung: Sollten Hausmeister streiken, werden die Schulleiter ihre Lehranstalten selbst auf- und abschließen.

Bäder

Alle städtischen Bäder – Stadionbad, Vahrenwalder Bad, Nord-Ost-Bad und Stöckener Bad – bleiben am Mittwoch geschlossen. Das Sportleistungszentrum bietet nur Training für Kaderathleten an.

Ämter

Die Türen aller acht Bürgerämter bleiben verschlossen, die Stadt hat aber eine Notfallnummer unter (05 11) 16 84 27 11 eingerichtet. Auch die Kraftfahrzeugzulassungsstelle am Schützenplatz, das Amt für Gewerbe- und Veterinärangelegenheiten und die Friedhofsbüros bieten am Mittwoch keinen Service. Alle Einrichtungen der Jugendpflege sind ebenfalls geschlossen. Die bereits terminierten Eheschließungen aber, so betont die Verwaltung, finden statt.

Musikschule und VHS

Der Unterricht an der Musikschule in der Maschstraße findet am Mittwoch wie gewohnt statt. Keine Gewähr gibt es aber, wenn Kinder in den Räumen anderer Einrichtungen üben, etwa Freizeitheimen. Denn die Freizeitheime Linden und Lister Turm bleiben geschlossen, ebenso die Stadtteilzentren Sahlkamp und Krokus. Die Volkshochschule hat grundsätzlich geöffnet, aber bei einzelnen Kursen „kann es zu Ausfällen kommen“, teilt die Stadt mit. Die Zweigstelle Birkenstraße ist geschlossen.

Museen und Bibliotheken

Die drei städtische Museen – Historisches Museum, Museum August Kestner und Schlossmuseum in Herrenhausen – werden am Mittwoch nicht wie gewohnt öffnen. Zu welchen Zeiten Einlass gewährt wird, weiß die Stadt selbst nicht genau, es werde „voraussichtlich zu Einschränkungen kommen“, teilt sie lediglich mit. Zeitweise sei auch eine Schließung möglich. Alle Stadtteilbibliotheken bleiben am Mittwoch ebenfalls geschlossen, lediglich die Hauptstelle an der Hildesheimer Straße hat geöffnet.

Demo in Laatzen

Die Bewohner der Umlandgemeinden bekommen den eintägigen Warnstreik ebenfalls zu spüren. Zwar werde kein Rathaus geschlossen, sagt ver.di-Tarifkoordinator Harald Memenga, aber einzelne Ämter und Bauhöfe werden ihren Betrieb einstellen. Zu einer zentralen Kundgebung in Laatzen treffen sich die Streikenden der Umlandkommunen. Um 10 Uhr startet die Versammlung der rund 500 Kommunen-Beschäftigten. Sie ziehen dann weiter zum Leineplatz, wo um 11 Uhr die Abschlusskundgebung stattfindet.

Wer am Mittwoch Mitfahrer oder eine Mitfahrgelegenheit sucht, kann sich auf der Facebook-Seite „HAZ-Mitfahrzentrale“ vernetzen. Wie das funktioniert? Einfach eine Nachricht oder einen Kommentar auf der Facebook-Seite der HAZ hinterlassen, in dem steht, wie viele Plätze Sie in Ihrem Auto frei haben, wann und von wo Sie losfahren und welche Orte sie ansteuern beziehungsweise umgekehrt: Wohin Sie mitgenommen werden wollen. Hier geht's zu Mitfahrzentrale. Viel Glück!

frs/asl/vt/rsg

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