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Aus der Stadt Volle City – Streik in den Geschäften
Hannover Aus der Stadt Volle City – Streik in den Geschäften
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00:15 07.06.2015
Verdi fordert eine Lohnerhöhung von einem Euro für die Beschäftigten im Einzelhandel. Weil die Arbeitgeber nur 1,5 Prozent anbieten, kommt es zum Warnstreik in Hannover. Quelle: Rainer Dröse
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Hannover

Die Fußgängerzone war voll mit Einkaufsbummlern, insbesondere aus Nordrhein-Westfalen, wo wegen Fronleichnam viele Arbeitnehmer frei hatten. Um 10.40 Uhr rief die Gewerkschaft Verdi Mitarbeiter der Filialen von Galeria Kaufhof, Zara, New Yorker und H&M aus dem laufenden Betrieb zum spontanen Streik auf. Im Modehaus H&M mussten übergangsweise drei Abteilungen schließen, bei Kaufhof blieb die Lebensmittelabteilung im Untergeschoss für mehrere Stunden geschlossen.

In dem Tarifkonflikt fordert die Gewerkschaft eine Erhöhung des Lohns um einen Euro pro Stunde – die Arbeitgeber haben stattdessen 1,5 Prozent geboten, was je nach Vertrag zwischen 13 und 22 Cent mehr Lohn pro Stunde bedeuten würde. Verdi setzt jetzt auf Konfrontation. Bei früheren Streiks in der Innenstadt hatten die Arbeitgeber häufig Ersatzarbeitskräfte aus dem Nachbarland Nordrhein-Westfalen angeheuert. Das sollte mit der Wahl des Streiktags an Fronleichnam unterbunden werden.     

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Zu einem Warnstreik im Einzelhandel hat die Gewerkschaft Verdi die Beschäftigten von vier Kaufhäusern in der Innenstadt von Hannover aufgerufen. Die demonstrierten dann am Kröpcke für eine Lohnerhöhung.

Nach Angaben von Verdi ist etwa die Hälfte der Belegschaft in den vom Streik betroffenen Filialen dem Aufruf gefolgt. Insgesamt waren es rund 300 Protestierer, die sich gegen Mittag zum Protestmarsch von der Goseriede zum Kröpcke formierten und dabei mit Pfiffen, Rasseln und Megafon Krach machten. „Wir haben das verdient. Tarifvertrag jetzt!“ hieß es auf einem Transparent, mit dem der Zug angeführt wurde.

Die bestreikten Filialen mussten zwar nicht geschlossen werden, dennoch kam es zu teils empfindlichen Beeinträchtigungen. Nicht nur, dass Abteilungen geschlossen wurden: Während der Kundgebung stürmten etwa 50 Streikende die New-Yorker-Filiale am Kröpcke und verteilten symbolisch Ein-Euro-Münzen aus Schokolade sowie Postkarten mit der Aufschrift „Ohne Tarifvertrag ist alles doof“. Auch bei der spanischen Modekette Zara war eine solche Aktion geplant, der Laden wurde daraufhin kurzfristig geschlossen. Dort hatte es morgens bereits Ärger gegeben: Als die Vertrauensleute der Gewerkschaft die Zara-Mitarbeiter abholen wollten, zeigte die Geschäftsleitung sie wegen Hausfriedensbruchs an.

Verdi-Fachsekretärin Juliane Fuchs kündigte gegenüber der HAZ an, dass es demnächst zu weiteren Streiks im Einzelhandel kommen werde. „Wer nicht hören will, muss fühlen“, sagt sie, und: „Wir wollen ja gar nicht den ganze Kuchen, aber immerhin ein Stück und nicht nur Krümel.“ Kommende Aktionen sollten zum einen mehr Filialen betreffen, außerdem soll es dann auch nicht mehr bei einem Streiktag bleiben. Unterstützung gibt es offenbar von den Streikenden. „Ich kämpfe seit 2007 dafür, unsere Forderungen durchzubringen“, gab sich etwa Stefan Droszmann von Kaufhof kämpferisch. Und Sandra Altintop von H&M ergänzte: „Seit ich vor zehn Jahren im Einzelhandel angefangen habe, gehe ich heute zum fünften Mal auf die Straße. Ich möchte für mein Recht kämpfen.“     

Nadja Neqqache

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