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Aus der Stadt Warten auf den Mammutprozess
Hannover Aus der Stadt Warten auf den Mammutprozess
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22:17 04.02.2015
Die spanische Justiz erhebt schwere Vorwürfe gegen Frank Hanebuth. Quelle: Montserrat T Diez
Hannover
  • Was werfen die Behörden Hanebuth und 55 anderen Verdächtigen vor?
    Die Vorwürfe gegen Frank Hanebuth, seinen mutmaßlichen Stellvertreter Khalil Y. und 53 weitere Verdächtige sind vielfältig und schwerwiegend: Sie lauten auf Erpressung, Zwangsprostitution, Betrug, Freiheitsberaubung und Geldwäsche. Die Hells Angels sollen unter anderem Frauen nach Mallorca gelockt und zur Prostitution gezwungen und einen schwunghaften Drogenschmuggel und -handel betrieben haben.
  • Worauf stützen die spanischen Ermittlungsrichter ihre Vorwürfe
    Sämtlich auf Indizien. Diese stützen sich auf Aussagen, die Beschuldigte, Denunzianten und Zeugen gegenüber der Polizei sowie ausländischen Sicherheitsunternehmen abgaben. Aber auch Gutachten von Sachverständigen führen die spanischen Ermittler als Beweise für die erhobenen Vorwürfe auf. „Auch in Deutschland wurde gegen Frank Hanebuth ermittelt, sein Haus durchsucht und sogar sein Telefon abgehört“, sagt von Fromberg. „Sowohl die Anschuldigungen, er habe einen Mord in Kiel in Auftrag gegeben, als auch seine angebliche Verbindung zu einem Bombenattentat in Bayern erwiesen sich als haltlos“, sagt von Fromberg.
  • Wieso könnte in Spanien Anklage erhoben werden, während das in Deutschland zuletzt nicht gelang?
    Diese spannende Frage wird der Prozess klären müssen. In Deutschland hatte es zuletzt immer wieder Verdachtsmomente gegen Hanebuth gegeben - letztlich aber reichten die Beweise nie aus, um ihn tatsächlich anzuklagen. Etwa, nachdem die GSG9 im Mai 2012 das Anwesen Hanebuths gestürmt hatte, um dort nach Beweisen für den Mordauftrag an dem Kieler Türsteher Tekin B. zu suchen - elf Monate später stellte die Staatsanwaltschaft Kiel das Verfahren ein. Ob die Spanier mehr in der Hand haben, wird sich zeigen. Zunächst muss die Staatsanwaltschaft entscheiden, ob sie der Empfehlung des Untersuchungsgerichts folgt und Anklage erhebt.
  • Wieso konnte Hanebuth in Spanien so lange in Untersuchungshaft sitzen?
    Nach seiner Festnahme in Spanien im Sommer 2013 saß Hanebuth 18 Monate ohne konkreten Tatvorwurf in Untersuchungshaft. Sein spanischer Anwalt geißelt das als Verstoß gegen die Europäische Menschenrechtskonvention. „Da diese aber vom Europarat verabschiedet wurde, können die Staaten, die sie unterzeichnet haben, sie nach ihrem Rechtssystem auslegen“, erklärt Kirstin Drenkhahn, Professorin für Strafrecht und Kriminologie an der Freien Universität Berlin. In Spanien kann eine U-Haft bis zu vier Jahre dauern - in Deutschland ein halbes Jahr. Im Fall Hanebuth begründet die Audiencia Nacional die lange Dauer der Untersuchungshaft mit der Schwere der Vorwürfe sowie mit Fluchtgefahr.
  • Wie könnte der Prozess ablaufen?
    Sollte Anklage erhoben werden, erwartet Madrid ein Mammutprozess. Allein die Anzahl von 55 Angeklagten und die Schwere der Vorwürfe erfordern höchste Sicherheitsmaßnahmen. „Wir müssen abwarten, welchen Vorwürfen die Staatsanwaltschaft folgt und wie viele Verdächtige auch wirklich angeklagt werden“, sagt von Fromberg. Er geht davon aus, dass das spanische Gericht den Prozess in Etappen aufteilen wird.
  • Wie geht es Frank Hanebuth?
    Wie der ehemalige Hells-Angels-Chef aus Hannover die Veröffentlichung des Abschlussberichtes aufgenommen hat, wissen bisher auch seine Anwälte nicht. Zwar besuchte ihn sein spanischer Anwalt Boye Tuset in der vergangenen Woche. „Da wussten wir aber noch nicht, dass die Ermittlungen so kurz vor dem Abschluss stehen“, sagt Anwalt von Fromberg. Bis auf Weiteres wird Hanebuth in der Haftanstalt im südspanischen Cádiz bleiben. Erst wenn ein konkreter Termin für einen möglichen Prozess feststeht, wird die Staatsanwaltschaft ihn wieder in ein Gefängnis nach Madrid verlegen lassen.
  • Was sagen Hanebuths Anwälte?
    Von Fromberg gibt sich entspannt. „Ich bin erleichtert, dass endlich Bewegung in die Sache kommt“, sagt er. Der 95-seitige Abschlussbericht müsse nun zunächst ins Deutsche übersetzt werden. „Dann können Frank Hanebuth und ich ihn lesen und uns zu den konkreten Vorwürfen äußern“, sagt von Fromberg.
  • Was sagen die Hells Angels?
    Rudolf Triller, genannt Django, Sprecher der Hells Angels will sich erst einmal nicht zu den Vorwürfen gegen seinen Weggefährten äußern. Auch die deutschen Höllenengel wollen abwarten, bis die Übersetzung des Abschlussberichtes vorliegt und diese dann in Ruhe lesen.
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