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Aus der Stadt Warum Hagida und ihre Gegner demonstrieren
Hannover Aus der Stadt Warum Hagida und ihre Gegner demonstrieren
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21:49 11.01.2015
Von Conrad von Meding
Demonstrieren am Montag in Hannover: Anänger der Pegida. Quelle: dpa
Hannover

Tausende werden heute in Hannover auf die Straße gehen. Von ihnen werden voraussichtlich einige Hundert mit den regionalen Hagida-Protestieren demonstrieren und viele Tausend gegen Islamphobie. (alle wichtigen Infos zum Demotag in der City) Weil die Polizei die Gruppen aus Sorge vor Übergriffen voneinander trennen muss, bekommen beide Seiten nicht mit, was auf der jeweiligen Gegenveranstaltung gesagt wird. Dem wollen wir abhelfen und veröffentlichen zwei Wortlautinterviews, die von den jeweiligen Gesprächspartnern schriftlich freigegeben wurden.

Das erste Interview führten wir mit der Unternehmerin Jasmin Arbabian-Vogel, die beruflich den Interkulturellen Sozialdienst in Hannover aufgebaut hat und Hauptorganisatorin des „Bunt statt Braun“-Umzugs ist. Für das zweite Interview hatten wir zunächst die hannoverschen Organisatoren der Hagida-Demo vor drei Tagen angefragt, aber keinen Ansprechpartner genannt bekommen. Weil zudem die angekündigte AfD-Politikerin Anette Schultner heute doch nicht sprechen wird, haben wir das Interview mit Friedemann Grabs geführt, einem ehemaligen Kriminalbeamten, jetzt Regionsabgeordneter der rechtspopulistischen Gruppe „Die Hannoveraner“, der bei der Hagida-Demo einer der Redner ist. In seinen ersten Antworten hatte er uns fast ausschließlich Koran-Zitate geschickt. Nachdem wir ihn um Überarbeitung gebeten haben, sind dies nun die Antworten aus dem Lager des hannoverschen Pegida-Ablegers.

„Gegen Ausgrenzung“

Jasmin Arbabian-Vogel ist Hauptorganisatorin des „Bunt statt Braun“-Umzugs. Quelle: Archiv

Unsere Leser haben am Montag die Wahl, sie können an zwei Protestzügen teilnehmen. Sagen Sie uns doch bitte: Warum sollte man bei Ihrer Demo mitlaufen?

Wer sich morgen unserem Aufruf anschließt, schließt sich gleichzeitig der Grundhaltung an, die den Kern dieses Bündnisses ausmacht: nämlich den Werten der Toleranz gegenüber allen Menschen, der Solidarität insbesondere mit Flüchtlingen und dem Bekenntnis zu einer Gesellschaft, die Vielfalt nicht nur als Chance begreift, sondern auch lebt.

Was wollen Sie mit Ihrem Umzug erreichen?

Wir wollen mit unseren Aktionen zeigen: In Hannover haben Ausgrenzung und Fremdenfeindlichkeit, die von Pegida und Hagida geschürt werden, keinen Platz. Die Mehrzahl der Hannoveraner steht für die Werte unseres Bündnisses. „Licht aus“ heißt: Wer Menschen instrumentalisiert und andere ausgrenzt, steht im Dunkeln!

Die einen sind Gegner der „Islamisierung des Abendlandes“, die anderen sind gegen diese Gegner – haben Sie keine Sorge, dass sich die Konflikte verschärfen?

Die Ereignisse der letzten Wochen in Deutschland haben gezeigt, dass die Pegida-Bewegung zu einer täglich stärker werdenden Gegenbewegung von Menschen, die nicht einverstanden sind mit der platten angstschürenden Attitüde von Pegida.

Auch die jüngsten Terroranschläge von Paris haben weltweit Menschen geschockt. Was sollte aus Ihrer Sicht jeder Einzelne tun, damit es zu keiner weiteren Radikalisierung kommt?

Solidarität darf sich nicht auf Gegendemos beschränken. Wir dürfen nicht den Fehler machen, in Wir- und Ihr-Kategorien zu denken. Die Spaltung der Gesellschaft findet nicht zwischen Opern- und Georgsplatz statt, sondern in den Köpfen. Wir sollten eben nicht nur „Charlie“ sein, sondern – symbolisch – auch Muslim, Jude, oder Migrant.

„Aufklärung über den Koran“

Friedemann Grabs, Regionsabgeordneter der „Hannoveraner“ und Redner. Quelle: Archiv

Unsere Leser haben am heutigen Montag die Wahl, sie können an zwei Protestzügen teilnehmen. Sagen Sie uns doch bitte: Warum sollte man bei Ihrer Demo mitlaufen?

Weil eine wehrhafte Demokratie sich gegen antidemokratische Ziele zur Wehr setzen muss, wenn sie überleben will. Im Koran heißt es: „Und wenn die heiligen Monate abgelaufen sind, dann tötet die Ungläubigen, wo ihr sie findet, greift sie, umzingelt sie und lauert ihnen überall auf!“ Über so eine Aussage gibt es keine Verhandlungsmöglichkeit.

Was wollen Sie mit Ihrem Umzug erreichen?

Eine Gesellschaft, die ihre Werte nicht pflegt, verkommt zu einer wertlosen Gesellschaft. Und Wertloses wird auf der Müllkippe der Geschichte entsorgt. Daher fordern wir: Aufklärung darüber, was wirklich im Koran steht.

Die einen sind Gegner der „Islamisierung des Abendlandes“, die anderen sind gegen diese Gegner – haben Sie keine Sorge, dass sich die Konflikte verschärfen?

Ich liebe das Grundgesetz, ich habe als Polizeibeamter einen Eid darauf geschworen. Ich glaube, dass Konflikte nicht durch Demonstrationen wie die unsere verschärft werden, sondern durch Vorgänge wie die Anschläge von Paris oder aktuell den auf die „Morgenpost“-Redaktion in Hamburg.

Auch die jüngsten Terroranschläge von Paris haben weltweit Menschen geschockt. Was sollte aus Ihrer Sicht jeder Einzelne tun, damit es zu keiner weiteren Radikalisierung kommt?

Machen wir einfach, was das Grundgesetz im Verbot verfassungswidriger Vereinigungen vorschreibt. Ein Staat wird unglaubwürdig, wenn er sich nicht an seine eigenen Gesetze hält. Wir müssen Integrationswillige fördern – Unwillige und erklärte Feinde unseres Gemeinwesens ausweisen.

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