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Aus der Stadt Warum eigentlich immer wieder Hannover?
Hannover Aus der Stadt Warum eigentlich immer wieder Hannover?
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00:15 19.03.2014
Von Bernd Haase
Wann immer der öffentliche Dienst die Angestellten in Tarifrunden zu den Fahnen ruft, ist Hannover vorne mit dabei. Quelle: Victoria Behr
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Hannover

Es ging mal wieder fix am vergangenen Donnerstag: Arbeitgeber und Gewerkschaften trafen sich zur ersten Tarifrunde im öffentlichen Dienst in Potsdam. Bund und Kommunen legten kein Angebot vor, und ver.di-Chef Frank Bsirske sagte: „Es ist jetzt an den Kolleginnen und Kollegen in den Betrieben, Verwaltungen, Krankenhäusern, bei Müllabfuhr, Nahverkehr und Kitas, ein deutliches Signal zu setzen.“ Bsirske konnte sich sicher sein, dass die Botschaft in Hannover ankommen würde – warum sollte es dieses Mal anders sein als sonst? Prompt kündigten die Gewerkschaften am Freitag einen eintägigen Warnstreik für den kommenden Mittwoch an.

Günstig gelegen, hoher Organisationsgrad: Hannover ist für ver.di ein beliebter Ort zum Streiken. Die Streikerei im öffentlichen Dienst ereilte die Hannoveraner im Zwei-Jahres-Rhythmus, und zwar jeweils ab Februar oder März. Ein Rückblick:

Geschichte wiederholt sich doch. Wann immer der öffentliche Dienst die Angestellten in Tarifrunden zu den Fahnen ruft, ist Hannover vorne mit dabei. Zentrale Streikveranstaltungen zumindest für den norddeutschen Raum werden in der Regel nicht etwa in Hamburg, Bremen oder gar Kiel veranstaltet, sondern an der Leine. Das hat mehrere Gründe. Der eine wichtige ist, dass in Hannover der Organisationsgrad in der Stadtverwaltung, aber auch bei öffentlichen Betrieben wie etwa dem Abfallzweckverband aha oder der Üstra sehr hoch ist. Bsirske weiß als ehemaliger Personaldezernent im Rathaus genau, dass Streiks in Hannover zuverlässig Wirkung zeigen – indem die Kitas schließen, Busse und Bahnen stillstehen und der Müll liegen bleibt.

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Zweitens bietet die verkehrsgünstige Lage der Landeshauptstadt den Gewerkschaften die Möglichkeit, zusätzlich zu den Einheimischen auch noch eine Menge Streikende von außerhalb herbeizuschaffen. In der Regel sind an einem ver.di-Warnstreiktag mit zentraler Kundgebung um die 20 000 Teilnehmer in Hannover. Das reicht aus, um in einem deutlich seh- und dank der obligatorischen Trillerpfeifen auch hörbaren Zug durch die Innenstadt zu marschieren und anschließend den Opern- oder den Ernst-August-Platz zu füllen. So sieht dann das „deutliche Signal“ aus, von dem Bsirske spricht.

Die Streikerei im öffentlichen Dienst ereilte die Hannoveraner seit 2006 im Zwei-Jahres-Rhythmus, und zwar jeweils ab Februar oder März. Zieht man seit dieser Zeit eine Bilanz, so hat sich die Bevölkerung einen gewissen Pragmatismus angeeignet, was die eintägigen Arbeitsniederlegungen angeht. Man schimpft oder zeigt Verständnis, schafft es aber doch, sein Kind bei Verwandten unterzubringen, seinen Müll etwas länger im Haus zu lassen als gewohnt und auch irgendwie zur Arbeit zu kommen

Mitfahrer gesucht!

Die Mitfahrzentrale der HAZ zum Streiktag

Als 2008 beispielsweise zum ersten Mal seit 16 Jahren wieder die Bahn- und Busfahrer der Üstra beim Ausstand mitmachten, wurde vorher orakelt, die Stadt würde einen Komplettzusammenbruch aller Verkehrssysteme erleben, da die Leute so etwas ja gar nicht mehr gewohnt seien. Als dann Bilanz gezogen wurde, schrieben die Zeitungen schon fast etwas enttäuscht, das große Chaos sei ausgeblieben. Vor zwei Jahren handelte sich ver.di Ärger ein, als der öffentliche Nahverkehr ausgerechnet am Auftakttag der CeBIT bestreikt wurde. Die Messe AG ließ die Rote-Punkt-Aktion aus den sechziger Jahren wieder aufleben, bei der Autofahrer Anhalter mitnehmen. Jeder, der zur Messe wollte, kam auch dorthin.

Im vergangenen Jahr ist bei der gewerkschaftsnahen Hans-Böckler-Stiftung ein Buch mit dem Titel „Organisieren im Konflikt“ erschienen, zu deren Verfassern auch die stellvertretende ver.di-Bundesvorsitzende Andrea K ocsis gehört. Sinngemäß heißt es dort, dass die Arbeitnehmervertretungen im Dienstleistungssektor immer dann viele neue Mitglieder gewinnen, wenn Tarifauseinandersetzungen anstehen oder schon laufen. Ginge es nur darum, müsste ver.di in Hannover keine deutlichen Signale setzen. Bei der Stadt und in wichtigen öffentlichen Betrieben sind neun von zehn Angestellten in der Gewerkschaft.

Schwierige Runde steht bevor

Die Gewerkschaften haben für Mittwoch unter anderem Stadt- und Regionsverwaltung, Üstra, die Abfallwirtschaft und das Regionsklinikum zum Warnstreik aufgerufen. Die genauen Auswirkungen stehen noch nicht fest, weil Notdienstvereinbarungen noch fixiert werden müssen, die Arbeitgeber und Arbeitnehmer in einigen Bereichen wie etwa den Krankenhäusern treffen. Gesichert ist schon, dass Busse und Bahnen der Üstra ganztägig in den Depots bleiben und dass die 40 städtischen Kitas nicht öffnen. Hier werden bei eintägigen Streiks keine Notdienste eingerichtet. S-Bahnen und Regionalverkehrszüge, der Busverkehr der Regiobus sowie die nichtstädtischen Kitas sind nicht betroffen.
Im öffentlichen Dienst richten sich beide Seiten auf eine schwierige Tarifrunde ein. Die Gewerkschaften fordern eine pauschale Lohnerhöhung von 100 Euro im Monat sowie zusätzliche prozentuale Steigerungen von 3,5 Prozent. Die Arbeitgeber bezeichnen die Wünsche als überzogen. Für die Stadt Hannover würden sie 16 Millionen Euro zusätzliche Personalkosten im Jahr bedeuten. se

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