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Aus der Stadt Was Johnny Logan vom Song-Contest hält
Hannover Aus der Stadt Was Johnny Logan vom Song-Contest hält
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13:00 16.01.2013
Johnny Logan vergleicht den ESC mit einer europäische Version der Castingshow „X-Factor“.
Johnny Logan vergleicht den ESC mit einer europäische Version der Castingshow „X-Factor“. Quelle: Ole Spata
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Hannover

Herr Logan, nervt Sie Ihr Song „Hold Me Now“ manchmal?

Nein, überhaupt nicht. Ich liebte diesen Song schon von Anfang an. Denn ich habe ihn ja nicht für den Eurovision Song Contest (ESC) geschrieben, sondern für mich, über ein Erlebnis. Die Rohfassung war damals noch sechs Minuten lang. Weil ich nicht das Geld für eine professionelle Aufnahme hatte, haben ein Freund und ich den Song einfach auf Kassette aufgenommen. Die lag zwei Jahre bei mir in der Schublade, bis jemand vom irischen ESC-Komitee anrief und mich bat, einen Song einzureichen. Das Lied gefiel ihnen so gut, dass ich sofort zum irischen Kandidaten für den ESC gekürt wurde. Viele schöne Erinnerungen hängen seitdem an dem Lied, und immer, wenn ich es singe, erlebe ich ein paar davon wieder.

2007, genau 20 Jahre nach Ihrem Sieg mit „Hold Me Now“, brachten Sie in Dänemark Ihr Album „The Irish Connection“ heraus. Jetzt erscheint die CD auch in Deutschland. Darauf ist keine Popmusik, sondern Irish Folk zu hören ...

Im Prinzip wollte ich die CD gar nicht machen. Als mein dänischer Produzent mit der Idee kam, meinte ich zu ihm: Warum sollte mich jemand Irish Folk singen hören wollen?

Aber Sie haben die CD schließlich doch gemacht.

Ja, denn ich liebe Irish Folk, ich bin damit aufgewachsen. Mein Vater hat diese Musik gesungen, und wenn ich als 16-Jähriger abends im Pub meiner Eltern Gläser spülte, hörte ich auch die Klassiker wie Irish Rover. So war es nur natürlich für mich, neben den Pop-Kompositionen weiterhin auch irische Musik zu machen. Das ist ein Teil von mir. Also habe ich mich bequatschen lassen und die CD aufgenommen. Und sie kam gut an. In Norwegen verdrängte sie sogar Coldplay vom Spitzenplatz der Charts. Das war ein tolles Gefühl.

Warum hat es dann so lange gedauert, bis die CD auch in Deutschland erschien?

Die CD gehört keinem Plattenlabel, sondern mir, also kann ich entscheiden, wo ich sie herausbringe. Und bei Deutschland war ich mir einfach unsicher. Irische Volksmusik kommt selten im Radio oder in der Diskothek. Wie will man eine solche Platte dann vermarkten? Die Idee kam mir dann, als ich im Fernsehen einen Beitrag über Andrea Berg sah. Ich rief also bei der Fernsehstation an und fragte, ob meine CD und ich etwas für die wären. Und sie sagten Ja.

In diesem Jahr sitzen Sie auch wieder in der Jury für die Auswahl des irischen Kandidaten für den ESC. Könnten Sie sich vorstellen, selbst noch einmal anzutreten?

Ich bin sogar schon gefragt worden, aber ich darf nicht verraten, von wem.

Sicher von Irland.

Ja, das auch. Die fragen mich jedes Jahr.

Warum lehnen Sie immer ab? So reisen verrückte Zwillinge wie Jedward oder, wie vor ein paar Jahren, ein Truthahn für Irland zum Wettbewerb.

Solche Figuren sind auch ein Grund. Seien wir mal ehrlich: Der heutige ESC ist für mich wie eine europäische Version der Castingshow „X-Factor“. Eine riesige Bühne, viel Pomp, viel Technik, aber wenig Inhalt. Zu meiner ESC-Zeit waren wir alle noch stolz, unser Land zu vertreten. Heute geht es den meisten Leuten doch in erster Linie darum, den eigenen Ruhm zu vergrößern.

Was halten Sie denn eigentlich von Lena Meyer-Landrut, Deutschlands ESC-Gewinnerin?

Sie ist toll. Eine hübsche junge Frau, die eine gesunde Portion Selbstbewusstsein hat. Als ich ihren Song „Satelite“ zum ersten Mal hörte, musste ich spontan dazu tanzen. Und ich wusste, sie würde den Contest gewinnen. Auch ihr neues Lied gefällt mir gut, es hat etwas Hymnisches. Ich denke, von ihr wird man sicher noch hören.

Interview: Isabel Christian

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