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Aus der Stadt Was für ein Theater beim Hoffest
Hannover Aus der Stadt Was für ein Theater beim Hoffest
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19:40 27.09.2009
Von Stefanie Kaune
Dominik Maringer beim Hoffest. Quelle: Jana Striewe
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Vor den Tischen mit den weiß gekleideten Menschen ist ein Gewimmel wie vor den Check-in-Schaltern am Flughafen. Weitere Frauen und Männer in weißer Kleidung laufen umher, halten beschriftete Schilder hoch und versuchen nach Fremdenführermanier, Gruppen zu bilden. Doch es geht nicht um Urlaub in der Nachsaison.

Wenn die Hauptreisezeit vorbei ist, beginnt vielmehr die Spielzeit am Theater. Und weil man in Hannover nicht nur in eine neue Saison, sondern auch in eine neue Intendanz startet, hatte sich das ganz in Weiß gekleidete Theaterteam für das Hoffest von Schauspiel- und Künstlerhaus am Sonnabend etwas Besonderes ausgedacht: An den Tischen im Schauspielfoyer konnten sich die Besucher für rund 40 Workshops anmelden, um hinter die Kulissen zu blicken oder eigene Talente zu erproben.

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Vom Masken- und Kostümbilden über Chorproben bis zu Tanz- und Fechtübungen reichte das Spektrum. Mit ein wenig Augenzwinkern konnte man auch das richtige Klatschen lernen oder im „Beichtstuhl“ über das schlimmste Theatererlebnis berichten. Die Hannoveraner machten dankbar mit, manche Workshops konnten längst nicht alle Interessenten aufnehmen. Die Ergebnisse des Nachmittags durften sogar bei der „großen Abendshow“ präsentiert werden.

Doch auch, wer nicht selbst aktiv werden wollte, hatte beim Hoffest seinen Spaß, an dem sich auch Kunstverein, Kino im Künstlerhaus, Literaturetage und die Stiftung Niedersachsen beteiligten. Insgesamt feierten rund 6.500 Besucher bis in den frühen Morgen bei Livemusik, Lesungen, Inszenierungen – oder einfach bei Waffeln und Currywurst. „Ich bin erschöpft, aber glücklich“, meinte Intendant Lars-Ole Walburg (44) am späteren Abend, nachdem die Band „A Boy namend River“, zu der auch zwei Ensemblemitglieder gehören, ihren Auftritt unter freiem Himmel beendet hatte.

Einige Stunden zuvor ging es noch deutlich offizieller zu: Bei der Eröffnung der neuen Cumberlandschen Bühne im dritten Stock der Cumberlandschen Galerie richtete Walburg seine Dankesworte an die Staatstheater GmbH, ans Land und natürlich an die Haustechnik, ehe er mit Annette Schwandner (51) vom Kulturministerium das rote Band zerschnitt. Gleich darauf erlebte die Bühne ihre erste Aufführung – mit den beeindruckenden Puppen der Berliner Puppenspielerin Suse Wächter (40), die Lenin die „Capri-Fischer“ singen ließ oder Jackie Onassis und Marylin Monroe im Duett an Kennedys Bett „Stand by your Man“.

Während hier Disharmonie in Liebesdingen gesanglich nur subtil angedeutet wurde, wurde es später draußen handfest: Die Ensemblemitglieder Dominik Maringer (30) und Carolin Eichhorst lieferten sich per Megafon über den Innenhof hinweg einen Beziehungsstreit, indem sie sich den Sam-Brown-Klassiker „Stop“ wechselweitig Wort für Wort entgegenschleuderten. Wie schön, dass zuvor eine Spende der Gesellschaft der Freunde des Schauspielhauses in Höhe von exakt 7354 Euro für das Junge Schauspiel für Harmonie gesorgt hatte.

Stefanie Kaune 27.09.2009
26.09.2009
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