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Aus der Stadt Was geschieht jetzt mit dem Raschplatz?
Hannover Aus der Stadt Was geschieht jetzt mit dem Raschplatz?
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09:30 23.05.2015
Von Andreas Schinkel
So ein großer Platz – aber komplett bespielt werden darf der Raschplatz nicht. Quelle: Michael Wallmüller
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Hannover

Mit dem Umbau sollte Leben auf den Raschplatz kommen, aber es kam nur frischer Beton. Nun ist in Hannover eine Debatte entbrannt, wie der Platz neu belebt werden kann. Die SPD sieht vor allem die Stadtverwaltung in der Pflicht. „Sie steht in der Verantwortung, sich Gedanken zu machen, wie der Platz genutzt werden kann“, sagt Hannovers SPD-Chef Alptekin Kirci. Um auch Vorschläge der Bürger zu sammeln, biete sich der Stadtdialog Hannover 2030 an.

Der Platz zwischen Hauptbahnhof und Lister Meile wirke wie ein „Tor zu Hannover“, sagt Kirci. „Es braucht gute Ideen, wenn man verhindern will, dass der Ort nur als Gelagestätte genutzt wird“, sagt er. Damit spielt Kirci auf die Trinkerszene an, die sich auf den breiten Freitreppen und im Einmündungsbereich zur Niki-Passage festgesetzt hat.

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Kleine Auftritte statt großer Konzerte

Dirk Eberitzsch, Sprecher der Kaufleute-Vereinigung „Aktion Lister Meile“, schlägt vor, Klavierkonzerte zu organisieren. „Die breiten Freitreppen eignen sich wunderbar als Tribünen“, sagt er. Auch kleine A-cappella-Darbietungen könne er sich vorstellen, es müsse ja nicht gleich ein großes Popkonzert sein. „Es gibt so viele Bands in Hannover, die sich über einen kleinen Auftritt freuen würden“, sagt er. Um die Trinkerszene zu vertreiben, könne man ein Alkoholverbot auf dem Raschplatz aussprechen.

Die Stadt ist noch immer der Ansicht, dass der Raschplatz gar nicht als Veranstaltungsort konzipiert wurde, sondern lediglich eine Verbindung zur List, zum Hauptbahnhof und zur U-Bahn-Station schafft. Das entspricht aber nicht den Tatsachen, wie aus einem Verwaltungspapier hervorgeht, das die Ansprüche für den damaligen Architektenwettbewerb formuliert. Darin heißt es, dass die Attraktivität des Raschplatzes gesteigert werden solle durch „vielfältige Aktivitäten wie Außengastronomie, Konzerte, Nutzung als Eisbahn im Winter, Freilichtkino und sonstige Sportereignisse wie Beach-Volleyball“. Das bedeute zudem, dass die „Ver- und Entsorgung bei Großveranstaltungen funktionieren muss“.

Nur 360 Quadratmeter bespielbar

Die Möglichkeiten für Veranstaltungen auf dem Areal sind jedoch äußerst begrenzt. Von gut 6000 Quadratmetern Gesamtfläche dürfen nur 360 bespielt werden. Das geht aus einem Gutachten zur „Nutzung des Raschplatzes für Veranstaltungen“ hervor, in das die HAZ Einsicht genommen hat. Die Studie zu Flucht- und Rettungswegen wurde kurz nach Eröffnung des Platzes im Herbst 2010 von der Hannover Region Grundstücksgesellschaft (HRG) in Auftrag gegeben. Die HRG ist Eigentümerin des Raschplatzes und maßgeblicher Geldgeber für die Neugestaltung gewesen. 15 Millionen Euro hat sie in den Umbau investiert, 4 Millionen Euro hat die Stadt beigetragen.

Über das Fluchtwegenetz hatten sich Stadt und HRG bei der Planung des Platzes wenig Gedanken gemacht. „Die Massenpanik bei der Loveparade in Duisburg 2010 hat aber unseren Blick geschärft“, sagt Thomas Heinemann, Geschäftsführer der HRG. 21 Menschen starben damals in Duisburg, als sich Menschenmassen durch eine schmale Unterführung drängten. Daher habe er sich Ende 2010 entschlossen, gutachterlichen Rat einzuholen, sagt Heinemann. Der neue Raschplatz war zu diesem Zeitpunkt bereits eröffnet.

Kein Platz für eine Großbühne

„Eine Freigabe für Großveranstaltungen können wir nicht geben“, sagt Willi Siegfried, Autor des Gutachtens von der Brandschutzfirma HHP. Er hat die möglichen Fluchtwege von Menschen genau analysiert und kommt zu dem Ergebnis, dass lediglich ein schmaler Streifen vor der Fassade des Cinemaxx-Kinos für Darbietungen geeignet ist. „Platz für eine Großbühne ist dort aber nicht“, sagt Siegfried. Lediglich 360 Zuschauer könne man auf dem Raschplatz zulassen. Spielraum sieht der Brandschutzexperte aber bei der Feuerwehrzufahrt. Diese befindet sich neben der Discothek Palo Palo und führt von der Berliner Allee direkt auf den Platz. „Wenn man die Zufahrt anders regelt, vergrößert sich die mögliche Veranstaltungsfläche auf 600 bis 800 Quadratmeter“, sagt Siegfried.

Hannovers Plätze

Der Trammplatz: Der Platz vor dem Neuen Rathaus ist aufwendig umgebaut und erst vor einigen Wochen fertiggestellt geworden. Er ist nicht nur eine Visitenkarte der Stadt, sondern auch ein Veranstaltungsort. Dabei hat er sich schon bewährt – zunächst beim Hannover-Marathon, dann bei der Maikundgebung des Deutschen Gewerkschaftsbundes und zuletzt beim Jazzfest.

Goseriede: Die Fläche am Steintor hat ihren Platzcharakter durch die 2014 abgeschlossene Neugestaltung erst erhalten. Anfänglich gab es Kritik – von Steinwüste war die Rede, außerdem wurde das Areal von Autofahrern als Parkplatz missbraucht. Das hat sich mittlerweile gelegt – auch der Goseriedeplatz hat sich mit Konzerten und Sportevents als Veranstaltungsplatz bewährt.

Andreas-Hermes-Platz: Er ist sozusagen der kleine Bruder des Raschplatzes. Was man mit ihm anfangen soll, ist unklar. Der Architekt Frank Eittorf hat vorgeschlagen, das Areal am Pavillon in ein urbanes Freizeitstadion zu verwandeln – die entsprechende Szene tummelt sich dort ohnehin schon. Jüngste Vorschläge von Politikern gehen in eine ganz andere Richtung: Wohnungsbau.

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