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Aus der Stadt Was macht der Hausmeister in den Ferien?
Hannover Aus der Stadt Was macht der Hausmeister in den Ferien?
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14:12 10.09.2014
Von Simon Benne
Foto: Stefan Berauer ist Hausmeister an der Ludwig-Windthorst-Schule und wandelt mit seinem Werkzeugkoffer in den leeren Schulgängen.
Stefan Berauer ist Hausmeister an der Ludwig-Windthorst-Schule und wandelt mit seinem Werkzeugkoffer in den leeren Schulgängen. Quelle: Hagemann
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Hannover

Seine Schritte hallen von den Wänden wider, wenn er durch das leere Gebäude geht. Ohne Schüler, die lärmen und drängeln, wirkt so ein Schulkorridor wie eine Kulisse für ein Theaterstück, das gerade nicht läuft. In den Ferien ist Stefan Berauer hier allein auf weitem Flur. Eine einsame Gestalt in einem riesigen Gebäude. Der 59-Jährige, kariertes Hemd, verwaschene Jeans, ist jemand, der zupacken kann. Kein blauer Kittel, kein brauner Cordhut. In seiner Hand klimpert ein Schlüsselbund. Der Schlüsselbund ist das Zepter eines Hausmeisters.

„Den Vorhang in der Sporthalle habe ich schon repariert, der kaputte Teppich in Raum E4 ist rausgerissen – jetzt muss ich noch die Fenster im ganzen Trakt ölen und einstellen“, sagt er, während er mit dem Werkzeugkoffer in der Hand durch seine Schule geht. Dann bleibt sein Hausmeisterblick an einer Fußleiste hängen: „Da ist ein Viertelstab abgebrochen“, sagt er. Gedanklich setzt er die Reparatur auf die Agenda jener Dinge, die er bis zum Schulanfang am 11. September noch zu erledigen hat. Zu Dingen wie dem Rasenmähen und dem Anschrauben des losen Schließblechs an der Tür von Raum C1.

Seit neun Jahren ist Stefan Berauer jetzt Hausmeister an der Ludwig-Windthorst-Schule in der Südstadt. Er kümmert sich um verstopfte Toiletten, durchgebrannte Glühbirnen und repariert auch schon mal Instrumente aus dem Musikraum. Abends, wenn die Vereinssportler aus den Turnhallen verschwunden und die Besucher der Elternabende aus dem Haus sind, dreht er hier seine letzte Runde und schließt ab. Und in den Ferien ist er in der Schule und arbeitet. Wer den agilen Mann sieht, glaubt ihm sofort, dass er in dieser Zeit keine ruhige Kugel schiebt.

„Jetzt ist der richtige Zeitpunkt, all das zu tun, was während der Schulzeit nicht geht“, sagt der gelernte Bauschlosser. Gerade kommt er aus dem Baumarkt zurück, wo er PVC-Winkel und Schrauben für eine Schallisolierung gekauft hat: „Die kann man ja nicht im Klassenraum montieren, wenn dort Unterricht läuft“, sagt er. „In den Ferien aber kann man überall in der Schule arbeiten, ohne jemanden zu stören.“ Er richtet dann die Klassenzimmer fürs neue Schuljahr her, schweißt demolierte Stühle und stellt Schränke um.

Während der Ferienzeit ist es ruhig in den Korridoren von Hannovers Schulen. Sehr ruhig. Nur einer wandelt auch außerhalb der Schulzeit durch die Flure, der Hausmeister. Für ihn beginnt die Zeit der Reparaturen und Instandhaltungen.

Dieses antizyklische Prinzip machen sich auch die Schulträger zunutze: Größere Baumaßnahmen finden bevorzugt in den Sommerferien statt, etwa 20 Schulen und Kitas lässt die Stadt derzeit umbauen oder sanieren. Während Stefan Berauer ein Fenster ölt, dringt Baulärm hinüber: „Die Toiletten werden gerade umgebaut“, sagt er. Er ist derjenige, der die Handwerker einweist. Aber zum Berufsethos gehört es eigentlich, so viele Arbeiten wie möglich selbst zu erledigen: „Wenn was kaputt ist, sollte man eine Lösung finden und nicht gleich eine Firma anrufen“, sagt er.

Ein Hausmeister ist eben Gärtner und Schreiner in einem. Er ist Elektriker, Maler und Teppichleger. „Hausmeister ist ein sehr vielfältiger Beruf – man muss oft völlig unterschiedliche Tätigkeiten am selben Tag erledigen“, sagt Sabine Wilp von der Handwerkskammer. Sogar psychologisches Geschick ist in dem Job gefragt – sofern ein Hausmeister sich nicht nur als technischer „Facilitymanager“ versteht. „Der Umgang mit den Lehrern und Schülern – das gehört zu den vielen schönen Seiten meines Berufs“, sagt Stefan Berauer.

Das ist bei Peter Paul Hapeta ganz ähnlich. Der gebürtige Oberschlesier stand früher in einer großen Firma an einer Maschine. „Der Hausmeisterberuf hat aber mehr Abwechslung zu bieten“, sagt er. Dabei steht er auf der Leiter und hängt Gardinen auf. Seit zwölf Jahren arbeitet der 60-Jährige jetzt hier. Damals war in dem Gebäude noch die Hannah-Arendt-Schule untergebracht. Dann zog diese um. Er war der einzige, der blieb. Einen Job, der an einem Gebäude hängt, kann eben sehr stabil sein. Inzwischen ist er für zwei Schulen zuständig, die in dem Komplex am Altenbekener Damm untergebracht sind: Die Franz-Mersi-Schule für Sehbehinderte und die Hartwig-Claussen-Schule für Hörbehinderte.
Die Ferien hat der gelernte Elektriker genutzt, um Overheadprojektoren zu reparieren, er hat Laub auf dem Schulhof gefegt und klemmende Fenster repariert. „Die Ferien sind eine gute Zeit, all das zu erledigen“, sagt er. Und lächelt wie ein Mensch, der vollkommen im Einklang mit dem ist, was er tut.

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