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Aus der Stadt Was wäre, wenn Hannover 96 wirklich absteigt?
Hannover Aus der Stadt Was wäre, wenn Hannover 96 wirklich absteigt?
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00:15 12.05.2015
Von Volker Wiedersheim
Die HDI-Arena aus der Luft: Auf sportliche Höhenflüge warten Hannoveraner indes seit Langem vergebens. Quelle: Wilde
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Hannover

Nach der verspielten Chance auf drei Punkte gegen Werder Bremen stellt sich die Frage immer eindrücklicher: „Was wäre, wenn ...?“ Was wäre, wenn Hannover 96 wirklich absteigt? Was wären die Folgen für den Club und darüber hinaus für die Region insgesamt? Hannover rühmt sich doch nicht nur, Stadt im Grünen, Stadt der Messen und Museen, Stadt der Herrenhäuser Gärten und Einkaufsstadt zu sein. Sondern auch als erste Adresse des Sports. Geht das auch noch in der Zweitklassigkeit?

Wer eine Bestandsaufnahme versucht, mag sich erstaunt umgucken. Waren wir nicht eben noch 1. Liga in praktisch allen großen Publikumssportarten? Hannover 96 sogar in der Europa League. Die Handball-Recken in der Bundesliga etabliert und im Winter 2013/2014 sogar im europäischen EHF-Pokal unterwegs. Die Hannover Scorpions deutscher Eishockeymeister (Saison 2009/2010). Die Basketballer der UBC Tigers mit einem bemerkenswerten Durchmarsch bis in die zweite Liga (bis 2011). Hannover mittendrin, statt nur dabei – es kommt einem so vor, als sei das gerade erst gestern gewesen. Ist es aber nicht. Hannover hat im Leistungssport gerade eine ziemliche Formkrise.

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So fiebert Hannovers Sportprominenz mit den "Roten".

Die Recken stehen als Bundesligadreizehnte in dieser Saison nicht überragend, aber passabel da. Die Hannover Scorpions tummeln sich zusammen mit den Wedemark Scorpions und den Indians vom Pferdeturm in der sportlich drittklassigen Oberliga Nord – allerdings mit bemerkenswertem Zuschauerzuspruch. Wer Spitzensport sehen will, muss schon auf Nischendisziplinen schauen, die zuweilen mehr Mitwirkende als Zuschauer haben. Im Wasserball kämpfen die beiden Bundesligisten Waspo 98 und White Sharks kurioserweise gegeneinander um den Einzug ins Halbfinale der deutschen Meisterschaft. 

Das ist allerdings nichts, womit über die „Sportschau“ jeden Sonnabend oder auf sonst einem anderen Wege bundesweit ins gewünschte Licht gerückt würde. Man läuft tatsächlich derzeit Gefahr, den selbst verliehenen Titel „Sportstadt“ zu verspielen. Hannover künftig nur noch unter „ferner liefen ...“?

Das dürfte die Hannoveraner stören – und zwar auch solche, die sich wenig aus Sport und gar nichts aus Fußball machen. Sport ist nicht nur bei der Standortqualität ein wichtiger weicher Faktor – wenn auch eher fühl- als messbar. Speziell Bundesliga-Fußball ist aber ein hochtourig laufender Wirtschaftsmotor. Er erzeugt einen starken Magnetismus, der Kaufkraft in die Stadt, Geld in die Kassen und den Menschen rund ums Stadion Jobs bringt.

Dass Hannover eine sportliche Stadt bliebe, selbst wenn es sich nicht mehr als (Leistungs-)Sportstadt brüsten könnte, steht auf einem anderen Blatt. Es gibt engagierte Vereine, die Bolzplätze sind voll, für sportliche Radler und Inline-skater werden regelmäßig in den Abendstunden Straßen freigegeben, die Feierabendjogger am Maschsee und noch viel mehr die Teilnehmerzahlen kürzlich beim Hannover-Marathon zeigen: Hannover ist Spitze beim Breitensport. Und auch das ist ein wichtiger weicher Faktor bei der Standort- und Lebensqualität.

Aber am Ende ist es dann doch so: Fußball schafft, was derzeit keine andere Sportart vermag. Dass die ganze Stadt sich als Erweiterung eines Vereins sieht. Dass sie wie ein Resonanzkörper in der Frequenz seiner Erfolge und seiner Enttäuschungen mitschwingt. Im besten Falle ist es aber auch umgekehrt. Dann werden der Bundesligist, sein Team und jeder einzelne Spieler quasi zum Instrument des Wirgefühls ihrer Stadt – und diese Stadt will und verdient Erstklassigkeit.

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