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Aus der Stadt Wasserschlacht mit Bier und Bikini
Hannover Aus der Stadt Wasserschlacht mit Bier und Bikini
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00:15 23.10.2013
500 Zuschauer feierten im Stadionbad in Bikini und Badehose. Quelle: Alexander Körner
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Hannover

Bei den „Telekom Street Gigs“, einer bundesweiten Konzertreihe, treten sowohl etablierte Künstler als auch vielversprechende Talente an ungewöhnlichen Orten auf ­- so wird jedes Konzert, ob Autofriedhof, Kletterhalle oder eben das Stadionbad, zu einem einmaligen Event. Die Karten wurden nur im Internet verlost. Wer da ist, ist Fan.  

Die Wassertemperatur liegt bei 30 Grad, als die rund 500 Zuschauer am Freitagabend in Bikini und Badehose in das Nichtschwimmerbecken des Stadionbads steigen. Sie werden bei einem Konzert mit zwei britischen Bands feiern ­- und zwar im Wasser. 

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In der Halle holen sich die überwiegend männlichen Zuschauer in Badehose erst mal ein Bier, und der Wasserdampf erschwert das Luftholen. Die Instrumente auf der Bühne unter der muschelförmigen Kuppel glitzern im Licht der Scheinwerfer, das dämmernd durch die luftfeuchte Umgebung wabert. „Das ist ja ein riesiger Saunaclub hier“, stellt Moderator Simon Gosejohann treffend fest.

Bei den „Telekom Street Gigs“ treten Bands an ungewöhnlichen Orten auf ­– so wie im Stadionbad. Dort lauschten am Freitag 500 Zuschauer in Bikini und Badehose dem Konzert.

Als Vorgruppe tritt Sarah Müller-Westernhagen mit ihrer neuen Band „MiMi & the mad noise factory“ an. Klar akzentuiert und kraftvoll trägt sie in 30 Minuten Spielzeit gefühlige Indiepopsongs vor. Die Tochter von Marius Müller-Westernhagen präsentiert sich ätherisch und gleichzeitig frivol. Und zaundürr ist sie, füllt ihre zugeknöpfte Blumenbluse kaum aus. „Ich will bei meinen Liedern all meine Gefühle zeigen, auch wenn das verrückt ist und ich Angst habe, dass mir jemand etwas durch seine Ablehnung kaputt macht“, sagt die 28-Jährige. 

Die folgende Hauptgruppe Biffy Clyro ist Rockinsidern ein Begriff: Die schottische Alternative-Band bespielte allein in diesem Jahr zehn europäische Festivals. Nun rackern sich die Drei im Stadionbad bei gefühlten 40 Grad mit freien Oberkörpern an rockigen Riffs ab. Biffy Clyro spielt druckvollen, atemlosen Rock und baut den Spannungsbogen zwischen ruhig und rasend überzeugend immer wieder auf und ab. Die Zuhörer hüpfen ekstatisch im Becken und klatschen ihre Hände auf das Wasser, sind eingenommen von Spielort und Stimmung. 

Einer der Sänger der Formation äußerte im Vorfeld Bedenken wegen des geringen Abstands der Bühnentechnik zum Wasser, doch alles funktioniert reibungslos. Auch die Akustik im improvisierten Konzertsaal ist für die erschwerten Verhältnisse hinnehmbar, der etwas dumpf hallende Klang ist eine durchaus akzeptable Einschränkung.

Nach 90 Minuten mit akustischem und sichtbarem Dampf springen die Schotten ins hinterrücks liegende Schwimmerbecken. Nach insgesamt drei Stunden machen sich dann auch die Zuschauer mit vom Wasser aufgeweichter Haut auf den Weg in die Umkleidekabinen ­- wo das extravagante Spektakel seine Teilnehmer euphorisch zurücklässt.

Von Sabrina Mazzola

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