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Aus der Stadt Die erfrischende Balance
Hannover Aus der Stadt Die erfrischende Balance
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00:15 04.08.2013
Nicht ganz einfach, über ein elastisches Kunststoffband zu balancieren. Der Fall ins erfrischende Wasser ist unverzichtbarer Teil des sommerlichen Vergnügens. Quelle: Nico Herzog
Hannover

Es ist nicht einfach, der Hitze etwas entgegenzusetzen. In den Schatten gehen, baden, viel trinken, möglichst wenig bewegen – man sollte meinen, viel mehr geht nicht. An sportliche Betätigung jedenfalls wird wohl kaum jemand bei 38 Grad im Schatten denken.Oder doch?

Maschinenbaustudent Wolf Wiese kann sich ein Leben ohne Sport nur schwer vorstellen. Also ließ der 28-jährige Hannoveraner seiner Kreativität in den vergangenen heißen Tagen und Nächten freien Lauf. Irgend­etwas musste es doch geben, was auch bei tropischen Temperaturen Spaß macht, Erfrischung bietet und nicht so langweilig ist wie Schwimmen.

Die Antwort war schnell gefunden. Sie heißt Water­lining und ist eine Art saisonale Weiterentwicklung der Trendsportart Slacklining, der Wiese bereits seit zwei Jahren begeistert nachgeht. Slacken stammt, wie könnte es anders sein, aus den USA. Freeclimber im Yosemite-Nationalpark erfanden den Sport, der höchste Körperbeherrschung und einen guten Gleichgewichtssinn erfordert. Die kalifornischen Kletterer vertrieben sich an Regen­tagen die Zeit damit, auf Absperrtauen zu balancieren, um ihr Gleichgewicht zu trainieren. Beim Slacklining wird ein rund drei Zentimeter breites Polyamidband, wie es Lastwagenfahrer zum Sichern ihrer Fracht nutzen, im Abstand von rund zehn Metern in Kniehöhe zwischen zwei Bäume gespannt.

Waterlining funktioniert genauso – nur eben über Wasser. Und weil es nicht ganz einfach ist, über ein elastisches Kunststoffband zu balancieren, ist der Sprung oder besser gesagt der Fall ins erfrischende Wasser unverzichtbarer Teil des sommerlichen Vergnügens. Eine Hürde allerdings musste noch genommen werden. Wiese und seine ebenfalls vom Slacken begeisterten Freunde mussten ein Gewässer finden, das tief genug ist und zwei Befestigungspunkte für die Slackline bietet – stabil, ausreichend hoch und im richtigen Abstand zueinander. Wieses neongelbe Slackline ist immerhin 15 Meter lang.

Fündig wurde die Clique schließlich in Hannover-Limmer am Leineabstiegskanal gleich hinter der Industriebrache des Continentalwerks. Dort ragen gleich neben der Brücke am Stochhardweg zwei eiserne Pfähle aus dem Wasser, die sich als geeignet erwiesen. Die Sonne geht gerade unter, Licht und Stimmung sind perfekt. Also nichts wie raus aus den Klamotten, rein ins Wasser. Der Nylonriemen ist schnell befestigt. Wolf spannt ihn mittels einer Ratsche, und los geht es. Nina ist die erste. Sie klettert die eisernen Sprossen, die praktischerweise an den Pfeilern angebracht sind, empor, setzt einen Fuß auf die Slackline, dann noch einen, noch einen – und das war es. Mit einem Riesenplatscher landet die junge Frau im Wasser, taucht lachend und prustend wieder auf. Den anderen ergeht es kaum besser. „Es ist verdammt schwierig“, sagt Wolf, „das Wasser bewegt sich, dadurch ist es noch komplizierter, einen festen Punkt zu fixieren und das Gleichgewicht zu halten.“ Dazu kommen die Schwingungen, die die eigenen Muskeln erzeugen und die sich auf die Slackline übertragen. Unwillkürlich versucht man, sie auszugleichen, statt sich ihnen anzupassen. „Am besten geht es, wenn man ein halbes Bier getrunken hat oder auch ein ganzes“, verrät Sophie augenzwinkernd, „nein, im Ernst, dann ist man lockerer und die Slackline wird ruhiger.“

Ob im Stadtpark über weichem Gras, dem türkisblauen Wasser einer Mittelmeerbucht, einem feinkörnigen Sandstrand oder einer tiefen Schlucht in den Alpen – dem Slacken scheinen keine Grenzen gesetzt. Es gibt Trick-, Urban-, High-, Long- und eben Waterlining. Es gibt Slack-Experten, die ungesichert tiefe Täler überqueren, die wie Zirkusartisten Salti auf der Slackline schlagen, auf einem Bein hüpfen oder sich absichtlich in die Tiefe stürzen, um dann im letzten Augenblick doch noch mit der Hand nach dem rettenden Polyesterband zu greifen.

Davon sind Wolf, Nina und Sophie noch weit entfert. Aber darum geht es ihnen auch  nicht. „Es macht einfach tierisch viel Spaß“, sagt Sophie und stürzt sich erneut ins Wasser. Ihre Freunde legen derweil, in Handtücher gehüllt, am Ufer eine kleine Pause ein. „Mit der Zeit wird einem ganz schön kalt“, sagt Wolf. Und das ist nun wirklich etwas, dass die meisten anderen Hannnoveraner in den letzten Tagen nicht von sich behaupten konnten.

 Von Julia Pennigsdorf

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