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Aus der Stadt Wege durch das Streik-Chaos in Hannover
Hannover Aus der Stadt Wege durch das Streik-Chaos in Hannover
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21:15 05.02.2010
Nichts geht mehr am Montag in Hannovers U-Bahn-Stationen.
Nichts geht mehr am Montag in Hannovers U-Bahn-Stationen. Quelle: Christian Behrens (Archivbild)
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Schon jetzt schrillen in der Verkehrsmanagementzentrale (VMZ) der Region die Alarmglocken, denn die sieht am Montag eine wahre Blechlawine auf Hannover zurollen. So erwartet die VMZ Staus auf dem Westschnellweg, der Vahrenwalder Straße, der Podbielskistraße, der B 3 aus Richtung Süden und auf der B 65 in Höhe des Landwehrkreisels. Auch auf Kreuzungen wie dem Aegidientorplatz, dem Königsworther Platz und dem Braunschweiger Platz „wird es klemmen“, wie Holger Heuer, Mitarbeiter der VMZ, sagt. Ein Beispiel zeigt das ganze Ausmaß der zu erwartenden Verkehrsdichte: Durch das Nadelöhr der Anschlussstelle Herrenhausen auf der Autobahn 2 zwängen sich montags für gewöhnlich 6000 Fahrzeuge. Damit sei bereits eine Belastungsgrenze erreicht, erklärt Heuer. Für den kommenden Montag aber rechnet er mit der doppelten Anzahl.

Um dem Chaos zu begegnen, setzt die VMZ vor allem auf Präventivmaßnahmen. „Wir werden das ganze Wochenende Warnhinweise im Radio und im Internet durchgeben“, sagt Heuer. Die Pendler sollten Fahrgemeinschaften bilden oder zu Hause bleiben, damit sich die Zahl der Fahrzeuge auf den Straßen verringert. Umleitungsempfehlungen bei Staus gibt die VMZ am Montag auf den Lichttafeln entlang der A 2, sowie am West- und Südschnellweg. Dennoch sollten sich die Pendler morgens möglichst früh in Bewegung setzen – und sich auf lange Fahrzeiten einstellen.

Die Medizinische Hochschule Hannover (MHH) richtet am Montag von 7 bis 19 Uhr einen kostenlosen Shuttle-Bus zwischen dem S-Bahnhof Karl-Wiechert-Allee und der Klinik ein. Alle zehn Minuten werde ein Bus am S-Bahnhof abfahren, sagt MHH-Sprecher Stefan Zorn. Im Hauptbahnhof werden drei bis vier Studenten MHH-Besuchern den Weg zur Klinik erklären.

Nicht nur auf Hannovers Straßen droht den Bürgern Ungemach. Am Montag werden alle 34 städtischen Kitas und vier Horte bestreikt. Betroffen sind rund 3200 Kinder und ihre Eltern. Und bei denen ist die Stimmung überwiegend schlecht. Noch zu gut erinnern sie sich an den Kita-Streik im vergangenen Jahr. Zwischen Mai und Juli legten die Erzieher an zwölf Tagen, die sich auf sechs Wochen verteilten, die Arbeit nieder. „Und ich musste zwischen Weihnachten und Neujahr arbeiten, weil ich keinen Urlaub mehr hatte“, sagt Matthias Wesemann, der nun auch Montag wieder zu Hause bleiben wird, um sich um seinen fünfjährigen Sohn zu kümmern. Er hätte wohl auch kaum eine Chance, von Kleefeld bis in sein Büro in Garbsen zu kommen. „Wir besitzen bewusst kein Auto. Ich bin auf die Üstra angewiesen.“ Wesemann hat kein Verständnis dafür, dass bereits im Warnstreik die Kitas lahmgelegt werden.

„Bevor die Verhandlungen richtig starten, wird gestreikt und wieder in den städtischen Kitas“, kritisiert auch eine 35-jährige Mutter, die ihren Namen nicht in der Zeitung lesen will. Sie selbst muss Montag arbeiten, kann ihre beiden Kinder aber bei einer ebenfalls berufstätigen Nachbarin unterbringen. „Für meine Bekannte ist das aber sehr problematisch. In ihrer Firma wurden Überstunden angeordnet, eigentlich dürfte sie gar nicht frei nehmen.“

In Laatzen scheinen dagegen die meisten Erzieher Montag zu arbeiten. Die Stadtverwaltung hatte die Streikbereitschaft der Mitarbeiter vorher erfragt. Nur die Kita an der Masch soll bestreikt werden, die betroffenen Eltern wurden am Freitag informiert, in welche andere Kita sie ihr Kind bringen können.

Die Schulleiter wollen Montag mit Augenmaß auf die Situation reagieren. Am Kaiser-Wilhelm- und Ratsgymnasium (KWRG) und an der Leibnizschule beginnen morgens um acht Uhr für den 13. Jahrgang Klausuren unter Abiturbedingungen. „Wir entscheiden flexibel, ob wir etwas später beginnen, die Arbeiten doch verschieben oder einzelne Schüler nachschreiben lassen“, sagt KWRG-Leiter Christian Stock. „Von jüngeren Schülern können wir nicht erwarten, dass sie auf vereisten Wegen mit dem Rad kommen“, sagt Kurt Veith, Leiter der Leibnizschule. Die Älteren könnten aber durchaus Vorsorge treffen.

Andreas Schinkel
Bärbel Hilbig

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