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Aus der Stadt Wegen 4,10 Euro fristlos gekündigt
Hannover Aus der Stadt Wegen 4,10 Euro fristlos gekündigt
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18:06 30.01.2015
Von Michael Zgoll
Quelle: dpa
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Hannover

4,10 Euro - dieser Betrag wird einer langjährigen Verkäuferin der Drogeriemarktkette Rossmann möglicherweise zum Verhängnis. An einem Dezembertag 2014, an dem sie an der Kasse einer hannoverschen Filiale Dienst tat, buchte sie von der liegengebliebenen Guthabenkarte einer Kundin drei Drogerieartikel ab - für sich persönlich. Wenige Tage später wurde die 52-Jährige fristlos gekündigt. Ein ungewöhnlicher Aspekt, mit dem sich derzeit das Arbeitsgericht Hannover beschäftigt, kreist um ihren Vater. Die Kassierin hatte einen Tag vor der Unterschlagung erfahren, dass die Klinik die Chemotherapie bei dem krebskranken Mann einstellt - befand sich die Frau in einem emotionalen Ausnahmezustand? So viel ist gewiss: Ihr Vater war drei Wochen später tot.

Die Angestellte, die sich gegen die Kündigung wehrt, arbeitet seit mehr als 13 Jahren bei Rossmann. Ihr Anwalt Peter Pistorius verlas in der Verhandlung der 7. Kammer auszugsweise ein Zwischenzeugnis aus 2013, in dem ihr ein freundliches und hilfsbereites Wesen, hohe Zuverlässigkeit und große Beliebtheit bei den Kunden bescheinigt wird; man sei mit ihren Leistungen „stets und in jeder Hinsicht außerordentlich zufrieden“ gewesen, ergänzte Pistorius. Zudem habe ein Arzt seine Mandantin am Tattag aufgrund der schlechten Nachrichten über ihren Vater krankschreiben wollen und ihr Tabletten verschrieben; die 52-Jährige habe ihre Kolleginnen im stressigen Vorweihnachtsgeschäft aber nicht im Stich lassen wollen, auch wenn sie sich in einer „persönlichen Krisensituation“ befunden habe.

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Die Prozessvertreterin von Rossmann wies in der Güteverhandlung darauf hin, dass die Kassierin die 4,10 Euro in zwei Chargen von der Kundenkarte abgebucht habe; dies deute eher auf ein planvolles Vorgehen denn auf einen spontanen Ausrutscher hin. Herausgekommen war die verbotene Abbuchung, weil die Kundin den Verlust ihrer Karte meldete und das Unternehmen anhand der Kassendaten feststellen konnte, wann und wo der fehlende Betrag verbucht worden war.

„Das war eine Fundunterschlagung, daran gibt es nichts zu deuteln“, sagte Richter Axel von der Straten.

Nichtsdestotrotz müsse man abwägen, ob der Drogeriekonzern im Falle einer langjährigen, bewährten Mitarbeiterin gleich mit einer fristlosen Kündigung reagieren müsse. Sein erster Kompromissvorschlag: Eine Kündigung zum 28. Februar 2015 und eine Neueinstellung zum 1. Januar 2016. Die Rossmann-Vertreterin lehnte ab: Schließlich habe es sich bei der Tat um einen eklatanten Vertrauensbruch gehandelt, eine Kassiererin müsse nun einmal grundehrlich sein. Der zweite Vorschlag des Richters - eine fristgerechte Kündigung zum 31. Mai bei einer halbierten Gehaltszahlung von 1000 Euro monatlich - löste auf beiden Seiten wenig Begeisterung aus. Bis Mitte April können die Kassiererin und der Drogeriemarkt nun nochmals über die Vergleichsvorschläge nachdenken - dann ist der nächste Verhandlungstermin.

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