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Aus der Stadt Hunderte Besucher bei Weihnachtsfeier für Bedürftige
Hannover Aus der Stadt Hunderte Besucher bei Weihnachtsfeier für Bedürftige
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20:58 11.12.2016
Von Bärbel Hilbig
Ran an die Teller: Moderator Ecki Stieg serviert als Hilfskellner das Weihnachtsmenü.
Ran an die Teller: Moderator Ecki Stieg serviert als Hilfskellner das Weihnachtsmenü. Quelle: Tim Schaarschmidt
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Hannover

Vorne auf der Bühne spielt die Band Songs wie „Über den Wolken“ oder „Immer wieder sonntags“, Lieder, die bei vielen Gästen gute Erinnerungen wecken. Ein Mann mit Käppi steht auf und wiegt sich versonnen zur Musik dieser speziellen Weihnachtsfeier in der Glashalle des Hannover Congress-Centrums (HCC). Beflissene Hilfskellner eilen mit Tellern zu den Gästen. An den langen Tischen sitzen Männer und Frauen, für die dies alles andere als selbstverständlich ist. Dem 67-jährigen Besucher Heinz serviert Radiomoderator Ecki Stieg den Hauptgang des festlichen Menüs: Geschmorte Entenkeule mit Orangensoße, Apfelrotkohl und Kartoffelklöße.

Schon zum fünften Mal hat der Künstlerverein Krass Unartig am Sonntag die Weihnachtsfeier für Bedürftige und Obdachlose veranstaltet und dafür etwa 80 Helfer und 40 Künstler gewinnen können. Die Schauspieler Liza Tzschirner und Kalle Haverland, Stadtsprecher Andreas Möser, Bezirksbürgermeisterin Edeltraut Geschke und viele andere balancieren Teller, die die Köche des HCC zuvor sorgfältig befüllt haben. Andere Freiwillige wie Sozialdezernentin Konstanze Beckedorf räumen schmutzige Teller ab.

Bereits zum fünften Mal hat der Künstlerverein Krass Unartig am Sonntag seine Weihnachtsfeier für Bedürftige und Obdachlose veranstaltet. Für die Veranstaltung in der Glashalle des Hannover Congress Centrum haben die Organisatoren eine unübersehbare Schar von wohl 80 Helfern und 40 Künstlern gewinnen können.

„Das sollte öfter stattfinden, und nicht nur zu Weihnachten“, sagt Heinz. Dass „die Gesellschaft“ ihn und die anderen an diesem Tag wahrnehme, sei gut, urteilt der 67-Jährige. „An anderen Tagen wacht man auf und fühlt sich leer.“ Jetzt plaudert er angeregt mit seinem Nachbarn. Zahlreiche Firmen haben Geschenke gespendet. Besucher Orhan hat sich am Stand der Tierärzte einen Sack Hundefutter für seine Lassie geben lassen. Tiertrainer betreuen die Vierbeiner, während ihre Besitzer feiern.

René Fischer lässt sich vor dem Essen noch von Friseur Patrick Wolf seine langen Haare abschneiden und den Bart stutzen. Er genießt den Service, den er sich selbst nicht leisten könnte. „Ich finde es schön, was hier angeboten wird“, sagt der 38-Jährige. Eine gute Ablenkung vom Alltag sei das Fest. Psychische Probleme und Mietschulden hätten dazu geführt, dass er in einer Unterkunft für Wohnungslose lebt. „Ich hätte sehr gerne wieder in eine eigene Wohnung, aber das ist nicht möglich“, sagt er.

Comicverleger Manfred Ilsemann hatte die Idee einer Weihnachtsfeier für Bedürftige nach Berliner Vorbild lange mit sich herumgetragen. Als „Schirmherren“ sind die ehemaligen Fury-Musiker von Anfang an dabei, denn man kennt sich. „Weihnachten finde ich sonst langweilig. Spaß macht das hier, wenn wir anderen Spaß machen“, sagt Ex-Fury-Gitarrist Christof Stein-Schneider, der mit Ecki Stieg durch das Bühnenprogramm führt.

In zwei eigenen Hallen toben und basteln rund 300 Kinder. Manche Gäste haben ihren Nachwuchs mitgebracht, die dort ungestört ihr eigenes Programm genießen. Die meisten jungen Besucher sind mit den Betreuern einer Kindertafel angereist. „Den Kindern geht es nicht so sehr um die Geschenke, die sie hier bekommen, sondern um die Aufmerksamkeit“, sagt Anja Elezi, Koordinatorin des Mittagstischs an der Grundschule Mühlenberg. Gemeinsam mit Erwachsenen basteln, sich zu schminken, spielen – das sei für die Kinder etwas ganz Besonderes, das sie von zu Hause nicht kennen. „Ich finde das super. Es gibt viel zu unternehmen, und wir haben viel Zeit zum Spielen“, kommentiert der neunjährige Avan strahlend.