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Aus der Stadt Weil fehlt der Opposition
Hannover Aus der Stadt Weil fehlt der Opposition
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18:25 25.03.2012
Von Andreas Schinkel
Zweifel an der Amtsführung von Oberbürgermeister Stephan Weil (SPD) Quelle: dpa
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Hannover

Aus den Reihen der Ratsopposition erheben sich Zweifel an der Amtsführung von Oberbürgermeister Stephan Weil (SPD). "Ich glaube nicht, dass er noch zu 100 Prozent OB im Rathaus ist", sagt der stellvertretende Fraktionsvorsitzende der CDU, Jens-Michael Emmelmann. Mehr und mehr beschäftige sich Weil mit dem anstehenden Landtagswahlkampf und reise in Niedersachsen umher, um sich bekannt zu machen. "Man gewinnt den Eindruck, dass sein Stellvertreter, Hans Mönninghoff, jetzt schon als Oberbürgermeister fungiert", sagt Emmelmann.

Weil tritt als Spitzenkandidat der Sozialdemokraten bei den Landtagswahlen im Januar 2013 an und wird sein Amt als OB danach niederlegen. In der heißen Wahlkampfphase, so hat er angekündigt, nehme er sich Urlaub. Da Hannovers neuer Oberbürgermeister voraussichtlich erst einige Monate später im September 2013 gewählt wird, bekommt die Stadt mit Mönninghoff in dieser Zeit einen Grünen Interims-Chef.

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Die Stadt weist die Kritik weit von sich und geht mit der CDU überraschend hart ins Gericht. "Offenbar versucht die CDU-Ratsfraktion derzeit krampfhaft, dem Oberbürgermeister fehlende Präsenz nachzuweisen", sagt Stadtsprecher Andreas Möser. So nahm in der vergangenen Ratssitzung CDU-Mann Dieter Küßner eine Abwesenheit Weils kurz vor der Abstimmung über die Amazon-Ansiedlung aufs Korn. "Wenn Herr Weil nicht zu dieser wichtigen Abstimmung erschienen wäre, hätte ich ihn herbeizitieren lassen", polterte Küßner. Der OB habe aber lediglich die Toilette aufgesucht, rechtfertigt Möser die Pause seines Chefs.

Grundsätzlich hätten sich die Zuständigkeiten im Rathaus nicht verändert, betont der Stadtsprecher. Mönninghoff übernehme keineswegs mehr Aufgaben als früher. Allerdings seien die ehrenamtlichen Bürgermeister bei den zahlreichen repräsentativen Terminen jetzt stärker gefordert.

Dass der Landtagswahlkampf schon jetzt, Monate vor der heißen Phase, seinen Tribut fordert, bestätigen auch andere Ratspolitiker. "Noch widmet Weil 95 Prozent seiner Zeit dem Rathaus, im November werden es wohl nur noch fünf Prozent sein", sagt ein Grünen-Politiker. Aus Rathauskreisen ist zu hören, dass Weil schon jetzt etliche Überstunden schiebt, manchmal bereits um 7 Uhr morgens am Schreibtisch sitzt, um danach Zeit für seine Vorwahlkampftouren durch die niedersächsische Tiefebene zu haben. "Der ist oft nachmittags gar nicht mehr im Rathaus", heißt es aus dem Umfeld des Oberbürgermeisters.

Noch aber scheint der Rathausbetrieb einwandfrei zu laufen, selbst wenn der Chef nicht zugegen ist. "Ich habe noch keinen Unterschied bemerkt", sagt FDP-Fraktionschef Wilfried Engelke. Das mag auch mit dem Führungsstil Weils zu tun haben, der schon immer wichtige Aufgaben an seine Dezernenten delegieren konnte. Grundsätzlich aber meint Engelke: "Herr Weil hat hier zu sein, dafür ist er gewählt, dafür wird er bezahlt." Und sollte er Landtagswahlkampf und OB-Amt nicht mehr unter einen Hut bekommen, müsse er eben früher als geplant Urlaub nehmen.

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