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Aus der Stadt Welfenlab ermöglicht Blick in den Kopf
Hannover Aus der Stadt Welfenlab ermöglicht Blick in den Kopf
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14:58 28.12.2016
Das hat Gesicht: Die neue Technik zeigt einen Schädel in 3-D.
Das hat Gesicht: Die neue Technik zeigt einen Schädel in 3-D. Quelle: Rainer Surrey
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Die Technologie verbindet 3-D-Darstellungen von Haut, Muskeln, Bindesgewebe und Knochen des Schädels mit einem beweglichen Handschuh, der das virtuelle Ertasten von anatomischen Strukturen ermöglicht. Das Ganze ist so verblüffend, dass es noch vor wenigen Jahren glatt als Science-Fiction-Fantasie durchgegangen wäre.

Im Welfenlab der Leibniz Universität wurde eine Technologie entwickelt, mit der z.B. Frakturen mithilfe von Computertomographie in einem dreidimensionalen Bild dargestellt werden können. Auf der Cebit stellt die Uni diese Ergebnisse vor. 

Normalerweise erwarten etwa einen Patienten mit einer gebrochenen Augenhöhle bis zu sieben Operationen. Durch die neue Technologie kann die Anzahl der nötigen Eingriffe, um eine solche Orbitafraktur zu behandeln, auf einen einzigen reduziert werden. „Das neue Programm erlaubt es, unzählige Daten zusammenzufügen und zu visualisieren. Damit können wir Knochen, Organe und Gewebe nicht mehr nur sehen, wir können sie auch fühlen und sogar bewegen“, sagte Franz-Erich Wolters, Professor am Institut für Mensch-Maschine-Kommunikation und Leiter der Abteilung für Graphische Datenverarbeitung, dem Welfenlab. Zusammen mit sechs weiteren Einrichtungen aus vier europäischen Ländern arbeiten die Wissenschaftler des Welfenlab daran, die Anatomie des menschlichen Körpers einfacher darzustellen. Die Technologie, die an seiner Fakultät entwickelt wurde, ist international einzigartig, wie Wolters sagt.

Neues Verfahren ersetzt alte Prozedur

Erleide jemand durch einen Schlag ins Gesicht eine Fraktur im Bereich des Auges, konnte bisher nur mithilfe der Computertomografie ein dreidimensionales Bild des Schädelknochens erzeugt werden. Wo früher die Technik endete, geht es nun noch weiter. Dank des Programms, das Klaus-Ingo Friese und Roman Vlasov vom Welfenlab entwickelt haben, kann ein Arzt das Bild in verschiedenen Größen ansehen, das virtuelle Modell drehen, zwischen Knochen-, Muskel- und Zell-Ebenen auswählen und den digitalen Schädel abtasten.

Dazu steckt der mit einer 3-D-Brille ausgestattete Arzt seinen Zeigefinger in ein Kraftrückkopplungsgerät - eine Art Fingerhut, der an beweglichen Metallstangen befestigt ist. Dieses Gerät simuliert den Widerstand der Oberfläche des tatsächlichen Objekts. So können Bruchstellen ganz genau untersucht und Prothesen besser angepasst werden. Das Verfahren ersetzt eine Prozedur, die bisher mehrere Operationen erfordert. „Wir haben ein intuitives, leicht verständliches Eingabesystem entwickelt: Brille auf, Finger rein und los“, sagte Friese über die Handhabung der Geräte. Informationen, die sonst in einer Unmenge an Daten untergehen würden, werden so für das geschulte Auge auf Anhieb sichtbar, und in doppelter Hinsicht erfassbar.

Von Niklas Kleinwächter

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