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Aus der Stadt Weniger Verbrechen in Hannover
Hannover Aus der Stadt Weniger Verbrechen in Hannover
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08:02 17.02.2012
Von Bernd Haase
Die Zahl der Verbrechen in Hannover ist 2011 erneut zurückgegangen.
Die Zahl der Verbrechen in Hannover ist 2011 erneut zurückgegangen. Quelle: Symbolbild
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Hannover

Die Polizeidirektion Hannover verzeichnet bei der Zahl der Straftaten zum vierten Mal in Folge einen Rückgang gegenüber dem Vorjahr. 2011 zählte sie in der Landeshauptstadt und Umland exakt 106.489 Delikte und damit gut sechs Prozent weniger als 2010.

Verantwortlich für die sinkenden Zahlen ist vor allem die Üstra, die nur halb so viele Schwarzfahrer angezeigt hat wie noch 2010. Überdurchschnittlich zurückgegangen auf den niedrigsten Stand seit 20 Jahren ist aber auch die Zahl der Wohnungseinbrüche, was Polizeipräsident Axel Brockmann mit Genugtuung zur Kenntnis nimmt: „Wir hatten uns dies als strategisches Ziel vorgenommen, weil das Delikt wie kaum ein anderes das Sicherheitsgefühl der Bevölkerung beeinflusst.“ Entsprechend habe man viel Arbeit in die Beratung und Vorbeugung, aber auch in Ermittlungen gesteckt.

61,39 Prozent aller begangenen Straftaten wurden von der Polizei aufgeklärt. Dieser Wert ist gegenüber der im Vorjahr erzielten Bestmarke leicht gesunken, entspricht aber dem Landesdurchschnitt. „Die Aufklärungsquote ist ein Beleg für die Verbesserung der Polizeiarbeit in Hannover“, lobt Brockmann, der seinen Job im November als Nachfolger von Uwe Binias angetreten hatte.

Die Statistik im Überblick

Mord und Totschlag: 34 versuchte und acht vollendete vorsätzliche Tötungsdelikte, wie sie offiziell heißen, ereigneten sich 2011 in Hannover und dem Umland. Fast alle wurden aufgeklärt. Fälle wie der der Hannoveranerin Annika B., bei denen die Ermittlungen noch laufen, gehen nicht in die Statistik ein.

Raub: In diesem Bereich ist die Zahl um neun Prozent auf 897 Taten gesunken. Rückgänge registrierten die Beamten vor allem beim Straßenraub (390 Delikte) und beim Handtaschenraub (45). Andererseits ereigneten sich mehr Raubüberfälle auf Spielhallen (35) und auf Tankstellen (16).

Körperverletzung: Mit 10.288 Fällen bewegt man sich hier auf Vorjahresniveau.

Diebstahl: 40 038 Diebstahlsfälle bedeuten einen leichten Rückgang, bei den Wohnungseinbrüchen allerdings kann die Polizei mit 1976 Fällen ein Absinken um satte 18 Prozent melden. Mehr als jeder fünfte Einbruch wurde aufgeklärt, womit sich die Quote verbessert hat.

Sexualstraftaten: Vor allem bei sexuellem Missbrauch von Kindern und beim Exhibitionismus hatte die Polizei 2011 mehr Arbeit als in den Vorjahren. „Hier ist die Sensibilität in der Bevölkerung gestiegen, es wird mehr angezeigt statt verschwiegen. Das ist eine erfreuliche Entwicklung“, sagt Brockmann. Rückläufig sind die Zahlen bei Vergewaltigung und sexueller Nötigung.

Rauschgift: 5817 Fälle von Drogenkriminalität bedeuten keine Entwicklung nach oben oder unten.

Einfluss von Alkohol: Insgesamt war bei neun Prozent aller Straftaten Alkohol im Spiel. Eine größere Rolle, nämlich in jedem dritten Fall, spielte er bei den Körperverletzungen.

Staatsangehörigkeit: Jeder vierte Straftäter hat keinen deutschen Pass, obwohl der Anteil dieser Gruppe an der Bevölkerung nur zehn Prozent beträgt. Überproportional aktiv sind Ausländer in den Deliktbereichen Wohnungseinbrüche und schwerer Diebstahl.

Stadtteilstatistik kommt

Trotz Bedenken der Stadt Hannover will die Polizeidirektion im kommenden Jahr erstmals eine nach Stadtteilen aufgeschlüsselte Kriminalitätsstatistik vorlegen. Polizeipräsident Axel Brockmann hält damit an einem Vorhaben fest, dass sein Vorgänger Uwe Binias wegen des „großen Interesses der Öffentlichkeit an diesen Zahlen“ angekündigt hatte. „Für 2011 stehen uns die Daten noch nicht zur Verfügung, weil wir die EDV entsprechend umrüsten müssen“, erläutert Brockmann.

„Wir haben an dieser Stelle einen Dissens mit der Polizei, gehen aber davon aus, dass sie verantwortungsvoll mit dem Material umgeht“, sagt Stadtsprecher Andreas Möser. Im Rathaus fürchtet man, einzelne Stadtteile mit überproportional hohem Kriminalitätsaufkommen könnten zusätzlich stigmatisiert werden.

In Hamburg sind stadtteilbezogene Auswertungen seit Jahren Usus. Im sogenannten Stadtteilatlas lässt sich für eine Auswahl an Delikten – darunter Raub, Körperverletzung, Diebstahl und Einbruch – genau nachvollziehen, wie häufig sie in welchen Bereichen der Hansestadt vorkommen.

Dieser Artikel wurde aktualisiert.

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