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Aus der Stadt Wenn Computer und Internet süchtig machen
Hannover Aus der Stadt Wenn Computer und Internet süchtig machen
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14:18 23.12.2011
Von Veronika Thomas
Ein Junge spielt an seinem Computer den Ego-Shooter-Spiel Counter Strike. Quelle: dpa
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Hannover

Seit 2010 bietet die Therapiestation Teen Spirit Island (TSI) im Kinderkrankenhaus auf der Bult als bundesweit erste Einrichtung sechs stationäre Therapieplätze für Kinder und Jugendliche an, die unter Computer- und Internetsucht leiden. Jetzt hat TSI-Leiter Prof. Christoph Möller ein Praxishandbuch zum Thema herausgegeben, das sich gleichermaßen an Fachleute, Eltern und Lehrer richtet.

„Internet- und Computersucht“ lautet der Titel des im Kohlhammer Verlag soeben erschienenen Standardwerks, in dem eine interdisziplinäre Autorengruppe neueste Erkenntnisse zusammengetragen hat. Verfasser sind unter anderem der renommierte Psychiater Prof. Manfred Spitzer aus Ulm, Prof. Christine Morgenroth, Soziologin an der Leibniz-Uni, Eberhard Freitag, Leiter der hannoverschen Fachstelle „return“ für exzessiven Medienkonsum, und Prof. Christian Pfeiffer, Leiter des Kriminologischen Forschungsinstituts Niedersachsen.

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Häufig sind psychische Störungen wie Depressionen, Angstzustände und soziale Phobien Auslöser einer Computer- und Internetsucht – ähnlich wie bei sogenannten stoffgebundenen Süchten wie Alkohol- und Cannabisabhängigkeit. Die Süchtigen sitzen oft Tag und Nacht vor dem Bildschirm, während Schule, Ausbildung, Freunde oder Hobbys leiden. 

Nach aktuellen Schätzungen des Bundesgesundheitsministeriums sind rund 1,5 Prozent der 14- bis 64-jährigen Internetnutzer abhängig. In der Altersgruppe der 14- bis 24-Jährigen liegt der Wert bei geschätzten 3,8 Prozent.
Neben soziologischen, psychologischen und klinischen Aspekten des Medienkonsums und daraus resultierender Mediensucht greift das Fachbuch auch spezielle Süchte wie die Gefahren von Internetpornografie auf und entlarvt die suchterzeugenden Mechanismen und Belohnungsverfahren von Browser- und Onlinerollenspielen. Das Autorenteam hat auch Brancheninsider wie Spieleentwickler über ihre Geschäftspraktiken befragt. Diese beschreiben unumwunden, wie sie Nutzer bewusst süchtig machen, um sie finanziell ausnehmen zu können. In „Internet- und Computersucht“ kommen Fachleute zu Wort, die sich seit Jahren als Pioniere mit den neuen Suchtformen befassen.

Was das Buch zu einem praxisnahen Ratgeber für alle Interessierten macht, sind aktuelle Fallbeispiele, Berichte von Aussteigern, betroffenen Eltern und Selbsthilfegruppen. Im Anhang finden sich Adressen von Beratungs- und Behandlungsstellen sowie nützliche Internetadressen.

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