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Aus der Stadt Wer nicht warten will, wählt den Notruf
Hannover Aus der Stadt Wer nicht warten will, wählt den Notruf
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12:23 06.02.2015
Von Mathias Klein
Quelle: Symbolbild
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Hannover

Hannovers Feuerwehrchef Claus Lange macht die Kassenärztliche Vereinigung (KVN) für die häufige Überlastung der Notaufnahmen der Krankenhäuser verantwortlich. „Der von der KVN organisierte ärztliche Bereitschaftsdienst in der Landeshauptstadt und im Umland ist ausgedünnt und schlecht organisiert“, sagte Lange am Mittwochabend bei einer Diskussionsveranstaltung der CDU-Regionsfraktion zum Thema Notaufnahmen und Rettungsdienst. Die häufige lange Wartezeit der Patienten auf den Bereitschaftsdienst führe dazu, dass schließlich oft der Notruf 112 gerufen werde, obwohl ein Rettungswagen und eine Fahrt in die Notaufnahme in diesen Fällen gar nicht nötig seien. Wenn Patienten mitten in der Nacht oder am Sonntag jedoch zwei Stunden oder länger auf den Arzt des Bereitschaftsdienstes warten müssten, sei es verständlich, wenn sie irgendwann die Nummer des Notrufs wählten.

Lange warf der KVN vor, zu diesem Thema nicht gesprächsbereit zu sein. „Wir haben versucht, das zu optimieren, sind jedoch keinen Schritt weitergekommen“, sagte er. Am sinnvollsten wäre nach Ansicht des Chefs der Feuerwehr, die auch für den Rettungsdienst in der Landeshauptstadt zuständig ist, wenn die Rettungsleitstelle der Region auch die Einsätze des ärztlichen Bereitschaftsdienstes koordinieren würde. Das wäre eine Lösung im Sinne der Patienten, und diese sei auch dringend nötig, meinte er.

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Lange hat außerdem „organisatorische Defizite“ in einigen Notaufnahmen ausgemacht. Dort gebe es Nachbesserungsbedarf, sagte der Feuerwehrchef. Nähere Angaben dazu machte er nicht.

Unterstützung erhielt Lange vom Rettungsdienstexperten der CDU-Regionsfraktion, Andreas Burgwitz. Wenn die Rettungsleitstelle auch den ärztlichen Bereitschaftsdienst vermitteln würde, könnten die passenden Kräfte effizienter losschickt werden, betonte er. Dann könne sich der Notarzt auf wirklich lebensbedrohliche Fälle konzentrieren. Burgwitz fordert die rot-grüne Landesregierung daher auf, den Druck auf die KVN in dieser Sache zu erhöhen.

Wie berichtet ist es in den vergangenen Wochen immer wieder zu Engpässen in den Notaufnahmen der hannoverschen Krankenhäuser gekommen. Besonders häufig melden sich alle neurologischen Stationen bei der Rettungsleitstelle ab, aber es kommt auch vor, dass die internistischen Stationen dies tun. Aus den Notaufnahmen heißt es, dass vor allem in den Zeiten, in denen die Arztpraxen geschlossen haben, viele Patienten kämen, die eigentlich in einer Notaufnahme nichts zu suchen hätten. Diese Patienten werden dann dort auch versorgt, dies führe zu Verzögerungen für alle Patienten in den Notaufnahmen.

Service: Wichtige Telefonnummern

Von Notruf und ärztlichem Bereitschaftsdienst bis zur Pannenhilfe: Alle Servicenummern finden Sie hier.

Die KVN wies die Vorwürfe von Lange gestern zurück: Der ärztliche Bereitschaftsdienst funktioniere gut und sei ein eingespieltes System, sagte Sprecher Detlef Haffke. Deshalb sei eine Übernahme der Organisation durch die Rettungsleitstelle nicht sinnvoll. Haffke berichtete von zwei Gesprächen des Feuerwehrchefs Lange mit der KVN. Darin sei er gebeten worden, Zahlen vorzulegen, wie viele Patienten den Rettungsdienst und die Notaufnahmen in Anspruch nehmen, obwohl eigentlich eine Behandlung durch den Bereitschaftsdienst der KVN ausgereicht hätte. „Diese Zahlen hat er bis heute aber noch nicht vorgelegt“, berichtete Haffke. Das Problem sei, dass die Patienten oft nicht wüssten, an wen sie sich in welchem Fall wenden sollten. „Das müssen wir in den Griff bekommen“, sagte er.

So arbeitet der Bereitschaftsdienst

In der Landeshauptstadt betreibt die KVN einen fahrenden Notdienst: Nachts, sonnabends, sonntags und an Feiertagen sind immer zwei Ärzte in Taxis einsatzbereit. Wenn der Andrang von Patienten groß ist, wird noch ein dritter Arzt hinzugerufen. Pro Schicht und Arzt werden nach Angaben von Haffke zwischen 20 und 25 Patienten versorgt.

Auch im Umland gibt es außerhalb der Öffnungszeiten der Praxen einen Bereitschaftsdienst mit Ärzten, die in Taxen unterwegs sind. Die Ärzte werden unter der einheitlichen Nummer 11 61 17 angefordert. Die Vermittlung übernimmt die Taxizentrale.

Außerdem organisiert die KVN im Krankenhaus Siloah, im Nordstadtkrankenhaus, in den Kliniken Gehrden und Großburgwedel sowie im Kinderkrankenhaus auf der Bult Bereitschaftsdienste außerhalb der Öffnungszeiten der Arztpraxen. Im vergangenen Jahr seien alle diese Dienste ein wenig verkürzt worden, weil es zu bestimmte Zeiten an Patienten fehlte, sagt Haffke. Zum 1. Januar 2015 hatte die KVN die fachärztlichen Hintergrunddienste für Hals-Nasen-Ohrenheilkunde, Frauenheilkunde und Geburtshilfe, Chirurgie und Orthopädie sowie Nervenheilkunde und Psychiatrie wegen zu geringer Auslastung gestrichen.

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