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Aus der Stadt Wie Hannovers Uni um Sponsoren wirbt
Hannover Aus der Stadt Wie Hannovers Uni um Sponsoren wirbt
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20:45 22.11.2011
Bestes Beispiel für Privatengagement: Jörg Sennheiser (l.) hat der Uni 150 000 Euro und eine Tonanlage für den Lichthof spendiert – zur Freude von Präsident Erich Barke.
Bestes Beispiel für Privatengagement: Jörg Sennheiser (l.) hat der Uni 150 000 Euro und eine Tonanlage für den Lichthof spendiert – zur Freude von Präsident Erich Barke. Quelle: Peters
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Hannover

Wenn Uni-Präsident Erich Barke an die Kollegen der Uni Austin im fernen Texas denkt, wird er neidisch. Setzt man das Hochschulbudget mit der Zahl der Studenten in Bezug, stehen an der US-Uni umgerechnet 30 000 Euro pro angehendem Akademiker zur Verfügung. An der Leibniz-Uni, in Forschung und Lehre qualitativ mit den Texanern vergleichbar, sind es 17 000 Euro. Mit den Zahlenbeispielen will Barke deutlich machen, dass in den USA private Geldgeber weit spendabler sind als hierzulande. An der Staats-Uni in Austin kommt nur die Hälfte des Etats aus staatlichen Quellen, die andere Hälfte steuern Spender, Sponsoren und Industriepartner bei.

„Wir können nicht von heute auf morgen amerikanische Verhältnisse an deutschen Hochschulen einführen“, sagt Barke. Aber erkennbar mehr finanzielles Engagement von privater Seite wünscht er sich ausdrücklich. Neben der Wirtschaft, Mäzenen und Stiftungen hat er auch frühere Studenten der Leibniz-Uni im Blick. Zwar gibt es ein Netzwerk, in dem 2300 Alumni registriert sind, manche Absolventen stellen sich als Referenten zur Verfügung oder vermitteln Praktika – Geld fließt in der Regel aber nicht.

Ein Alumnus wie der Wedemärker Unternehmer Jörg Sennheiser, der 150 000 Euro und eine hochmoderne Tonanlage für den Uni-Lichthof gespendet hat, ist bisher die Ausnahme. „Dabei gibt es sicher noch den einen oder anderen, der zu Wohlstand gekommen ist“, meint Barke. Alumni sind etwa Ministerpräsident David McAllister, Manager Utz Claassen, 96-Trainer Mirko Slomka, Musiker Mousse T. oder die frühere Bundesbildungsministerin Edelgard Bulmahn.
Die Fördermöglichkeiten hat die Uni in einem Informationsblatt zusammengestellt, das in einer Auflage von zunächst 10 000 Exemplaren erscheint. Die Angebote für Sponsoren sind nach Schwerpunkten geordnet. Wie viel Geld die Uni in welchem Zeitraum einwerben will, lässt Barke offen: „Wir fangen jetzt erst mal an.“

  • Forschergruppen: Teams aus Nachwuchswissenschaftlern widmen sich Themen von der Energiewirtschaft bis zu sozialen Fragen. Firmen können jeden Forscher mit einem jährlichen Betrag zwischen 40 000 und 50 000 Euro bis zu vier Jahre unterstützen. Sie können bei der Aufgabenstellung mitreden und laut Barke auf diese Weise hoch qualifizierten Nachwuchs gewinnen.
  • Stiftungsprofessuren: Zwischen 200 000 und 400 000 Euro kostet eine von Sponsoren finanzierte Professur pro Jahr. Aktuell gibt es die von AWD-Gründer Carsten Maschmeyer und der Stadt Hannover geförderte, auf fünf Jahre befristete Leibniz-Professur sowie eine von der Versicherungswirtschaft finanzierte Mathematik-Juniorprofessur. Eine von der Stadt finanzierte Professur für Softwareengineering ist ausgelaufen. Im bundesweiten Vergleich rangiert die Leibniz-Uni in der Schlussgruppe, Spitzenreiter ist die Uni Frankfurt mit 48 Stiftungsprofessuren.
  • Infrastruktur: Auch für Bauprojekte will die Uni private Geldgeber anwerben. Zwei Vorhaben stehen auf der Agenda, die aus öffentlichen Kassen nicht finanzierbar sind: Eine Kita für Studenten und Uni-Mitarbeiter würde bis zu zwei Millionen Euro kosten; mit 3,5 Millionen Euro ist ein Begegnungszentrum für Wissenschaft, Wirtschaft und Gesellschaft veranschlagt.
  • Leibniz-Fonds: Mit einer Jahresspende ab 20 Euro kann jeder Hannoveraner Kultur- und Sportangebote der Uni unterstützen. Das Geld ist auch für die Modernisierung von Hörsälen gedacht.
  • Stipendien: Seit 2007 vergibt die Uni jährlich 250 Stipendien. Langfristiges Ziel ist es, mittels Spenden zehn Prozent aller 22 000 Studenten ein Stipendium zu ermöglichen. Gestern erhielten die 250 aktuellen Stipendiaten ihre Urkunden. Darunter sind 121 mit je 3600 Euro pro Jahr dotierte „Deutschlandstipendien“, deren Finanzierung sich der Bund und von der Uni angeworbene Firmen teilen. Besonders viele Stipendien fördern der TÜV Nord (15), AWD-Gründer Carsten Maschmeyer (13), die Talanx (10) und der Uni-Freundeskreis (10). 129 Stipendien von je 1000 Euro jährlich bezahlen Land und Uni. Im August hatte Barke zudem ein Uni-eigenes Programm angestoßen, an dem sich Professoren mit ihrem Privatvermögen beteiligen sollen – mit 1000 Euro pro Jahr, die der Höhe der Studiengebühren entsprechen. Von 340 Professoren habe bisher „eine zweistellige Zahl“ Interesse bekundet, sagt Barke. Es sollten „weitere Förderer aus der Stadtgesellschaft“ gewonnen werden.

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