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Aus der Stadt Wie eine Nachbarin zwei Familien den Urlaub rettete
Hannover Aus der Stadt Wie eine Nachbarin zwei Familien den Urlaub rettete
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00:15 27.06.2017
Güner Roos und ihr Sohn Renè Can haben Eimer und Wannen in den Wohnungen der Nachbarn aufgestellt.  Quelle: Stein
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Hannover

Ohne ihr Eingreifen wäre vermutlich alles noch schlimmer gekommen: Die 47-jährige Güner Roos hat während des Unwetters am Donnerstagabend in den Nachbarwohnungen Eimer aufgestellt und Handtücher ausgelegt. Die Nachbarn befanden sich schon auf dem Weg in den Türkei-Urlaub.

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Plötzlich fallen Ziegel vom Dach

Während viele Reisende wegen des Sturms nicht von der Stelle kamen, hatten die Familien Topcu und Baytürk aus Limmer ein ganz anderes Problem: Kurz bevor sie in den Urlaub aufbrechen wollten, donnerte und blitzte es in Hannover. „Ich habe aus dem Küchenfenster geschaut, plötzlich sind so viele Ziegel vom Dach gefallen - der ganze Garten war voll“, sagt Güner Roos. Da kamen auch schon aufgeregte Nachbarn der 47-Jährigen. Sie waren in Eile, mussten zum Flughafen. Noch dazu wurden sie panisch, weil das Wasser durch das beschädigte Dach regnete - und mittlerweile auch von der Decke der Wohnungen im dritten Stock tropfte.

Wind und Regen haben am Abend des 22. Juni in Hannover für Überschwemmungen und zahlreiche Schäden gesorgt. Noch in der Nacht begann das große Aufräumen.

„Ich habe sie dann beruhigt und zum Flughafen geschickt“, erzählt Roos. Die Helferin trommelte die Hausgemeinschaft zusammen, gemeinsam versorgten sie zunächst die oberen Wohnungen. Mit Eimern, Schalen, Bettdecken und Handtüchern legten sie den Boden aus - an der Decke tropfte das Wasser aus mehreren Rissen.

Auf den Dachboden trauten sich die Helfer allerdings nicht - „das war zu gefährlich“, sagt Roos. Die Nachbarn putzten das Treppenhaus, Roos‘ Neffe schaufelte zwei Stunden lang Wasser aus dem Keller. Und auch ihr 14-jähriger Sohn Renè Can half mit.

In Hannover und der Region hat das Unwetter am Abend des 22. Juni großen Schaden angerichtet. Danach war häufig Sonnenschein zu sehen.

Güner Roos rief schließlich bei der Wohnungsgenossenschaft an, dem Spar- und Bauverein. Denn die betroffenen türkischstämmigen Familien sprechen kaum Deutsch. Roos stammt selbst aus der Türkei und unterhält sich auf Türkisch mit ihnen. Gestern Morgen kamen dann die Handwerker und begannen, das Dach und den Dachboden zu reparieren.

In der Nacht kommt der Notarzt

Nachdem sie sich stundenlang um das Haus und ängstliche Nachbarskinder gekümmert hatte, merkte Güner Roos erst, wie schlecht es ihr ging. „Ich habe chronische Migräne und bräuchte eigentlich Bettruhe“, sagt sie. Noch in der Nacht kam der Notarzt und gab ihr eine Spritze gegen die Schmerzen. Am Freitag besuchte sie mit Beschwerden in Nacken, Leiste und Fuß den Orthopäden - die gesamte linke Körperhälfte ist verspannt. Zu helfen ist für sie dennoch selbstverständlich. Ebenso, dass sie die nächsten drei Wochen die betroffenen Wohnungen kontrolliert. Wenn die Familien dann aus dem Urlaub wiederkommen, ist hoffentlich schon alles repariert.

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Auf das Unwetter folgt das große Aufräumen: Nach dem heftigen Gewitter mit Sturm und Starkregen hat am Freitagmorgen das Beseitigen der Schäden begonnen. Die Feuerwehr war fast pausenlos im Einsatz.

Von Johanna Stein

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