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Aus der Stadt Wie sieht Hannovers Kultur in Zukunft aus?
Hannover Aus der Stadt Wie sieht Hannovers Kultur in Zukunft aus?
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00:34 27.02.2015
Von Ronald Meyer-Arlt
Im Bürgerdialog: Kulturdezernentin Marlis Drevermann. Quelle: Tim Schaarschmidt
Hannover

Die gute Nachricht: Wir werden immer mehr. Im Jahr 2030 wird Hannover um 20000 Einwohner reicher sein. Die mittelgute Nachricht: Wir werden jünger und älter – und das auch noch gleichzeitig: Während die Einwohner mit Migrationshintergrund dazu neigen, viele Kinder zu bekommen, halten sich die Einwohner ohne Migrationshintergrund bei der Familiengründung eher zurück. Die schlechte Nachricht: Wir wissen nicht genau, wer von den Jungen und den Alten 2030 eigentlich noch ins Theater geht. Oder in die Oper. Oder ins Museum. Und wir wissen erst recht nicht, was die dort erwarten.

Kulturdezernentin Marlis Drevermann diskutiert in der Orangerie beim Stadtdialog über lebendige Kultur.

Aber man kann ja vorsorgen. Dafür gibt es den Bürgerdialog. Marlis Drevermann, die zuständige Referentin, hatte zum Dialog über Kulturfragen eingeladen – und sie begann ihren Vortrag mit den Prognosen zur Bevölkerungsentwicklung. Weitere wichtige Rahmendaten, die dabei helfen sollten, die Zukunft der Kultur und die Kultur der Zukunft zu diskutieren: 27,8 Prozent der Bewohner Hannovers haben einen Zuwanderungshintergrund, Tendenz steigend. Die Hälfte der Bewohner besucht überhaupt keine Kultureinrichtungen. Und: drei Prozent der finanziellen Aufwendungen der Stadt gehen in die Kultur.

Der Ort für das Stadtgespräch zum Thema Kultur war gut gewählt: die Orangerie Herrenhausen, ein wichtiger Spielort der Kunstfestspiele und des Festivals Tanztheater International. Es ist ein Ort der städtischen Hochkultur – das zeigen auch die Getränkepreise im Bistrocontainer im Foyer: Sechs Euro kostet hier das Glas Wein. Nebenan wird dann über Teilhabe an Kultur diskutiert.

Dort, wo sonst die Bühne ist, sind nun Tische aufgebaut. Auf einigen von ihnen steht „No Education!“, auf anderen „Kultur für alle?!“ und: „Welche Kultur braucht Hannover?“. Auf weißen Plastiktischdecken liegen Eddingstifte: Das Publikum war aufgefordert, seine Ansichten zu den Themen auf die Tische zu schreiben. Oder zu malen. Oder zu kritzeln. Es hatte etwas Bemühtes, etwas von Kirchentag und Konfirmandenfahrt, aber vielleicht muss das so sein, wenn man miteinander ins Gespräch kommen will. Tische mit der Aufschrift „Hochkultur“ gab es übrigens ebensowenig wie Tische mit der Aufschrift „Avantgarde“ oder auch nur „Kunst“. Es scheint, als wären solche Begriffe aus der Mode gekommen. Oder als hätte man in Hannover keinen Bezug (mehr) dazu. Aber „No Education“!

Was diese etwas vorlaute Ablehnung von Bildung und Erziehung zu bedeuten hat, erklärten zwei Vertreter der Ruhr Triennale. Cathrin Rose ist bei dem Festival für Vermittlungsarbeit zuständig. Sie stellte das Konzept „Teilhabe zu den Bedingungen der jungen Leute“ vor. „Come as you are“ ruft man dort den Kindern und Jugendlichen zu. Bildung und Erziehung ist nicht das Hauptanliegen von Kultur, sondern eine – durchaus gern gesehene - „Nebenwirkung“. Man breitet den Jugendlichen den roten Teppich aus und lässt sie in der ersten Reihe sitzen. Pascal Ulrich, ein 15-Jähriger, der an dem Programm teilgenommen hatte, erzählt, wie das so ist, wenn man in einer Kinderjury mitarbeitet.

Ein 15-Jähriger, der Hannovers Kulturexperten die Kultur erklärt – das zeigt, wie sehr es den Veranstaltern um Vermittlung geht, und wie wenig um Kunst. Interessanterweise fiel bei der ganzen Veranstaltung nicht ein einziger Name eines Musikers, eines Malers, eines Schriftstellers oder eines Theatermachers aus Hannover. Die städtische Künstlerszene spielte beim Nachdenken über Hannovers Kultur im Jahr 2030 anscheinend keine Rolle. Aber warum auch? Die Kunst spielte ja auch keine Rolle. Es geht hier vor allem um das Publikum. Um Teilhabe. Um das Miteinander. Kunst gilt hier nur noch als Sozialkitt.

Es ist ja auch kaum zu sagen, welche Kunst man denn will. Marlis Drevermann sagte bei der Vorstellung ihrer kulturpolitischen Orientierungen: „Wir wollen Bewährtes unterstützen, aber auch die Innovation. Wir fördern die Breite und die Spitze.“ Und Gunter Dunkel, der Vorstandsvorsitzende der NordLB, der hier in der Abteilung „Welche Kultur braucht Hannover?“ referierte, meinte: „Wir brauchen eine Kultur der Gleichzeitigkeit. Sie soll gleichzeitig unterhaltsam und herausfordernd, ernst und leicht, national und europäisch sein.“ Gleichzeitig Mainstream und Extravaganz – so geht alles und niemand beschwert sich.

Christoph Sure, der Geschäftsführer des Pavillons, der zusammen mit Dunkel am hannoverschen Kulturtisch diskutierte, lobte die Stadtkulturgesellschaft. „Wir sind in Hannover gut aufgestellt, was die Teilhabe und die Integration von Migranten angeht“, sagte er. Hannover verfüge über ein großes, funktionierendes Netzwerk aller Kulturschaffenden und: „Es macht Spaß, in dieser Stadt zu arbeiten“. Applaus!

Aber erstmal wurde an den Diskussionstischen gearbeitet. Eine Stunde lang wurden Anregungen gesammelt. Die Tischdecken wandelten sich zu Wunschlisten. Einige der Wünsche trugen die Tischvertreter am Ende vor: Die Stadt solle sich um bessere Auftrittsmöglichkeiten für Künstler kümmern, Kultureinrichtungen sollten sich noch weiter öffnen, Museen sollten kein Eintrittsgeld mehr verlangen, Breiten- und Spitzenkultur sollten einander begegnen und die Schulen sollten sich stärker um Kulturvermittlung bemühen. Es sollte überhaupt mehr Miteinander geben und weniger „autoritäre Kommunikation“. Einer meinte auch, die Stadt brauche unbedingt mehr Kultur. Und ein anderer wünschte sich das „Expo-Feeling“ zurück.

Der Dialog soll fortgesetzt werden. Im Internet, wo es unter meinhannover2030.de auch eine Dokumentation der Veranstaltung geben wird, und am Montag, 16. März um 19 Uhr bei der Veranstaltung „Wie schaffen wir gute Bildung?“

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