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Aus der Stadt Wieder Alltag für den Wulff-Richter
Hannover Aus der Stadt Wieder Alltag für den Wulff-Richter
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00:16 18.11.2013
Von Michael Zgoll
Foto: Ein junger Mann überfällt seine Mutter: Auch darüber muss Frank Rosenow richten.
Ein junger Mann überfällt seine Mutter: Auch darüber muss Frank Rosenow richten. Quelle: dpa
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Hannover

Richter Frank Rosenow ist zu jedermann freundlich. Am Donnerstag zum Bundespräsidenten a. D., Christian Wulff, angeklagt wegen Vorteilsannahme. Und am Freitag zu Henry S. Der 25-Jährige muss sich vor der 2. Großen Strafkammer am Landgericht Hannover verantworten, weil er seine Mutter beraubt und einige Kirchröder Bürger mit einer Waffe bedroht haben soll. Über Mangel an Abwechslung kann Rosenow nicht klagen.

Auch die Kulisse im Zuschauerraum könnte von einem Wochentag auf den anderen kaum unterschiedlicher ausfallen. Am Donnerstag noch quetschten sich mehr als hundert Journalisten und Zuhörer aufs Gestühl im Schwurgerichtssaal. Am Freitag, im Saal 1 H 1, sind es – drei. Am Donnerstag richtete halb Deutschland sein Augenmerk auf den gefallenen Politstar Wulff und all die bedeutsamen Verfahrensbeteiligten um ihn herum. Am Freitag hält eine Mutter ihrem psychisch angeschlagenen Sohn die Stange. Aus der Ruhe kann den erfahrenen Strafrichter Rosenow keines der beiden Szenarien bringen.

Vor dem Landgericht Hannover beginnt der Prozess gegen den früheren Bundespräsidenten Christian Wulff.

Schneller erzählt aber ist das Drama, das sich vor einem Jahr am Großen Hillen abspielt. Eine Mutter besucht ihren Sohn, der laut Anklageschrift unter paranoider Schizophrenie leidet und aufgrund einer Hirnschädigung in seiner Intelligenz gemindert ist. Die 55-Jährige verlässt die Wohnung ihres Sprösslings, will für ihn einkaufen gehen. Doch er folgt seiner Mutter, fällt über sie her. „Gib mir Geld“, schreit er, umklammert und schüttelt sie, würgt sie gar mit dem Tragegurt ihrer Handtasche. Die Frührentnerin ruft um Hilfe, ein Zeuge greift ein, der tobende Sohn lässt los. Doch beruhigt hat er sich noch nicht, rennt in seine Wohnung, kommt zurück und fuchtelt mit einer Waffe herum. Es ist, wie sich später herausstellt, eine Gaspistole. Er zielt auf die Passanten, die sich ob des Tumults versammelt haben. Doch dann ist auch schon die Polizei zur Stelle, nimmt den jungen Mann fest. Die Mutter ist völlig aufgelöst, doch ernsthaft verletzt wird niemand.

Angeklagt ist Henry S. nun wegen versuchten Raubes, Körperverletzung, Verstoßes gegen das Waffengesetz. Doch wie gefährlich ist er wirklich? Ein Zeuge, Inhaber eines griechischen Feinkostgeschäfts aus der Nachbarschaft, kennt den 25-Jährigen schon länger. Man habe sich häufig gegrüßt, meist habe S. ganz normal gewirkt. Gelegentlich aber habe ihm der Nachbar ein wenig Angst eingejagt. Etwa wenn dieser auf der Straße Selbstgespräche geführt oder laut aufgeschrien habe.

In ihren Plädoyers sind sich Staatsanwältin und Verteidigerin prinzipiell einig. Henry S. sollte in einem psychiatrischen Krankenhaus untergebracht werden – auf Bewährung. In der Praxis würde das bedeuten, dass der Angeklagte weiter in einer offenen psychiatrischen Einrichtung, einem Heim oder einer Wohnung leben darf. Er stünde allerdings unter permanenter ärztlicher Aufsicht.

Das Urteil in diesem Sicherungsverfahren wird die Kammer von Frank Rosenow am nächsten Freitag fällen. Der Urteilsspruch gegen den früheren Minister- und Bundespräsidenten wird wohl noch bis April 2014 auf sich warten lassen.

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