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Aus der Stadt Wieder deutlich mehr Unfälle mit Kindern
Hannover Aus der Stadt Wieder deutlich mehr Unfälle mit Kindern
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23:18 09.03.2010
Von Vivien-Marie Drews
2009 wurden 484 Kinder im Alter bis zu 14 Jahren verletzt, als sie zu Fuß, mit dem Fahrrad oder als Beifahrer im Auto auf den Straßen in Stadt und Umland unterwegs waren.
2009 wurden 484 Kinder im Alter bis zu 14 Jahren verletzt, als sie zu Fuß, mit dem Fahrrad oder als Beifahrer im Auto auf den Straßen in Stadt und Umland unterwegs waren. Quelle: Elsner
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Polizeidirektor Knut Lindenau sagte am Dienstag bei der Präsentation der Verkehrsunfallstatistik 2009: „Das sind im Vergleich zum Vorjahr 30 Fälle mehr.“ Ein fünfjähriges Mädchen kam ums Leben – als Insasse eines Autos bei einem verheerenden Unfall nahe Wunstorf.

Bereits im Jahr 2008 war der „Kinderunfallatlas“ der Bundesanstalt für Straßenwesen zu dem Schluss gekommen, dass das Risiko für Kinder, Opfer eines Verkehrsunfalls zu werden, in Hannover besonders hoch sei – obwohl die Fallzahlen seit 2005 stetig gesunken waren. Nun stieg der Wert auch im Stadtgebiet deutlich an. Hier verunglückten im vergangenen Jahr 231 Kinder, im Vorjahr waren es 197 gewesen. In 149 dieser Fälle waren die jungen Verkehrsteilnehmer selbst Unfallverursacher, in 88 Fällen als Fahrradfahrer.

„Wir werden die Zahlen in den kommenden Wochen genau analysieren und über Maßnahmen nachdenken“, sagte Polizeidirektor Lindenau, betonte aber, dass auch Eltern, Kindergärten und Schulen in der Verantwortung seien. Unter anderem soll genauer untersucht werden, in welcher Form die Kinder am Straßenverkehr teilnahmen, als sie verunglückten und ob es bestimmte Unfallschwerpunkte gibt. Nach der Veröffentlichung des „Kinderunfallatlas“ im Jahr 2008 hatte die Stadt ein Ingenieurbüro mit einer detaillierten Analyse beauftragt. Sie ergab, dass sich die Unfälle mit Kindern in der Regel nicht auf dem Schulweg ereignen, sondern vor allem nachmittags, wenn die Kinder auf Fahrrädern unterwegs sind.

Im Dezember hatte der Rat der Stadt beschlossen, in den kommenden zwei Jahren 250 000 Euro für die Sicherheit von Kindern im Straßenverkehr ausgeben zu wollen. Das Geld soll unter anderem in Präventionsarbeit und den Umbau von Straßen investiert werden. Fest geplant ist außerdem eine „Woche der Verkehrssicherheit“ – eine große Präventionsaktion für Kinder, die erstmals im Frühjahr 2011 veranstaltet werden soll. Im gleichen Jahr sollen etwa zehn bis 20 mobile Stelen in der City aufgestellt werden. Sie sollen – ähnlich wie die weißen Kreuze entlang der A 2 – die Verkehrsteilnehmer an die Kinderunfälle erinnern und zur Vorsicht mahnen. Für Ratsmitglied Wilfried Engelke (FDP) kommen diese Maßnahmen viel zu spät. „Wir müssen sofort anfangen. Das Argument, dass dafür das Geld fehlt, kann in diesem Fall nicht zählen“, sagt Engelke. Stadtsprecher Dennis Dix sagte gestern, die Stadtverwaltung plane nicht, Änderungen an ihrem derzeitigen Konzept vorzunehmen. Auch die Präventionswoche soll weiterhin erst im Frühjahr 2011 stattfinden. Hintergrund seien neben dem finanziellen Aspekt vor allem organisatorische Gründe.

Insgesamt stieg die Zahl der Verkehrsunfälle in der Region Hannover im vergangenen Jahr um 467 auf 31 532. 633 Personen wurden schwer verletzt, 48 Verkehrsteilnehmer starben. Damit erreicht die Zahl der Verkehrstoten einen historischen Tiefstand.