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Aus der Stadt Wird die Messestadt zur Leibniz-Stadt?
Hannover Aus der Stadt Wird die Messestadt zur Leibniz-Stadt?
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20:58 02.07.2013
Von Kristian Teetz
Will der Stadt den Leibnizstempel aufdrücken: Stiftungsprofessor Wenchao Li. Quelle: Surrey
Hannover

Früher war weniger Leibniz. Vor zehn Jahren noch erinnerte in Hannover relativ wenig an den großen Philosophen. Neben der 1966 gegründeten Gottfried-Wilhelm-Leibniz-Gesellschaft, dem Leibnizhaus am Holzmarkt und dem Leibniztempel im Georgengarten fand sich nicht viel, das den Namen des Universalgelehrten trug. Seit 2005 aber haben sich nach und nach wichtige Institutionen umbenannt. Nun erinnern die Gottfried-Wilhelm-Leibniz-Bibliothek (umbenannt 2005), die Leibniz Universität (seit 2006), das bronzene Leibniz-Denkmal an der Georgstraße (seit 2008) sowie die Leibniz-Stiftungsprofessor (seit 2010) an den Gelehrten, dessen 367. Geburtstag am Montagabend mit einem Festakt gefeiert wurde.

Eben dieser Stiftungsprofessor Wenchao Li setzt sich für noch mehr Anerkennung des Denkers ein. Er möchte mit sympathischer Verve der gesamten Stadt den Leibnizstempel aufdrücken. „Ob die Stadt, in der Leibniz 40 Jahre lang gelebt und gewirkt hat, sich eines Tages offiziell die Leibniz-Stadt nennen wird, wie etwa Frankfurt die Goethe-Stadt heißt oder wie die Stadt Weimar mit ihrer Stiftung für die deutsche Klassik schlechthin steht?“ Diese Frage, sagte Li, habe er bereits vor drei Jahren öffentlich gestellt, und er möchte sie weiterhin im Raum stehen lassen.

Die anwesenden Redner - Uni-Präsident Erich Barke, Rolf Wernstedt als Vorsitzender der Leibniz-Gesellschaft und der stellvertretende Direktor der Leibniz-Bibliothek, Reinhard Laube - werden nichts gegen diesen Vorschlag einzuwenden haben. Barke betonte, dass Gedanken aus dem 17. und 18. Jahrhundert nicht zwangsläufig veraltet sein müssen. „Wir sind überzeugt, dass wir uns in der Gegenwart wie in der Zukunft an Leibnizens Gedankenreichtum orientieren können.“ Zwei Schüler der Herschelschule zeigten denn auch, dass die Ideen des Universalgenies von jungen Menschen verstanden werden können. Kevin Ollmann und Maximilian Ulmann befassten sich in ihrem zehnminütigen Vortrag mit der Monadenlehre, diesem Kernstück von Leibniz’ Philosophie. Rolf Wernstedt wiederum schlug in seinem engagierten Grußwort den Bogen zur Tagespolitik. „Ich sehe mit einigem Staunen, dass die Editoren des Leibniz-Nachlasses seit Jahrzehnten darum kämpfen, die Gelder für eine angemessene Gesamtedition zu sichern, während in diesen Wochen bekannt geworden ist, dass innerhalb von zehn Jahren eine halbe Milliarde Forschungs- und Entwicklungsgelder für ein Drohnenprojekt versenkt worden sind.“

Höhepunkt des Abends aber war der Festvortrag des Berliner Philosophen Volker Gerhardt. Er sprach über die „Öffentlichkeit von Wissenschaft“. Er betonte, dass Leibniz nicht nur ein Vorreiter der öffentlichen Organisation von Wissenschaft war, sondern dass er das Prinzip der Öffentlichkeit bis in seine Metaphysik hineintrug. Öffentlichkeit und Privatheit hängen demnach eng miteinander zusammen. „Wir erkennen nicht, um etwas für uns zu behalten“, sagte Gerhardt, „sondern wir wissen, um im Erkannten etwas von uns selber preiszugeben.“ Und sei es das Bekenntnis zu Leibniz.

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