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Aus der Stadt Wirte vom Steintor sind besorgt über Hanebuths Rückzug
Hannover Aus der Stadt Wirte vom Steintor sind besorgt über Hanebuths Rückzug
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21:16 14.11.2011
Die Steintor-Wirte Ferdi Simsek, Lucia Voigt, Peter Friedrich und Werner Schenk machen sich Sorgen um die Zukunft der Party-Meile.
Die Steintor-Wirte Ferdi Simsek, Lucia Voigt, Peter Friedrich und Werner Schenk machen sich Sorgen um die Zukunft der Party-Meile. Quelle: Surrey
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Frank Hanebuth, Chef der hannoverschen Hells Angels und bislang mächtigster Mann am Steintor, zieht sich aus dem Rotlichtviertel zurück. In einer überraschenden Erklärung, die von seinem Rechtsanwalt Götz von Fromberg verschickt wurde, teilte er mit, er werde ab sofort seine „Tätigkeit als Sicherheitskoordinator“ dort beenden und die Mitarbeiter seiner Sicherheitsfirma Bodyguard Security abziehen. Damit reagierte er auf den seit Monaten anhaltenden Druck, der seitens der Polizei auf ihn und seine Rocker ausgeübt wurde. „Wenn das gesamte Steintorviertel kriminalisiert werden soll und ich nun der Stein des Anstoßes bin, lässt mein Verantwortungsbewusstsein es nicht zu, dass alle Gastwirte und Geschäftsinhaber dadurch beschädigt werden“, erklärte Hanebuth.

Es ist ein Rückzug auf Raten, den der Rocker-Chef angetreten hat. In den vergangenen Monaten hatte er, eigenen Angaben zufolge, bereits seine Beteiligungen an den Musikklubs, am Havanna und an der Sansibar, verkauft. Vollständig wird sich der 47-Jährige jedoch nicht aus dem Milieu zurückziehen. Seine beiden Steintor-Bordelle will Hanebuth weiterhin betreiben.

Die Polizei, die seit Langem kritisiert, dass der Sicherheitsdienst am Steintor sich dort regelmäßig als Ordnungsmacht aufspielt und damit seine Kompetenzen überschreitet, begrüßte die Ankündigung des Höllenengels. Thomas Rochell, der neue Vizepräsident der Polizeidirektion, kündigte an, so schnell wie möglich mit den Wirten der Steintor-Klubs ins Gespräch kommen zu wollen. Ziel sei es, „dass alle wesentlichen Informationen bei uns landen, gebündelt und bewertet werden“, teilte er mit. Uwe Kolmey, der Chef des Landeskriminalamtes, zeigte sich dagegen skeptischer: „Bei der Verlautbarung handelt es sich erst einmal um eine Ankündigung. Interessant wird sein, welche Veränderungen tatsächlich geschehen.“

Sichtbar wird Hanebuths Schritt für die Besucher des Steintors vor allem an den geänderten Uniformen der Türsteher. Die Jacken mit der Aufschrift Bodyguard Security werden durch neutrale ersetzt. Die Personen, die vor den Türen die Einlasskontrollen machen, bleiben wohl dieselben. „Es sind nur vier Mitarbeiter von unserer Firma am Steintor tätig gewesen. Alle anderen Türsteher sind direkt bei den Klubs angestellt“, so die Darstellung von Frank Hanebuth.

Dennoch zeigten sich die Steintor-Wirte besorgt wegen der Nachricht vom Rückzug des Rockers. „Er wird hier fehlen, denn allein seine Präsenz hat uns allen hier Sicherheit gegeben“, sagte Peter Friedrich vom Eve-Klub. „Ich werde ihn auf jeden Fall weiter als Berater behalten“, erklärte Sansibar-Chefin Lucia Voigt. Noch völlig unklar ist, ob die Wirtegemeinschaft künftig in der Lage sein wird, die großen Feste wie die Harley Days oder das Steintorfest auszurichten. „Für die Security-Leute, die für Partys dieser Größenordnung notwendig sind, haben wir bei Frank bislang nur einen Kulanzpreis bezahlt, alleine hätten wir das gar nicht hin bekommen“, sagte Werner Schenk von der Intensivstation.

Werner Rieb, der fünf Jahre lang den Bayern Stadl geleitet und sich vor Kurzem aus dem Viertel zurückgezogen hat, befürchtet das Schlimmste: „Ich glaube, dass jetzt der Kampf um das Steintor wieder aufflammen wird, so wie es vor etwa 15 Jahren schon einmal gewesen ist.“

Tobias Morchner