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Aus der Stadt Wirtschaft in der Region setzt Talfahrt fort
Hannover Aus der Stadt Wirtschaft in der Region setzt Talfahrt fort
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20:26 24.10.2012
Von Lars Ruzic
Alle Wirtschaftsindikatoren in der Region Hannover haben sich im HAZ-Hannover-Trend verschlechtert.
Alle Wirtschaftsindikatoren in der Region Hannover haben sich im HAZ-Hannover-Trend verschlechtert. Quelle: dpa (Symbolfoto)
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Hannover

Die regionalen Wirtschaftsexperten sehen einhellig eine Abkühlung der Geschäfte. Creditreform-Chef Holger Bissel spricht von einer „zunehmenden Eintrübung der Lage“, IHK-Hauptgeschäftsführer Horst Schrage von einer „Wachstumspause“.

Eine verschlechterte Auftragslage in der exportabhängigen Industrie sowie eine wieder stärkere Zurückhaltung im Konsum haben für eine schlechtere Stimmung in den Unternehmen gesorgt. Allein das Baugewerbe, das von den vielen Baustellen in der Stadt profitiert, und die weniger konjunkturabhängige Gesundheitswirtschaft berichten von besseren Geschäften. Insgesamt fiel der Konjunkturklimaindex der IHK um fünf auf 106 Punkte, er liegt damit aber noch zwei Punkte über dem Wert für Niedersachsen insgesamt. „Nach dem Boom stellen sich die Unternehmen auf stagnierende Geschäfte ein“, umschreibt es Schrage.

Dabei zeichnet sich auch ein Ende der Jubelstimmung auf dem Jobmarkt ab: In vielen Branchen hat die IHK in ihrer Konjunkturumfrage erstmals mehr Unternehmen registriert, die ihre Beschäftigtenzahl reduzieren wollen, als solche, die neue Jobs schaffen werden.

In der Industrie etwa rechnen nun 23 Prozent der Befragten mit sinkenden Beschäftigtenzahlen, nur 16 Prozent mit steigenden. Noch im zweiten Quartal war das Verhältnis fast genau umgekehrt. Besonders drastisch äußert sich Hannovers Kreditwirtschaft: Keine Bank will Jobs schaffen, fast jede dritte jedoch streichen. Schon im dritten Quartal ist die Herbstbelebung auf dem Jobmarkt ausgeblieben. Mit 8060 offenen Stellen wurden der Arbeitsagentur fast 14 Prozent weniger gemeldet als im Vorjahreszeitraum.

Auch die Substanz der Unternehmen leidet. Der Bonitätsindex von Creditreform liegt mit rund 258 Punkten so schlecht wie noch nie seit dem Start des HAZ-Trends vor fünf Jahren. Der Index bildet den Mittelwert aller rund 40.000 Bonitätsnoten, die Creditreform unter den Firmen der Region vergibt. Die 100 bezeichnet dabei beste Zahlungsfähigkeit, die 600 die Insolvenz. Bissel hat bereits erste Veränderungen im Zahlungs- und Mahnverhalten der Firmen ausgemacht. Im kommenden Jahr könnte es für die Insolvenzverwalter der Region wieder mehr zu tun geben, unkt der Creditreform-Chef.

Diese Berufsgruppe war in den letzten Monaten und Jahren in Hannover ohnehin eher unterbeschäftigt. Auch im dritten Quartal blieb die Zahl der Insolvenzen auf einem niedrigen Niveau. Kräftig gefallen ist dagegen die Zahl der Firmengründungen – sowohl im Vergleich zum Vorjahreszeitraum als auch zum Vorquartal. „Hier hat die Dynamik deutlich nachgelassen“, berichtet Bissel. Angesichts wenig euphorischer Zukunftsaussichten warteten Gründer derzeit eher ab.

Conrad von Meding 27.10.2012
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