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Aus der Stadt "Flüchtlinge können dramatisches Problem lösen"
Hannover Aus der Stadt "Flüchtlinge können dramatisches Problem lösen"
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00:16 06.11.2015
Von Conrad von Meding
Wie diskutieren Unternehmer über Flüchtlinge in Hannover? Beim Wirtschaftsverein PRH schilderte Vereinschef Markus Böger die Spannweite "von euphorisch bis skeptisch". Quelle: Schaarschmidt
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Hannover

Deutschlands Wirtschaft habe bis Jahresbeginn vor einem „dramatischen Demographie- und Fachkräfteproblem in der Regional- und Volkswirtschaft“ gestanden – der Flüchtlingsstrom biete eine Chance, diese zu lösen sagte Prof. Günter Hirth von der Industrie- und Handelskammer (IHK). Ob die Flüchtlinge, nach unseren Maßstäben vielfach mäßig ausgebildet, zur Lösung beitrügen, hänge „erheblich davon ab, wie stark wir jetzt in ihre Ausbildung investieren“.

Ebenso wie andere Redner warnte er vor „Schönrednerei – wir müssen die Ärmel hochkrempeln, und es wird anstrengend“. Niemand habe sich einen derart starken Zustrom gewünscht. In den vergangenen 25 Jahren aber habe es „keine Situation gegeben, in der der Staat es vom Budget her so gut bewältigen könnte wie heute“.

Auch Andrea Wassmann von der Agentur für Arbeit warnte vor Vereinfachungen. „Stellen Sie sich vor, Sie kämen morgen nach Japan. Was meinen Sie, wie lange Sie brauchen, bis Sie die Sprache verstehen und die fremden Schriftzeichen lesen können?“ Sprachverständnis sei der Schlüssel zum Arbeitsmarkt – aber nicht nur das. „60 Prozent der männlichen Flüchtlinge wollen Kfz-Mechaniker werden. Sie denken, da wechselt man Reifen in einer Werkstatt. Aber es geht hier um computergestützte Fahrzeugdiagnostik“, sagte Wassmann. Und in der Altenpflege geht es darum, beide Geschlechter zu pflegen – das sei in manchen Kulturregionen undenkbar. Trotzdem gebe es gute Beispiele. Sie rief dazu auf, Praktikumsplätze anzubieten.

HAZ-Chefredakteur Hendrik Brandt erläuterte, wie das Flüchtlingsthema die Medien beschäftigt. Er berichtete etwa von zahlreichen Hass-Beiträgen, die Nutzer der digitalen Kanäle der HAZ täglich hinterlassen. Umso wichtiger seien die vielfältigen Hilfsaktionen in der Region. Die HAZ hat mit ihrem Internetangebot auf haz.li/hannoverhilft erstmals ein Forum geschaffen, in dem Freiwillige ihr Können und Wissen genauso einbringen können wie Geld- und Sachspenden. Insgesamt aber habe eine Tageszeitung stets das ganze Bild zu zeigen – dazu gehöre schonungslose Ehrlichkeit bei der Darstellung von Problemen mit Flüchtlingen ebenso wie die Berichterstattung über das Engagement der Menschen, die freiwillig und unermüdlich helfen.