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Aus der Stadt Wladimir Putin: "Man sollte mit Frauen sanfter umgehen"
Hannover Aus der Stadt Wladimir Putin: "Man sollte mit Frauen sanfter umgehen"
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16:15 08.04.2013
Nackter Protest auf der Hannover Messe: "Femen"-Aktivistinnen demonstrieren gegen Wladimir Putin. Quelle: Emine Akbaba
Hannover

Als Wladimir Putin und Bundeskanzlerin Angela Merkel beim Rundgang am Montagmorgen den VW-Stand besuchten, stürmten fünf Frauen der Feministinnengruppe "Femen" barbusig auf die Bühne und beschimpften den russischen Präsidenten als Diktator. Die Frauen wurden von Leibwächtern gestoppt, bevor sie Putin erreicht hatten. Sicherheitskräfte führten sie nach einer kurzen Rangelei aus der Halle.

Nach HAZ-Informationen handelt es sich bei den Aktivistinnen um zwei Deutsche, eine Russin und zwei Frauen aus der Ukraine im Alter von 18 bis 33 Jahren. Sie seien von Polizisten in Gewahrsam genommen und anschließend befragt worden, sagte eine Polizeisprecher. Gegen sie werde nach Paragraf 103 des Strafgesetzbuches wegen Beleidigung von Organen und Vertretern ausländischer Staaten ermittelt. Dabei handele es sich um ein sogenanntes Antragsdelikt: Die Justiz verfolgt die Ermittlungen nur dann weiter, wenn der Beleidigte dies wünscht. Ob dies bei Putin der Fall ist, konnte die Staatsanwaltschaft Hannover noch nicht sagen.

Femen ist eine in der Ukraine gegründete feministische Gruppe, die durch provokante Aktionen auf sich aufmerksam macht. In Russland hatte die Gruppe in der Vergangenheit bereits mehrfach gegen Putin und dessen Politik protestiert. Ein Sprecher des russischen Präsidialamtes bezeichnete die Aktion als Rowdytum, die Verantwortlichen müssten bestraft werden.

Putin selbst reagierte gelassen auf den Vorfall und setzte den Rundgang mit Merkel fort. Ihm habe die Aktion gefallen, sagte er bei einer gemeinsamen Pressekonferenz. "Ohne eine solche Aktion würde man weniger über eine solche Messe sprechen als mit einer solchen Aktion", erklärte er. "Ich sehe darin nichts Schreckliches." Wenn sich jemand politisch äußern wolle, sollte er das aber angekleidet tun, fügte Putin hinzu. Den Sicherheitskräften, die die Aktivistinnen am Montag wenig zimperlich zu Boden rangen, gab er den Ratschlag, dass nächste Mal nicht ganz so hart zu arbeiten: "Das war nicht richtig, weil man mit Frauen ein bisschen sanfter umgehen sollte."

Merkel verhielt sich diplomatisch: Sie verwies zwar auf die Demonstrationsfreiheit, kritisierte aber die Protestform. "Ob man in Deutschland zu einer solchen Notmaßnahme greifen muss und nicht anderweitig auch seine Meinung sagen kann, da habe ich meine Zweifel", sagte sie. "Es gibt auch hier rechtliche Bestimmungen. Das wird jetzt überprüft werden."

Bereits am Sonntag hatte es vor dem HCC in Hannover Proteste gegen das russische Vorgehen etwa gegen Nichtregierungsorganisationen gegeben. Mehrere Hundert Menschen kritisierten die Politik des russischen Präsidenten. Auch Merkel schlug in ihrer Rede zur Messeeröffnung kritische Töne an und bekam dafür Lob von Menschenrechtlern.

Russlands Präsident Wladimir Putin eröffnet mit Bundeskanzlerin Angela Merkel die Hannover-Messe.

Der Direktor der Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch Deutschland, Wenzel Michalski, sagte im Deutschlandradio Kultur, Merkel könne "nach unserem Geschmack noch kräftiger sprechen, aber es ist doch immerhin ein Anfang". Er hoffe, "dass sich auch andere europäische Staatschefs da eine Scheibe abschneiden". Bislang stehe Merkel in Europa "relativ auf einsamer Flur". Auch in Deutschland stehe die Kanzlerin ziemlich allein da, sagte Michalski. Er warf insbesondere dem SPD-Kanzlerkandidaten Peer Steinbrück vor, sich nicht deutlich genug zu äußern.

frs/dl/dapd/dpa

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