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Aus der Stadt Preiswert bauen? Geht also doch!
Hannover Aus der Stadt Preiswert bauen? Geht also doch!
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00:26 07.11.2015
Von Conrad von Meding
Klare Formen mit Klinkeroptik: Am Weidendamm (rechts im Bild) findet das gewundene Wohngebäude der GBH jetzt seinen Abschluss mit dem Neubau von 111 Apartments und einem Traumazentrum. Quelle: Michael Thomas/Repro
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Hannover

Landauf, landab behaupten die Wohnungsbaufirmen, wegen der hohen technischen und ökologischen Anforderungen sei es nicht möglich, Wohnungen ohne Förderung für weniger als 12 Euro Kaltmiete pro Quadratmeter zu bauen. Tatsächlich liegen die Neubaumieten inzwischen häufig bei 14,50 Euro. Die städtische GBH tritt jetzt den Gegenbeweis an. Ausgerechnet sogenannte Mikrowohnungen, also Miniapartments, bei denen im Verhältnis zum Gesamtraum besonders viele Bäder gefliest und Küchenanschlüsse vorgesehen werden müssen, will sie als preiswerten Wohnraum in Innenstadtnähe neu errichten. „Wir bleiben unter 10 Euro Kaltmiete pro Quadratmeter“, verspricht Geschäftsführer Karsten Klaus. Und das trotz Passivhausstandard, der zwar die späteren Nebenkosten senkt, aber die Baukosten hebt.

Wie schafft die Gesellschaft für Bauen und Wohnen (GBH) das? Nicht alle Gründe, die Geschäftsführer Klaus nennt, können von anderen Firmen kopiert werden. Vor allem die starke Ausnutzung des Grundstücks an der Kopernikusstraße lässt sich kaum übertragen. Die GBH kann fast das gesamte Grundstück bebauen, weil sie Eigentümerin der Nachbargrundstücke ist und kaum Abstand halten muss. Andere Gründe allerdings lassen sich durchaus kopieren:

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Architektenwettbewerb: Die GBH hat fünf Architekturbüros in eine Konkurrenz geschickt. Gesucht wurde die sinnvollste Gebäudenutzung. „Es war ausdrücklich Auftrag, die Kosten sehr stark zu minimieren“, sagt Klaus. Der Siegerentwurf hat 111 bis zu 30 Quadratmeter große Apartments auf dem Eckgrundstück zum Weidendamm untergebracht - Spitzenausnutzung.

Kein unnötiger Luxus: Oft sind es kleine Spielereien, die das Bauen verteuern. „Das ist hier ausdrücklich nicht erwünscht gewesen“, sagt Klaus. Auf Keller etwa wurde verzichtet, stattdessen haben die Apartments Abstellräume. Statt teurer Küchen gibt es Pantrylösungen. Geht auch.

Raumplanung: „Das Verhältnis von vermietbarer Fläche zur Nutzfläche ist sehr gut“, sagt Klaus. Grundrisse sind standardisiert, Platz wird kaum verschwendet.

Den Wettbewerb gewonnen haben Wolfgang Schneider und Prof. Wilhelm Meyer (Büro ASP, Hannover). Auf den Plätzen landeten Kiefer und Kiefer (Sarstedt) und Ahrens Grabenhorst (Hannover). Sieger ASP erhielt ein Lob von Baurat Uwe Bodemann für den „intelligent gelösten Anschluss an die Wohnschlange“. Gemeint ist der lang geschwungene rote Backsteinbau, den die GBH Ende der Neunziger an den nördlichen Weidendamm gebaut hat und der nun endlich den architektonischen Abschluss findet.

Der sechsgeschossige Neubau kostet rund 9 Millionen Euro und soll 2017 fertig sein. Im Erdgeschoss findet das Traumazentrum der AWO Platz, das rückwärtig weit ins Grundstück ragt. Darüber liegen die bis zu 30 Quadratmeter großen Apartments. Sie können von Studenten genutzt werden, aber auch etwa von Senioren oder aber von Uni-Beschäftigten, die nur unter der Woche in Hannover sind. „An diesem Format gibt es großen Bedarf“, sagt Klaus.

Bodemann ließ nicht unerwähnt, dass sich das Gesamtquartier gut entwickelt. Fertig sind die Feuerwache gegenüber und ein privates Studentenwohnheim, es wächst die Kollektivwerkstatt Der Hafven, und am Hauptgüterbahnhof geht es voran. Die aktuellen Planerentwürfe sind bis 19. November in der Bauverwaltung neben dem Rathaus ausgestellt.

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