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Aus der Stadt Diskussion um religiöse Vielfalt
Hannover Aus der Stadt Diskussion um religiöse Vielfalt
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00:16 16.09.2017
Von Simon Benne
Theologe Wolfgang Huber in der Neustädter Kirche.
Theologe Wolfgang Huber in der Neustädter Kirche. Quelle: Benne
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Hannover

Kopftuchstreit, Kruzifixurteil, Karfreitagsruhe: "Die Religion beschäftigt uns immer wieder und immer mehr", konstatierte Oberlandeskirchenrätin Kerstin Gäfgen-Tack als Moderatorin des jüngsten Hanns-Lilje-Forums. Als Stargast der Diskussion um religiöse Pluralität war der frühere EKD-Ratsvorsitzende Wolfgang Huber in die Neustädter Kirche gekommen, "in der das Herz immer ein bisschen schneller schlägt", wie er mit Blick auf das ehrfurchtgebietende Leibniz-Grab sagte.

Zur Zeit der Reformation, erklärte Huber, galt es als als ausgemacht, dass gesellschaftlicher Zusammenhalt allein auf der Basis gemeinsamen Glaubens gedeihe. Heute hingegen seien 35 Prozent der Bevölkerung in Deutschland konfessionslos, die religiöse Landschaft sei vielfältig: "Christsein versteht sich nicht mehr von selbst." Dies stelle die Kirchen vor die Herausforderung, sich zu öffnen und neue Kommunikationsformen zu wagen. Huber ermunterte die Christen dabei, ruhig selbstbewusst zu sein: "Man braucht eine eigene Mitte, damit man für die Begegnung mit anderen offen ist."

Eindringlich warnte Huber davor, angesichts des Zustroms von Flüchtlingen religiöse und ethnische Identität zu verknüpfen: "Das ist einer der gefährlichsten Züge eines neuen Rechtspopulismus", sagte er in Anspielung auf Pegida-Parolen. Huber warb für ein wechselseitiges Kennenlernen der Religionsgemeinschaften, verurteilte Pauschalurteile und warb - nicht ganz unüberraschend - für gegenseitigen Respekt und Dialog.

In dieselbe Kerbe schlug die islamische Theologin Hamideh Mohagheghi, die in Hannover seit Jahrzehnten den interreligiösen Dialog pflegt. Sie plädierte gegen Abgrenzung und dafür, religiöse Pluralität als Chance statt als Bedrohung zu sehen. Sie selbst habe ihre eigene Religion im Gespräch mit anderen besser kennengelernt, sagte sie: "Ich bin in meinem Glauben fester geworden." So gesehen kann Pluralität viel stärker zum Fundament eigener Identität werden als das ängstliche Beschwören eines irgendwie christlichen Abendlands.

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