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Aus der Stadt Zähler nicht abgelesen: Studenten zahlen
Hannover Aus der Stadt Zähler nicht abgelesen: Studenten zahlen
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00:16 09.04.2015
Von Michael Zgoll
Foto: Sie zahlen Lehrgeld: Die Studenten Joana Heß und Tim von Lingen.
Sie zahlen Lehrgeld: Die Studenten Joana Heß und Tim von Lingen. Quelle: Michael Zgoll
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Hannover

Ausgezogen waren die Mieter allerdings schon Ende Mai 2013. Sie weigerten sich, zu zahlen, die Stadtwerke klagten. Am Amtsgericht Hannover mussten die jungen Leute jetzt lernen: Wenn du ausziehst, vergiss das Ablesen nicht.

Joana Heß studiert Betriebswirtschaft, Tim von Lingen Audiotechnik. Bei ihrem Auszug, so berichteten die 23-Jährige und ihr 24 Jahre alter Mitbewohner, hätten sie sich darauf verlassen, dass sich ihr Vermieter um die Ab- und Ummeldung kümmert. Ihr Auszug sei recht hastig über die Bühne gegangen, das Verhältnis zum Hauseigentümer war wohl nicht das beste. Und so versäumten sie, den Stromzähler abzulesen und den Stadtwerken die Werte mitzuteilen. Als ihnen später die unverhoffte Rechnung ins Haus schneite, überwiesen sie lediglich die aufgelaufene Grundgebühr von 42 Euro - 862 Euro aber blieben offen.

Enercity habe, so erklärte der Firmenjustiziar vor Gericht, erst im Januar 2014 erfahren, dass in der Vier-Zimmer-Wohnung ein neuer Kunde weilt; dieser beziehe seinen Strom offenbar über einen anderen Anbieter. Die Stadtwerke hätten nicht wissen können, wann irgendjemand ein- oder ausgezogen sei. Wenn man einen Versorgungsvertrag beenden wolle, sehe das Gesetz eine schriftliche Kündigung vor - und die habe Mitte 2013 nicht vorgelegen. Die verbrauchten Kilowattstunden von Joana Heß und Tim von Lingen seien auf Basis der Vorjahreswerte geschätzt worden, dementsprechend habe man die Rechnung ausgestellt.

Laut Enercity-Sprecherin Bianca Bartels kommt es häufiger vor, dass sich Kunden nicht ab- oder anmelden. Die Zahl der Fälle, die vor Gericht landen, liege aber bei unter 100 pro Jahr. Rechtsanwalt Klaus Rieper, der die Studenten vertrat, bemühte vergeblich Vokabeln wie „Verbraucherschutz“ und „Verantwortung des Vermieters“. Denn auch Richterin Anna-Lena Taterka machte keinen Hehl daraus, dass sie die Schuld für das Fehlen der Ablesung eindeutig bei den jungen Leuten sieht. Diese könnten höchstens versuchen, an den neuen Mieter heranzutreten und sich bei ihm schadlos zu halten. Das hätten sie bereits versucht, berichteten die Studenten, seien dort aber abgeblitzt.

Auf Drängen der Richterin einigten sich die Parteien auf einen Vergleich. Der Stadtwerke-Justiziar erklärte sich bereit, dem Paar „aus reinem Entgegenkommen“ 100 Euro nachzulassen - weil die Wohnung bis zum Einzug des Nachmieters einen Monat leer gestanden habe. So müssen die Studenten jetzt noch 762 Euro nachzahlen. „Wir haben Lehrgeld gezahlt“, meinte Joana Heß, „aber beim nächsten Auszug wissen wir, wie’s geht.“

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