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Aus der Stadt Zahl der Adoptionsbewerber in Hannover sinkt
Hannover Aus der Stadt Zahl der Adoptionsbewerber in Hannover sinkt
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00:15 13.12.2018
Weil die Geburts- und Schwangerschaftsmedizin immer besser wird, sinkt die Zahl der Adoptionsbewerbungen. Quelle: picture alliance / Bernd Wüstnec
Hannover

Die Zahl der Menschen, die in Hannover ein Kind adoptieren wollen, geht seit Jahren zurück. Wollten 2015 noch 49 sogenannte Adoptionsbewerber ein Kind zu sich nehmen, waren es 2017 nur noch 14. Mitte 2018 lag die Zahl bei 15 Bewerbern. Das geht aus einem Sachstandsbericht hervor, der jetzt Thema im städtischen Jugendhilfeausschuss war.

Sie halte die heute so vielfältigen, medizinischen Möglichkeiten, ein Kind zu bekommen, für den Grund für den Rückgang bei den Adoptionen, sagte Ramona Meyer vom städtischen Pflegekinder- und Adoptionsdienst in dem Ausschuss. Vor zehn bis 15 Jahren habe es noch Wartelisten mit bis zu 100 Bewerbern gegeben, die Wartezeiten für potenzielle Adoptiveltern hätten bis zu 4 Jahren betragen. Heute müssten künftige Eltern mit ein bis zwei Jahren Wartezeit rechnen. „Wir würden uns freuen, wenn es wieder verstärkt Interesse an Adoptionen gäbe“, sagte Meyer.

Stärkere Nachfrage bei Homosexuellen

In zwei Bereichen ist allerdings eine Steigerung der Adoptionen zu beobachten. Nach der Einführung der „Ehe für alle“ gebe es eine verstärkte Nachfrage bei männlichen homosexuellen Paaren, bei lesbischen Paaren dagegen nicht. „Frauen in gleichgeschlechtlichen Beziehungen haben noch andere Möglichkeiten, ein Kind zu bekommen“, sagte Meyer.

Auch die Zahl der sogenannten Fremdadoptionen in Hannover, bei denen ein unbekanntes Kind in die Familie vermittelt wird, steigt. 2018 hat die städtische Adoptionsvermittlung bereits im Juli 10 Kinder zur Adoption an fremde Familien vermittelt. 2017 waren es im ganzen Jahr 10, 2014 dagegen sogar nur 4 Vermittlungen gewesen. Das hat laut Sachstandsbericht mit der sogenannten „vertraulichen Geburt“ zu tun. Seit Mitte 2014 haben werdende Mütter die Möglichkeit, bei der Geburt in einer Klinik oder bei einer Hebamme 'legal' ihre Anonymität zu wahren, dem Kind jedoch ermöglichen, ab dem 16. Lebensjahr Informationen über seine Abstammung zu erhalten.

Fünf Mütter wollten ihre fremdadoptierten Kinder zurück haben

Seitdem hat es in Hannover 19 vertrauliche Geburten gegeben. In 5 Fällen blieben die Mütter anonym und ließen keinen Herkunftsnachweis erstellen. In fünf Fällen seit Mitte 2014 nahmen Mütter nach einer vertraulichen Geburt innerhalb des gesetzlichen Rahmens von einem Jahr ihre Entscheidung zurück. Bereits in Adoptivfamilien vermittelte Kinder mussten dort wieder herausgenommen werden. In den 20 Jahren vor der Einführung der vertraulichen Geburt habe es insgesamt nur drei Rückführungen gegeben, hieß es in dem Ausschuss.

Besonders bei der vertraulichen Geburt entschieden sich Frauen aus dem weiteren Umland für eine Adoption in Hannover. Sie wollten mit der Wahl der anonymen Großstadt wohl mehr Abstand zum ihrem Umfeld erreichen, heißt es in dem Bericht.

Diese Adoptionsformen gibt es

Im Zentrum einer Adoption steht immer das Wohl des Kindes. Ziel des Prozesses ist es daher, die bestmögliche Familie für das Kind zu finden, das nicht bei seinen eigenen Eltern aufwachsen kann. Dafür giobt es verschiedene Formen, die sich etwa dadurch unterscheiden, ob Kind und aufnehmende Eltern sich bereits kennen.

Die Stiefkindadoption kann man beantragen, wenn der neue Lebenspartner ein Kind in die Beziehung mitbringt und man für dieses Kind die vollen Pflichten und Rechte als Elternteil übernehmen möchte. Dem Stiefkindadoptionsantrag müssen beide Elternteile unterstützen.

Bei der Verwandtenadoption wird ein verwandtes Kind, also beispielsweise die Nichte oder der Neffe adoptiert. Mit diesem Schritt erlischt das Verwandschaftsverhältnis des Kindes zu seinen leiblichen Eltern, nicht aber zu seiner restlichen Familie. Eine Verwandtenadoption geht nicht leichter über die Bühne als eine Fremdadoption, sondern es wird in der Regel genauso geprüft, ob sich ein Eltern-Kind-Verhältnis entwickeln kann.

Bei Fremdadoptionen kennen sich aufnehmende Familie und Kind vorher nicht. Für das Kind erlöschen mit dem Schritt alle familiären Beziehungen zu seiner Herkunftsfamilie. In der Regel gibt es auch keinen Kontakt mehr zur Herkunftsfamilie. Mittlerweile können aber auch halboffene Adaptionen vereinbart werden, bei denen die leiblichen Eltern über Bilder und Berichte Anteil an der Entwicklung des Kindes haben. Möglich sind auch offene Adoptionen, bei denen sich leibliche und aufnehmende Eltern kennenlernen und es regelmäßige Kontakte zwischen Herkunftseltern und Kind gibt.

Von Jutta Rinas

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