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Aus der Stadt Zahl suchtkranker Senioren steigt
Hannover Aus der Stadt Zahl suchtkranker Senioren steigt
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10:05 20.03.2012
Von Veronika Thomas
Foto: Von Medikamenten werden im Alter eher Frauen abhängig.
Von Medikamenten werden im Alter eher Frauen abhängig. Quelle: dpa (Symbolfoto)
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Hannover

Aufgrund des demografischen Wandels und der steigenden Zahl älterer Menschen nimmt auch die Zahl suchtkranker Senioren zu. Schätzungen zufolge sind bundesweit 400.000 Menschen über 60 Jahren alkoholabhängig; bei jedem siebten pflegebedürftigen Heimbewohner besteht der Verdacht auf Alkoholmissbrauch. Die Dunkelziffer dürfte um ein Vielfaches höher liegen.

„Alkohol ist frei verkäuflich, und Beruhigungsmittel wie die weitverbreiteten Benzodiazepine werden von Ärzten viel zu häufig und viel zu leichtfertig verordnet“, sagte Wilhelm Unkel, Suchtmediziner und Psychiater in der Psychiatrie Wunstorf. Die Gründe für eine Alkohol- oder Medikamentenabhängigkeit im Alter sind vielfältig. Vielen fehlt nach Angaben von Christine Deibert vom Suchthilfeträger Step nach dem Ende ihres Berufslebens die Alltagsstruktur. Hinzu kämen soziale Isolation, der Verlust des Partners und der Mobilität aufgrund körperlicher Erkrankungen. Doch der Anteil der über 60-Jährigen, die eine ambulante Beratungsstelle aufsuchen, sei mit fünf Prozent äußerst gering. Und viel zu selten diagnostizierten Hausärzte eine Abhängigkeit, weil sie Symptome wie Vergesslichkeit, Zittern, Verwahrlosung, Depressionen oder häufige Stürze als Altersgebrechen einordneten.

Gleichwohl leiden Senioren aufgrund ihrer Sucht unter Schuldgefühlen, sagte Unkel weiter. Es sei aber zwecklos, sie aufzufordern, Alkohol oder Medikamente nicht mehr zu konsumieren. Vielmehr könnte es helfen, ihnen Hilfestellung bei der Bewältigung ihrer Probleme wie Angst oder Einsamkeit anzubieten. Wie mit dem Thema Sucht im Alter in Hannover künftig umgegangen werden soll, wurde am Montag nicht diskutiert. Vorgeschlagen wurden eine engere Verzahnung von Sucht- und Altenhilfe, mehr Aufklärung für die Betroffenen, etwa vor Ort in Senioreneinrichtungen und in Form einer Broschüre inklusive einer Liste mit Anlaufstellen. Möglich wäre auch eine Erweiterung des bereits bestehenden runden Tisches Drogenhilfe. So viel steht schon fest: Das Problem wird nicht kleiner.

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