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Aus der Stadt Die Stunde, die es nicht gab
Hannover Aus der Stadt Die Stunde, die es nicht gab
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20:30 25.10.2015
40 bis 50 Quarzuhren präsentiert Peter Albrecht in seiner Auslage, die von Hand umgestellt werden müssen. Quelle: Insa Cathérine Hagemann
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Hannover

Ein erstgeborener Zwilling, der laut Geburtsurkunde jünger als sein Geschwisterchen ist? In der Nacht der Zeitumstellung hätte sich dieses Mysterium auf der Geburtsstation der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH) zutragen können. Doch der Zufall blieb auch in diesem Jahr aus. Aber es ist tatsächlich so: „Auf der Urkunde wird die genaue Uhrzeit der Geburt vermerkt, ob alte Zeit oder neue Zeit spielt keine Rolle“, sagt MHH-Sprecher Stefan Zorn. Wenn also Zwilling Nummer eins vor der Zeitumstellung um 2.25 Uhr auf die Welt kommt und Nummer zwei um 2.05 Uhr, nachdem an der Uhr gedreht wurde, wird der Zweitgeborene schnell zum Erstgeborenen. Jedenfalls auf dem Papier.

Wir sind zurück in der Normalzeit. In der Nacht von Sonnabend auf Sonntag ist der Stundenzeiger um 3 Uhr zurück auf die Zwei gewandert, mit der Konsequenz, dass die Wecker eine Stunde später klingelten. Hatten auch die Kneipen nachts eine Stunde länger auf? „Nee“, sagt Daniel Fischer vom Alexander in Nähe des Schauspielhauses, „machen wir nicht mit. Wir haben die Kneipe wie immer um 3 Uhr dichtgemacht. Und dann haben wir die Zeit umgestellt.“

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Nun trinken die Hannoveraner den Morgenkaffee wieder zeitgleich mit Menschen in Kamerun, Nigeria und Angola, wo es keine Zeitumstellung gibt. Seit 1980 wird halbjährlich an der Uhr gedreht – zum Leid vieler: Laut „ARD-Deutschlandtrend“ sind 69 Prozent der Deutschen gegen die Zeitumstellung, nur 28 Prozent dafür. Schlafstörungen und Müdigkeit führen diejenigen an, die eine Abschaffung der Sommerzeit wünschen. „Generell hat die Zeitumstellung im Frühjahr und Herbst wenig beachtete Konsequenzen für die Gesundheit und das Unfallrisiko im Straßenverkehr“, sagt Hans-Günter Weeß von der Deutschen Gesellschaft für Schlafforschung und Schlafmedizin.

Doch bis auf Weiteres wird Andreas Bauch seinen Job als „Hüter der Zeit“ in der Physikalisch-Technischen Bundesanstalt in Braunschweig behalten. Hier steht die Atomuhr, die den exakten Zeittakt für alle Funkuhren vorgibt. Bauch und seine Arbeitsgruppe Zeitübertragung sorgten am Wochenende dafür, dass das Zeitsignal überall in Deutschland ankam. Weil der Vorgang automatisch abläuft, werden sie es in der Praxis verschlafen haben.

Von Linda Tonn

Manuelle Umstellung bei der Kirchenuhr der Jakobikirche

Viele Kirchturmuhren werden längst per Funksignal gestellt, auch bei der Zeitumstellung. „Doch unser mechanisches Uhrwerk stammt noch aus dem Jahr 1906“, sagt Rolf Zurmöhle. Der Kirchenvorsteher der Jakobikirche, selbst gelernter Uhrmacher, stellt die Kirchenuhr seit Jahrzehnten manuell: Immer, wenn die Sommerzeit endet, hält er das Pendel am Uhrwerk für eine Stunde an. Allerdings tut der 68-Jährige das nicht in der Nacht, sondern bereits am Abend zuvor. In Kirchrode beginnt die Winterzeit also gewissermaßen ein paar Stunden früher. „Wenn es dunkel ist“, sagt Zurmöhle, „sieht die Zeiger ja keiner.“ be

Eisbären bekommen früher Futter

Ein Problem haben die Eisbären im Zoo mit der Umstellung auf die Winterzeit nicht. Denn den Tieren ist vor allem daran gelegen, pünktlich an ihr Futter zu kommen – und das ist gesichert. Über den Tag verteilt geben die Pfleger kleinere Fischrationen aus. Im Stall wartet um 18 Uhr eine größere Portion Fleisch. Seit Sonntag schließt der Zoo bereits um 17 Uhr, auch die Bären haben damit früher Feierabend und kommen schneller an ihr Abendessen. Ab 2. November sogar bereits ab 16 Uhr.  bil

Gegen den Trend: Keine Mechanikuhren

Jedes Jahr erneute Arbeit beschert der Wechsel von Sommer- zu Winterzeit dem Fachgeschäft Uhren-Albrecht am Engelbosteler Damm: 40 bis 50 Quarzuhren präsentiert Peter Albrecht in seiner Auslage, die sich anders als die Funkuhren nicht selbst auf neue Zeiten einstellen. „Da sitzen wir schon gut und gerne anderthalb Stunden dabei“, schätzt der Uhrmacher. Einfacher ist es mit den Mechanikuhren: Sie laufen im Geschäft noch nicht.  bil

Zeitumstellung für Üstra eine Herausforderung

Nachtschwärmer in Bussen und Bahnen dürften die Zeitumstellung kaum bemerkt haben. Für die Üstra ist das Zurückdrehen der Uhr jedoch eine Herausforderung. Die Schicht von Fahrern wie Sven Ahlström, der auf der Linie 9 unterwegs war, verlängerte sich um eine Stunde: „Ich habe zwischen 2 und 3 Uhr angehalten und die Richtung gewechselt, um den Fahrplan wieder einhalten zu können.“ Fahrgäste, die etwa um 3.15 Uhr Sommerzeit am Kröpcke ankamen, konnten so den Anschlusszug um 2.20 Uhr nehmen. asl 

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