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Aus der Stadt Zeuge aus Maschseemord-Prozess will Belohnung
Hannover Aus der Stadt Zeuge aus Maschseemord-Prozess will Belohnung
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00:31 01.05.2015
Von Michael Zgoll
Der Maschseemord hatte bundesweit für Schlagzeilen gesorgt.
Der Maschseemord hatte bundesweit für Schlagzeilen gesorgt. Quelle: Christian Elsner (Archiv)
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Hannover

Ein Mann, der vor anderthalb Jahren im spektakulären Maschseemörder-Prozess eine auffällige Rolle als Zeuge spielte, steht jetzt selbst vor Gericht. Der 52-jährige Jürgen S. muss sich vor dem Amtsgericht Hannover wegen gewerbsmäßigen Betrugs, Urkundenfälschung und Diebstahls in insgesamt 37 Fällen verantworten.Verteidigerin Tanja Brettschneider führte den Mordfall um Alexander K., der eine Prostituierte umbrachte und ihren zerstückelten Körper unter Mithilfe einer Freundin in Maschsee und Ihme warf, direkt in das laufende Verfahren ein. Die Anwältin möchte für ihren Mandanten aufgrund der vorgeblichen Bedeutsamkeit seiner damaligen Aussagen im Mordprozess eine mildere Bestrafung im aktuellen Fall erwirken.

Brettschneider stellte den Antrag, den Schwurgerichtsvorsitzenden Wolfgang Rosenbusch als Zeugen zu laden. Dieser könne bezeugen, dass die Schilderungen von Jürgen S. im Spätsommer 2013 wesentlich zur Aufklärung des Maschseemörder-Falls beitrugen. S. hatte vor dem damaligen Prozess mehrere Wochen im gleichen Gefängnis wie Alexander K. gesessen. Seinen Angaben nach arbeitete er in der Justizvollzugsanstalt Sehnde mit der Polizei zusammen und horchte den des Mordes beschuldigten Mann wochenlang aus.

Vor dem Schwurgericht wartete S. dann mit vielen Schaudergeschichten auf, bei denen nicht immer klar war, wessen Fantasie sie entsprungen waren und ob K. im Gefängnis nicht über Gebühr oder absichtlich mit ausgedachten Gewaltexzessen geprahlt hatte. Auch waren die Aussagen des damals wegen Betrugs einsitzenden S. nicht immer widerspruchsfrei. Am Ende verurteilte das Schwurgericht Alexander K. wegen Mordes aus Mordlust – begangen aufgrund massiver Persönlichkeitsstörungen im Zustand erheblich verminderter Schuldfähigkeit – zu einer Unterbringung in der Psychiatrie und zwölf Jahren Haft.

Als 96-Talentsout ausgegeben

Jürgen S. verdingte sich in der zweiten Jahreshälfte 2012, so die Anklage, sofort nach einer Haftentlassung als Betrüger. Er lieh sich in Autohäusern unter Vorspiegelung falscher Tatsachen Fahrzeuge, die erst nach Tagen oder Monaten zu den Besitzern zurückkehrten. S. soll die Zeche in Hotels geprellt, ein Auto ohne Bezahlung betankt und einer Bekannten 1000 Euro abgeschwatzt haben. Von großem Einfallsreichtum zeugten seine mutmaßlichen Betrügereien in diversen Reisebüros.

Zunächst buchte er eine Pauschalreise, allerdings ohne Anzahlung. Dann ließ er einfließen, dass er Talentscout von Hannover 96 sei oder – unterwegs im Rheinischen – vom 1. FC Köln. Oft genug ließen sich die Angestellten darauf ein, dem netten Kunden  spontan 25 Euro für ein Sonderangebots-Trikot ihres Lieblingsvereins in die Hand zu drücken – was sie aber nie zu Gesicht bekamen.

Das Verfahren wird fortgesetzt. Noch offen ist, ob Amtsrichterin Gesine Irskens tatsächlich den Schwurgerichtsvorsitzenden laden wird, um Erkenntnisse über den Wert der Aussagen von S. im Maschseemörder-Prozess zu gewinnen.

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