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Aus der Stadt Zeuge bestätigt Darstellung von Prinz Ernst August vor Gericht
Hannover Aus der Stadt Zeuge bestätigt Darstellung von Prinz Ernst August vor Gericht
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23:18 21.10.2009
Von Wiebke Ramm
Ernst August Prinz von Hannover (M) mit seinem Frankfurter Anwalt Hans Wolfgang Euler (r) und seinem kenianischen Anwalt Saleen Ghalia. Quelle: Rainer Dröse
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Der Zeuge, auf den Ernst August Prinz von Hannover seine Hoffnung setzt, trägt Rastalocken, Ziegen- und Schnurrbart. Salim Ali Maulana, 37 Jahre alt, liebt Reggae, die Musik, die durch Bob Marley berühmt geworden ist. So hat diese Musik wohl auch in der Nacht des 14. Januar 2000 auf der kenianischen Insel Lamu die Attacke des Prinzen auf den Hotelier Josef Brunlehner untermalt, die Ernst August vor Gericht gebracht hat.

Genau weiß er es nicht mehr, sagt Maulana gestern nach seiner Zeugenaussage vor dem Landgericht Hildesheim. Doch er nimmt an, dass Reggae, seine „Lieblingsmusik“, aus seinem Kassettenrekorder kam, als er damals gegen Mitternacht auf der Mauer vor dem Peponi Hotel saß und auf Touristen wartete, um ihnen Bootstouren anzubieten. Doch statt der Urlauber kam Brunlehner – per Boot. Auf der Nachbarinsel Manda betrieb der Bayer damals eine Disko, durch dessen Laser und Musik sich Ernst August seit Langem belästigt fühlte.

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„Mr. Joe“, wie der Zeuge bei seiner Aussage vor Gericht den Hotelier Brunlehner nennt, sei vom Boot zu den Stufen gegangen, die neben dem Hotel vom Strand zum Dorf Shella führen. Doch weit kam „Mr. Joe“ nicht. Ernst August, der mit Gattin Caroline auf der Hotelterrasse gesessen hatte, stellte sich ihm in den Weg. „Er hinderte ihn daran, hoch zu gehen“, berichtet Maulana: „Und er hat ihm zweimal ins Gesicht geschlagen.“ Mit der flachen Hand, einmal links und einmal rechts. „Mr. Joe fiel auf den Rücken.“ Daraufhin habe er einen anderen Kenianer aufgefordert, „den Prinzen festzuhalten, sodass er Mr. Joe nicht mehr schlagen konnte“, sagt Maulana. Brunlehner habe sich aufgerappelt, sei zurück zum Boot gelaufen, Ernst August hinterher. Ein dritter Kenianer habe ihn erneut zurückgehalten. Ernst August „war sehr wütend und schimpfte laut“, sagt Maulana. Brunlehner sei unverletzt ins Boot gelangt und weggefahren. Er habe geschockt gewirkt.

Maulana sei der ganze Aufruhr unangenehm gewesen: „Es ist mitten in der Nacht, die Leute schlafen“, will er „Mr. Joe“ gesagt haben. Er habe ihn gebeten wegzufahren, damit „nicht alle Leute aufwachen“. Der Richter zeigt Maulana Fotos von Brunlehners lädiertem Oberkörper. Ob er einen Zusammenhang sehe zwischen dem Vorfall und den Verletzungen? Maulana: „Nein.“ Die Verteidiger des Prinzen haken nach: Brunlehner sei also nicht, wie es die Staatsanwaltschaft dem Prinzen vorwirft, von Ernst August mit einer Waffe am Ober- und Unterkörper verletzt worden? „Nein“, sagt der Rastamann. Heute geht der Prozess mit einem weiteren Zeugen aus Kenia weiter. Auch dieser soll die Ohrfeigen-Version des Prinzen bestätigen – und ihn so vom Vorwurf der schweren Körperverletzung entlasten.

Rüdiger Meise 20.10.2009
Juliane Kaune 20.10.2009