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Aus der Stadt Hannover verbietet „Zigeunerschnitzel"
Hannover Aus der Stadt Hannover verbietet „Zigeunerschnitzel"
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00:15 09.10.2013
Von Thorsten Fuchs
Der Verein der Sinti und Roma aus Hannover setzt sich für eine Umbenennung der „Zigeunersauce“ ein. Quelle: dpa
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Hannover

Vielleicht lässt sich die Welt auf diese Weise ja tatsächlich ein wenig besser machen. Man verbannt einfach ein unschönes Wort aus der Sprache, und schon, schwups, verschwindet auch seine unschöne Bedeutung aus dem Denken. Einfach nie mehr „Negerkuss“ sagen, schon klappts ein kleines bisschen besser zwischen schwarz und weiß. Der „Mohrenkopf“ und seine sprachlichen Verwandten verschwanden so schon aus den Wörterbüchern von guten Menschen und Süßwarenherstellern. Jetzt ist auch das Zigeunerschnitzel am Ende. Jedenfalls in Hannover.

Hier hat die Stadt nun ihren Kantinenchefs verboten, jemals wieder Schnitzel und Saucen dieses Namens auf die Tische zu bringen. Wohlgemerkt: Schnitzel mit jener schwer definierbaren Mischung aus Tomaten, Pilzen und manchem mehr darf es auch im Rathaus weiter geben – es muss nur anders heißen. Im Grunde werde der Begriff in den städtischen Restaurants schon seit Jahren nicht mehr verwendet, betont Sprecher Andreas Möser. In jüngster Zeit, räumt er ein, habe es aber einige „Ausrutscher“ geben. Da hatte sich das böse Z-Wort also doch wieder auf die Karte verirrt.

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Initiative des hannoverschen Forums für Sinti und Roma

Daher haben es alle städtischen Kantinen nun nochmal schriftlich bekommen: Das „Zigeunerschnitzel“ ist sprachlich nun endgültig aus Hannover verbannt. „Wir sehen, dass sich Menschen durch diese Bezeichnung diskriminiert fühlen“, erklärt Möser. „Darauf nehmen wir Rücksicht.“
Die Stadt reagiert damit auch auf eine Initiative des hannoverschen Forums für Sinti und Roma. Die Organisation hatte im August gefordert, den Begriff „Zigeuner“ aus dem kulinarischen Sprachgebrauch zu streichen. Er fühle sich durch die Bezeichnung diskriminiert und beschimpft, sagt der Vorsitzende, Regardo Rose. Den Schritt der Stadt Hannover begrüßt er daher: „Das ist eine gute Nachricht und zumindest ein kleiner Erfolg.“

Bei den Hauptadressaten des Protests hat das Forum jedoch bislang wenig ausrichten können. Zu Dutzenden stehen in jedem Supermarkt Flaschen mit jener Sauce, für die die Hersteller den Begriff „Zigeuner“ besonders passend finden – und daran wird sich wohl so bald auch nichts ändern. „Wir nehmen das Anliegen ernst“, betont zwar Konstantin Bark, Sprecher des Konzerns Unilever, der unter der Marke Knorr eine „Zigeunersauce“ verkauft. Es handele sich aber um einen klassischen Begriff aus der Gastronomie. Außerdem sei nicht klar, ob sich wirklich eine Mehrheit der Sinti und Roma an der Bezeichnung stört.

Bleibt die Frage, was man in der hannoverschen Rathauskantine denn nun sagen muss, um an das frühere Z-Schnitzel zu gelangen. Ein Sinti-und-Roma-Schnitzel, bitte? Nein, das soll es auch nicht sein. Schnitzel nach Balkan oder Budapester Art, so lautet nun die politisch korrekte Bezeichnung. Klingt also, als gehe es jedenfalls auch ganz gut ohne das „Zigeuner“ vor dem Schnitzel.

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